1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Herscheid

Sprachenschule bietet Geschäftspartnern aus der Ukraine Hilfe an

Erstellt:

Von: Dirk Grein

Kommentare

Der Mortimer English Club aus Herscheid hat auch Franchise-Partner in Russland. Im Sommer 2017 besuchten Geschäftsführer Jürgen Nauditt (rechts) und seine Assistentin Tanja Schröter (2. von rechts) mit ihren Partnern die Kathedrale St. Isaak in St. Petersburg.
Der Mortimer English Club aus Herscheid hat auch Franchise-Partner in Russland. Im Sommer 2017 besuchten Geschäftsführer Jürgen Nauditt (rechts) und seine Assistentin Tanja Schröter (2. von rechts) mit ihren Partnern die Kathedrale St. Isaak in St. Petersburg. © Archivbild

Der Angriff russischer Truppen auf die Ukraine sorgt auch in Herscheid für Entsetzen. Jürgen Nauditt, Geschäftspartner des Mortimer English Club, nahm am Donnerstag Kontakt zu den Franchise-Partnern in der Ukraine auf und bot ihnen seine Hilfe an. „Wir sind in großer Sorge um unsere Geschäftsparterinnen“, erzählt Nauditt.

Herscheid - Bereits vor einigen Wochen habe er den beiden Frauen, die eine Filiale der Sprachenschule in der Ukraine leiten, angeboten, ihnen Zuflucht vor Ort zu gewähren. Seinerzeit (kurz vor Weihnachten) waren die Frauen jedoch der Meinung, dass es nicht zu einem Angriff kommen würde.

Die Situation habe sich am Donnerstag durch den russischen Einmarsch und die Vorgehensweise der Streitkräfte dramatisch verändert. Eine der beide Geschäftspartnerinnen und ihre Familie seien auf der Flucht in Richtung polnischer Grenze. Sie berichtete Jürgen Nauditt von verstopften Straßen rund um Kiew und den eigenen Ängsten, dass die Grenzen aufgrund der einsetzenden Flüchtlingsströme geschlossen werden könnten.

Die andere Geschäftspartnerin wolle hingegen vorerst in Kiew bleiben, auch wenn sie wisse, dass die Situation mehr als bedrohlich für sie und ihre Familie sei. Neben den Angriffen fürchte sie Plünderungen; davon und von massiven Übergriffen sei ihr aus der Zeit erzählt worden, als Russland die Halbinsel Krim annektierte.

„Wir würden auch zur Grenze fahren und sie dort abholen“, sagt Jürgen Nauditt. Er berichtet, dass sein Unternehmen seit Jahren gute Kontakte zu den beiden Franchise-Partnern pflege.

Steckbrief: Mortimer English Club

Spielerisch Englisch lernen mit Spaß – so lautet das Erfolgsrezept des Mortimer English Club. Die Zentrale der Franchise GmbH befindet sich in Herscheid (Auf dem Hof 13). Hier initiierte Unternehmensgründerin Karola Scheer im Jahr 1990 die ersten Unterrichtsgruppen; mit Geschäftsführer Jürgen Nauditt leitet sie das Unternehmen bis heute. In den Kursen spielen Ritter Morty und seine Freunde eine große Rolle – mit ihnen lernen Schüler aller Altersgruppen die englische Sprache kennen. Das Herscheider Konzept ist über das Sauerland hinaus bekannt: Wie auf der Homepage zu lesen ist, hat das Unternehmen mehr als 300 Partner in 20 Ländern – weit über Deutschland und Europa hinaus, von Kolumbien über Marokko bis nach Russland und China.

Dasselbe gelte auch für die Kollegen in Russland. Dort hatte der Mortimer English Club erst im Dezember eine Neueröffnung feiern können. „Ab sofort können neben vielen weiten Standorten in Russland auch in Voronezh und Cherkessk große und kleine Schüler getreu unserem Motto ,Enjoy Learning’ die englische Sprache mit Spiel und Spaß erlernen“, hieß es in der damaligen Pressemitteilung. Bei Besuchen in Russland – unter anderem war Nauditt gemeinsam mit der Geschäftsstellen-Assistentin Tanja Schröter im Sommer 2017 zu Gast in St. Petersburg – habe er die Kontakte zu den dortigen Partnern vertiefen können.

Grundsätzlich habe er Unterschiede in der Mentalität der russischen Geschäftspartner feststellen können: Ein Großteil sei „westlich eingestellt“, sagt Nauditt. Andere hingegen trauern weiterhin der Zeit der Sowjetunion hinterher und beteuern, dass es ihnen damals besser gegangen sei. Mit den russischen Partnern wollte Nauditt am Freitag telefonieren.

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen der Krieg für sein Unternehmen haben wird, das müsse man zwar zunächst abwarten. Jedoch geht der Mortimer-Geschäftsführer davon aus, dass sobald die angekündigten harten Sanktionen (Stichwort Swift-Ausschluss) greifen, „für uns auch das Russland-Geschäft Geschichte sein wird“. Je nach Ausgang der kriegerischen Auseinandersetzung sei dasselbe für den Standort Ukraine zu befürchten.

Doch das sei zum jetzigen Zeitpunkt, da das Überleben der Geschäftspartner zähle, zweitrangig.

Auch interessant

Kommentare