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Landwirte mit Existenzsorgen: Regionalplan stößt auf Kritik

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Von: Volker Halbhuber

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Winterliche Kahlfläche: So wie hier am Spielberg sind bereits etliche Fichtenbestände in Herscheid dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen.
Winterliche Kahlfläche: So wie hier am Spielberg sind bereits etliche Fichtenbestände in Herscheid dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen. © Grein, Dirk

Große Sorgen beschäftigen derzeit die Landwirte im Kreis: Im Rahmen der Winterversammlung des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Plettenberg-Herscheid wurde deutlich, dass manche gar um ihre Existenz fürchten. Und dabei bereite nicht nur der Regionalplan Südwestfalen Probleme.

Herscheid - Der Ortsverband verzichtete bei seiner Versammlung in der Aula des Bildungszentrums am Rahlenberg bewusst auf Ehrengäste und lange Vorträge. Nach zwei Jahren coronabedingter Pause der Präsenz-Veranstaltung sollte diese nicht zu lang werden. Dennoch war es dem Ortsverbandsvorsitzenden Dirk Voß wichtig, die gut ein Dutzend Anwesenden bei den wichtigsten Themen für die Landwirte auf Stand zu bringen.

2021 sei für den Ortsverband und die Landwirte trotz Corona und ausgefallener Sitzungen und Stammtische arbeitsreich gewesen. Im Verbund mit den Kreisverbänden aus Olpe und Siegen-Wittgenstein machen die Landwirte beim Regionalplan Südwestfalen Druck bei der Bezirks- und Landesregierung. Vor allem die BSN-Flächen (Bereich sensibler Naturschutzflächen), würden den Landwirten große Sorgen bereiten. Kreislandwirt Dirk Voß machte dies am eigenen Beispiel deutlich.

„Herscheid und Meinerzhagen sind hier vom Regionalplan massiv betroffen. Sollte der Plan so zum Tragen kommen, wären alle Grünflächen um meinen Hof herum für mich nicht mehr möglich zu bewirtschaften. Das wäre ein Rieseneinschnitt für meine Existenz. Und so geht es vielen anderen Landwirten ebenfalls“, erklärte Voß nach der Versammlung im Gespräch.

Und auch die hohe Damwildpopulation mache den Landwirten die Bewirtschaftung der Flächen schwer. „Das Damwild frisst mittlerweile so viel, wie eine Kuh“, zeigte Voß auf, welche Erträge den Landwirten verloren gingen durch das hohe Aufkommen an Damwild. „Hier müssen wir richtig dicke Bretter bohren“, war sich Kreislandwirt Dirk Voß sicher, um die Damwildproblematik der Landwirte lösen zu können.

Kreislandwirt Dirk Voß sieht große Probleme für die Landwirte durch den Regionalplan und die Ausbreitung des Damwildes.
Kreislandwirt Dirk Voß sieht große Probleme für die Landwirte durch den Regionalplan und die Ausbreitung des Damwildes. © Foto: Halbhuber

„Wir wollen absolut keine Ausrottung des Damwildes, sondern eine ausgewogene Mischung“, machte Voß ausdrücklich darauf aufmerksam, dass Damwild durchaus gewünscht sei, „aber die ausgeartete Population und das Problem müssen wir in die richtigen Bahnen kriegen“. Unterstützung erhielt Voß durch die Versammlung, die das Problem unterstrich. „Auch die Jägerschaft hat bald keine Lust mehr, zumal sich das geschossene Tier auch nicht vernünftig vermarkten lässt“, so Marius Bußmann. „Dieses Problem ist menschengemacht. Hier muss was passieren“, so Voß mahnend.

Revierleiter Henning Stolz vom Regionalforstamt Märkisches Sauerland gab einen kurzen, aber besorgniserregenden Bericht zum Stand der Wälder im Märkischen Kreis. „Ende 2022 werden unsere Wälder im Märkischen Kreis fichtenfrei sein“, erklärte Stolz, der auch keine Chance dafür sehe, dass die Fichte in unseren heimischen Wäldern noch eine Zukunft hat. „Leider haben sich meine Ausblicke aus 2020 leider bestätigt“, so Stolz. Welche Hölzer genau für die Wiederaufforstung eingesetzt werden, konnte Stolz zwar nicht sagen, aber „die Bäume müssen 40 Grad Wärme aushalten und wir brauchen mehr Laubhölzer“, ist Stolz sicher. „Die nächsten Jahre werden zeigen, welche Hölzer die neuen Wälder bilden werden.“

Wirtschaftlich sei das Borkenkäferholz ein Desaster. „Wir haben 2021 zwölf Millionen Euro Fördermittel durchgedrückt“, so Stolz und wirkte sichtlich betrübt, als er beschrieb, dass 100 Jahre alte Fichten für 5 bis 10 Euro „verramscht“ werden müssten.

Zwar seien die Holzpreise mittlerweile für die Waldbauern wieder gestiegen, ohne Förderung geht es nicht. Aber Stolz mahnte auch, die aktuellen Fördermittel vorsichtig zu betrachten. „Dies ist ein ungenießbarer Brei.“

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