Betreiber meint: „In NRW ist es im Moment die schönste Anlage“

Endlich wieder offen: Minigolf mit Retro-Ambiente im MK nimmt Betrieb wieder auf

Minigolf erfreut sich auch weiterhin großer Beliebtheit. Die Herscheider Anlage konnte jetzt nach einem Jahr coronabedingter Schließung wieder öffnen.
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Minigolf erfreut sich auch weiterhin großer Beliebtheit. Die Herscheider Anlage konnte jetzt nach einem Jahr coronabedingter Schließung wieder öffnen.

Es ist ein Spaß für jedermann und bei weitem nicht so simpel, wie man vielleicht vermuten könnte: Minigolf. „Die meisten Fehler werden schon im Stehen begangen“, weiß Kurt Udo Kobisch zu berichten, der gemeinsam mit seiner Frau Anneliese Gehnen die Minigolfanlage im Herscheider Gemeindezentrum betreibt.

Herscheid - Auch die richtige Ballauswahl ist maßgeblich entscheidend, ob ein Schlag gelingt oder nicht; genauso wie Schläger- und Körperhaltung, Schlag und Abschwung. Eine kurze Einführung erhalten die Gäste bereits an der Kasse und wenn wenig los ist oder seine Frau die Kasse bedient, geht Kobisch gerne über den Platz, um den Spielern Tipps zu geben.

An Sonntagnachmittag ist es ruhig. Eine Familie hat ihre Runde eben beendet, zwei weitere und ein Pärchen sind noch mitten im Spiel. Am Vortag sei deutlich mehr los gewesen, erzählt Kobisch. Rund ein Jahr hatte die Minigolfanlage wegen Corona geschlossen bleiben müssen. „Das wurde auch höchste Zeit“, sagt Kobisch und gibt sich zuversichtlich „Ich denke, es geht jetzt nur noch aufwärts.“

Vor Corona sei der Platz „schon stark“ besucht gewesen, wobei laut Kobisch rund 50 Prozent der Besucher nicht aus dem Märkischen Kreis stammen, sondern aus dem Ruhrgebiet und dem Siegerland. Viele Stammgäste hätten bereits angerufen, um zu fragen, ob schon geöffnet ist.

Keine Reservierung notwendig

Einen Termin muss man nicht vereinbaren, bei Gruppen ab fünf Personen sei es aber von Vorteil, um mögliche Wartezeiten zu vermeiden. Ein negativer Coronatest sei ebenso nicht nötig und eine Maske müsse nur beim Empfang der Schläger und Bälle getragen werden; während des Spiels dürfe sie dann abgesetzt werden.

Kobisch hält seine Gäste dazu an, immer eine Bahn frei zu lassen, damit sich die Spieler nicht zu nahe kommen. Schläger und Bälle werden desinfiziert. Das habe man aber schon immer so gehandhabt: Schließlich wolle man gerade im Hochsommer niemandem den schweißnassen Schläger vom Vordermann zumuten, sagt Kobisch

Doch nicht nur Corona habe dem Betreiberehepaar zugesetzt, zu allem Überfluss sei auch noch ein Wasserschaden am Haus hinzugekommen, der zeitnah behoben werden soll.

Sauberkeit ist wichtig

Auch an den Bahnen ist der ein oder andere optische Makel auszumachen, doch Kobisch betont, es handle sich um bauliche Schäden, die mit der Spielfläche nichts zu tun haben. „Die Qualität der Bahn kann nicht mehr als beste bezeichnet werden, dafür hat sie das Alter. Aber es lassen sich sehr gute Ergebnisse erspielen.“

Zwar sollen die Bahnen einen neuen Anstrich erhalten, doch wichtiger als Farbe ist Sauberkeit. „Sauberkeit ist eine ganz wichtige Sache“, so Kobisch. Darum hängt bei jeder Bahn ein kleiner Besen, mit dem die Spieler die Spielfläche fegen können. Kobisch selbst fährt zur Reinigung größeres Geschütz auf und pustet die Bahnen mit dem Laubbläser frei – bei Bedarf mehrmals am Tag. Wenn im Herbst die Blätter fallen, sei es besonders arbeitsintensiv; schlimmer noch seien im Frühjahr die Kätzchen der Birken, sagt Kobisch.

Bäume sind Leid und Freud

So sind die üppigen Bäume des Platzes Leid und Freud zugleich: Denn im Sommer spenden sie Schatten und wirken außerdem windhemmend. „Wenn auf einer flachen Fläche der Wind geht, da kann man schon fast gar nicht mehr spielen“, erklärt Kobisch. „Dann spielt man nach vorne und der Ball kommt zurück.“ Zudem verleihen die Bäume dem Platz eine gemütliche Atmosphäre.

Kurt Udo Kobisch meint: „Die Qualität der Bahn kann nicht mehr als beste bezeichnet werden, dafür hat sie das Alter. Aber es lassen sich sehr gute Ergebnisse erspielen.“

Das war jedoch nicht immer so: Als die Anlage 1963 errichtet wurde, „stand hier nicht ein einziger Baum. Das war alles Viehwiese.“
Kobisch und seine Frau erschufen eine kleine grüne Oase, die auch heute noch durch „Retro-Ambiente“ überzeugt. „Ich würde sagen, in NRW ist es im Moment die schönste Anlage“, meint Kobisch.

„Wir haben so einen netten Kundenkreis“, sagt Kobisch. „Rabauken“ gebe es keine, wenn es auch schon vorgekommen sei, dass Leute aus Gedankenlosigkeit beispielsweise mit dem Schläger auf die Bahn klopfen, während sie darauf warten, an der Reihe zu sein. Das schade der Bahn natürlich.

Erinnerungen an Deutsche Meisterschaften

Ein Höhepunkt der Anlagengeschichte seien sicherlich die Deutschen Meisterschaften, die dort im Jahr 1987 ausgetragen wurden. Kobisch erinnert sich noch gerne an diese Zeit und kommt ins Schmunzeln, wenn er erzählt, wie Wolfgang Weyland, damaliger Bürgermeister Herscheids, in seiner Eröffnungsrede „allen Teilnehmern recht viele Punkte“ gewünscht hat. „Das war ein Grölen“, erinnert sich Kobisch und muss noch heute lachen. Schließlich geht es beim Minigolf darum, möglichst wenig Punkte zu erspielen.

Die Bahnen

Die Minigolfanlage in Herscheid ist eine Betonbahn, „System Bongni“. Die Bahnen sind zwölf Meter lang, 1,25 Meter breit und der Zielkreis hat einen Durchmesser von 2,5 Metern. Die 18 genormten Betonbahnen werden immer in der gleichen Reihenfolge angeordnet. Besonders ist die Bahn 7, der Weitschlag, bei der der Ball eine Distanz von 25 Meter überwinden muss. Diese Bahn ist an das Großgolf angelehnt und zeigt damit den Ursprung des Minigolfs.

Das 60-jährige Jubiläum in zwei Jahren will Kobisch noch mitnehmen und sich anschließend allmählich zur Ruhe setzen. Er hofft, jemanden zu finden, der die Bahn dann weiterbetreibe. Interessenten gebe es genug, aber noch keine feste Zusage, so Kobisch. Bis dahin werden er und seine Frau auch weiterhin nahezu jeden Tag auf dem Platz sein.

Öffnungszeiten: Bei spielfähigem Wetter ist die Minigolfanlage von April bis Oktober täglich zwischen 10 und 20 Uhr geöffnet. In der zweiten Jahreshälfte ist der kleine Laden, in dem Kunsthandwerk aus dem Erzgebirge angeboten wird, geöffnet.

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