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Landwirte und Jäger einig: Afrikanische Schweinepest muss gestoppt werden

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Von: Hartmut Damschen

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Teilnehmer einer Großübung in Sachsen-Anhalt simulieren die Bergung eines Wildschweins, das an der Afrikanischen Schweinepest erkrankt sein könnte. Die Angst vor der Ausbreitung der Seuche ist auch bei den heimischen Landwirten und Jägern groß.
Teilnehmer einer Großübung in Sachsen-Anhalt simulieren die Bergung eines Wildschweins, das an der Afrikanischen Schweinepest erkrankt sein könnte. Die Angst vor der Ausbreitung der Seuche ist auch bei den heimischen Landwirten und Jägern groß. © Foto: DPA / Bein

Auch wenn die Afrikanische Schweinepest (ASP) noch weit entfernt scheint, heimische Jäger und Landwirte sind dennoch in großer Sorge. Dass die Jagd auf Schwarzwild in der Nacht zur Eindämmung der Seuche nicht erleichtert wird, stößt bei den Mitgliedern des Herscheider Hegerings daher auf Unverständnis.

Herscheid - Die Alarmglocken schrillen bereits in der heimischen Region: Noch liegen die ASP-Schwerpunkte in Südosteuropa, Ungarn, Rumänien, der Ostslowakei, Polen und dem Baltikum. Ein Ballungszentrum ist das Grenzgebiet in Polen an der Grenze zu Deutschland. Es wurde vor einiger Zeit mit dem Bau eines 670 Kilometer langen Wildschwein-Schutzzaunes entlang der Grenze begonnen, der nun fertig ist.

Trotzdem wurden einige an der Seuche verendete Wildschweine auf der deutschen Seite gefunden. Kein Wunder also, dass sich heimische Landwirte schon Sorgen um ihren Hausschwein-Bestand machen – auch wenn laut dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, in Deutschland bisher nur drei infizierte Hausschweine gezählt worden seien.

Wildbestand und finanzielle Schäden

Doch die Furcht der Jäger und Landwirte vor der Schweinepest geht um. Die Jäger fürchten um den gesunden Wildbestand, die Landwirte fürchten sich vor gewaltigem finanziellen Schaden, der entsteht, wenn alle Schweine bei einem ASP-Befall getötet werden müssen.

Um die Wildschweine, die das Virus möglicherweise in sich tragen und es an die Hausschweine weitergeben, besser bejagen zu können, hätte sich auch der Hegering Herscheid eine Erleichterung der Nacht-Jagd auf Schwarzwild gewünscht. Dies wäre beispielsweise mit Nachtsichttechnik möglich. Darüber informierte Heinz Brath, stellvertretender Vorsitzender, im Rahmen der letzten Jahreshauptversammlung des Herscheider Hegering.

Diese Karte des FLI zeigt die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest unter Wildschweinen (blau) und Hausschweinen (rot) zum 17. September an. Deutlich wird, dass an der Grenze zwischen Deutschland und Polen derzeit ein ASP-Hotspot herrscht und dass vor allem in Rumänien besonders viele Hausschweine das Virus in sich tragen.
Diese Karte des FLI zeigt die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest unter Wildschweinen (blau) und Hausschweinen (rot) zum 17. September an. Deutlich wird, dass an der Grenze zwischen Deutschland und Polen derzeit ein ASP-Hotspot herrscht und dass vor allem in Rumänien besonders viele Hausschweine das Virus in sich tragen. © Quellen: ADIS / TSN

Ein Entwurf der bisherigen Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, sollte einige Dinge im Bundesjagdgesetz neu regeln. Unter anderem auch die Aufhebung des Verbots von Nachtzieltechnik für Schwarzwild im Hinblick auf die Afrikanische Schweinepest. Durch ein Veto Bayerns wurden die bereits weit gediehenen Beratungen blockiert. Eine Novellierung des NRW-Landesjagdgesetzes und des Waffengesetzes hinsichtlich des Einsatzes von Hilfsgeräten bei der Jagd sei frühestens nach der NRW-Wahl im Frühjahr 2022 zu erwarten. Doch haben die heimischen Landwirte noch so lange Zeit?

Starke Einschränkungen

Die Jagd mit Hilfsmitteln wie Nachtsichtgeräten sei generell verboten, erläuterte Brath. Lediglich eine Restlich-Verstärkung sei erlaubt – Wärmebildtechnik sei ebenso wie alle Bildwandlersysteme verboten. Das, was erlaubt ist, dürfe nur von einem erhöhten Ansitz aus und mit einer Schussdistanz bis zu 100 Metern benutzt werden. Erlaubt seien die Hilfsmittel auch nur bei der Jagd auf Schwarzwild.

Verboten seien Festanbauten dieser Hilfsmittel, lediglich eine Befestigung über Adapter dürfe erfolgen. Erlaubt seien die Hilfsmittel auch nur, wenn keine künstliche Lichtquelle am Zielgerät angebaut sei – auch, wenn dieses ausgeschaltet bleibe.

Ergänzend gelte hierzu: Künstliche Lichtquellen und Infrarotstrahler seien bei der Jagd erlaubt, aber nur bei der Schwarzwildjagd. Zudem dürften sie nicht fest mit der Zieloptik und der Nachtsichttechnik verbunden, sondern müssten auf einem separaten Stativ oder an der Ansitzeinrichtung befestigt sein.

Die Preise für Schweinefleisch befänden sich derzeit „im Keller“. Die Politik führe daher derzeit intensive Gespräche mit China und Frankreich, trotz ASP deutsches Schweinefleisch zu kaufen. Andere Länder wie Kanada oder Vietnam hätten das sogenannte Regionalisierungskonzept akzeptiert und erlaubten den Import aus nicht betroffenen Bundesländern.

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