„Das Leben siegt über den Tod“

Herscheider Seniorenzentrum erlebt Andacht unter freiem Himmel

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Die meisten Fenster waren geöffnet und ließen die Senioren aus sicherer Entfernung an der Freiluft-Andacht teilhaben.

Herscheid – Die diesjährigen Oster-Gottesdienste mussten wegen der Corona-Pandemie vor leeren Plätzen ohne Besucher stattfinden, doch eine Ausnahme war gestern Morgen vor dem Herscheider Seniorenzentrum zu beobachten: Auf dem Außengelände in der Nähe des Bistro-Eingangs hatten sich der evangelische Gemeindepfarrer Bodo Meier und Ulrike Mantel, Leiterin des Posaunenchores, versammelt, um eine Andacht zu veranstalten.

„Auf diese Weise schicken wir Ihnen einen österlichen Gruß. Weil wir uns alle nicht anstecken dürfen, stehen wir hier und Sie an den offenen Fenstern“, begrüßte Meier seine Zuhörer, die es sich in ihren Zimmern gemütlich gemacht hatten und aus sicherer Entfernung den Worten des Pfarrers lauschen konnten.

Ostern sei ein schönes Fest, an dem es Frühling werde und die Natur erwache. Gleichzeitig würden bei Erwachsenen Erinnerungen an die eigene Kindheit geweckt. „Es ist auch ein liebevolles Fest voller Hoffnung und Leben“, betonte Bodo Meier und ging prompt auf die aktuell „schwere Zeit“ ein: „Ein Virus verbreitet sich schnell und gefährlich. Wir können uns nicht mehr besuchen, die Hand reichen, geschweige denn umarmen.“ Die Menschen seien besorgt und ängstlich. Doch Not und Leid würden genauso zur Ostergeschichte gehören wie die Lebensfreude, so der Pfarrer. „Auch Maria war in großer Trauer um Jesus Tod.“ Diese habe sich jedoch in Freude verwandelt, als klar wurde, dass er ein neues Leben bei Gott habe. „Frohe Ostern. Der Herr ist auferstanden“, verkündete Meier die wichtigste Botschaft, die mit dem alten Osterlied „Wir alle wollen fröhlich sein“ stimmungsvoll zum Ausdruck gebracht wurde. Einige Senioren hatten sich längst an das offene Fenster begeben und sangen sichtlich erfreut mit.

Gemeindepfarrer Bodo Meier (re,) und Posaunenchor-Leiterin Ulrike Mantel bescherten den Bewohnern des Seniorenzentrum gestern einen österlichen Gruß.


„Das Leben siegt über den Tod“, hieß es zum Abschluss der Andacht, für die sich Anke Dahlhaus, Leiterin des Seniorenzentrums, bei allen Beteiligten ausdrücklich bedankte: „Damit haben sie unseren Bewohnern eine große Freude bereitet.“ Generell sei sie von der vielfältigen Hilfsbereitschaft in Herscheid beeindruckt. Sowohl am Samstag als auch an Ostersonntag hatten sich erneut Musiker vor der Einrichtung aufgestellt, um den Senioren etwas vorzuspielen. „Wir kannten die Menschen gar nicht“, beschrieb Anke Dahlhaus die völlig überraschenden Auftritte. Zuletzt habe eine Herscheiderin sogar frische Waffeln vorbeigebracht. Und was mit der Schlange aus Steinen am Rathaus begonnen hat, setzt sich inzwischen auch am Seniorenheim fort. Das Küchen-Mitarbeiterteam ergriff die Initiative und brachte die Aktion ins Rollen, um damit die Bewohner zu erfreuen. So wächst nur wenige Meter vom Haupteingang entfernt ein Meer aus bunten Steinen, zu dem jeder beitragen kann.

Auf Begeisterung stoßen auch die vielen Briefe, die derzeit an die Bewohner geschickt werden. Diese revanchierten sich bereits mit Postkarten für ihre Angehörigen. Besuche waren bekanntlich selbst an Ostern nicht erlaubt. Um trotzdem keinerlei Langeweile aufkommen zu lassen, veranstalteten die Mitarbeiter des Seniorenzentrums am Wochenende unter anderem eine „Oster-Olympiade“. Kegeln, Zielwerfen und Eierlaufen – die Senioren konnten aufgeteilt in kleine Gruppen ein abwechslungsreiches Freizeitprogramm genießen.

Wegen des warmen Wetters fand alles im Freien statt. Passend zum Osterfest durfte natürlich auch das Eierfärben nicht fehlen. „Den Bewohnern geht es gut und wir freuen uns über die große Unterstützung von außen. Wir fühlen uns nicht allein und ich finde, das macht eine kleine Gemeinde wie Herscheid aus“, lobt Anke Dahlhaus den Zusammenhalt vor Ort.

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