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Kreislandwirt Dirk Voss: Durch Regionalplan werden Existenzen bedroht

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Von: Dirk Grein

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Wie geht es weiter für Dirk Voss? Der Landwirt sorgt sich um den Fortbestand seines Hofs, sollte der Regionalplan wie von der Bezirksregierung entworfen in Kraft treten.
Wie geht es weiter für Dirk Voss? Der Landwirt sorgt sich um den Fortbestand seines Hofs, sollte der Regionalplan wie von der Bezirksregierung entworfen in Kraft treten. © Archivfoto

Sieben Vollerwerbslandwirte gibt es in Herscheid noch, sechs von ihnen widmen sich der Milchviehwirtschaft. Ihnen allen drohen Einschränkungen, möglicherweise sogar das Aus, sollte der von der Bezirksregierung erstellte Regionalplan umgesetzt werden. Dagegen laufen die Landwirte Sturm.

Herscheid - „Herscheid ist betroffen wie keine andere Kommune im Kreis“, stellt Dirk Voss fest. Der Kreislandwirt aus Friedlin befasst sich seit Wochen intensiv mit diesem Thema, besucht Versammlungen und Sitzungen, macht auf die Fehlplanung, wie er sie nennt, aufmerksam. Denn: Eine Landwirtschaft in ihrer jetzigen Form wäre gefährdet, würde dieses Vorhaben umgesetzt, warnt Voss.

Als Kern des Problems macht er die sogenannten BSN-Flächen aus; dabei handelt es sich um Bereiche für den Schutz der Natur. Diese seien im Entwurf für den neuen Regionalplan flächendeckend eingesetzt worden. „Landwirtschaftliche Ackerfläche wird auf einmal als Naturschutzfläche definiert, das will mir nicht in den Kopf“, kritisiert Voss.

Was diese planerische Änderung konkret bedeuten würde, lasse sich noch nicht abschätzen. Wenn jedoch auf heutigen Grünflächen, die drei bis vier Mal pro Jahr gemäht werden, der Naturschutz Priorität habe, dann wäre eine Bewirtschaftung kaum noch möglich. Voss spricht von einer Enteignung, da nicht mehr frei über die eigenen Flächen entschieden werden könnte.

Doch warum diese Änderung? Die Bezirksregierung scheibt Folgendes zu den BSN-Flächen: „Dies ist nicht gleichbedeutend mit der Festsetzung eines Naturschutzgebietes. Die Bereiche für den Schutz der Natur sind besonders sensible Bereiche, in denen dem Naturschutz der Vorrang gegenüber anderen Belangen eingeräumt wird. Sie sind auf Ebene der Regionalplanung die wichtigsten Bausteine zur Schaffung eines weiträumigen Biotopverbunds.“ Formulierungen, die den Kreislandwirt weiter auf die Palme bringen.

Seit über 50 Jahren beackere er Flächen in Herscheid. Beste Wasserwerte, Teilnahme am Kulturlandschaftsprogramm, Anlegen von Blumenwiesen, die intensive Suche nach Rehkitzen vor der Mahd – die Landwirte engagieren sich bereits auf vielfaltige Weise für den Naturschutz. Doch dieser Schritt gehe eindeutig zu weit.

Die am Schreibtisch getroffenen Entscheidungen seien für die Landwirte eine Katastrophe: „Unsere Flächen werden entwertet“, sagt der Herscheider. Bruchbachtal, Verse, Danklin, Gasmert – viele Bereiche der Gemeinde seien betroffen.

Auswirkungen auf Industrie- und Wohnbauflächen: Gemeinde äußert Bedenken

„Der Regionalplan (ehemals Gebietsentwicklungsplan) legt die regionalen Ziele der Raumordnung für die Entwicklung der Region sowie für alle raumbedeutsamen Planungen und Maßnahmen fest“ – so erklärt die Bezirksregierung Arnsberg die Bedeutung des Regionalplans. Mit dessen Fortschreibung stößt die Behörde auf großen Widerstand in nahezu allen Kommunen des Kreises. Auch die Gemeinde Herscheid ist mit einigen Punkten des Entwurfs nicht einverstanden. Diese betreffen in erster Linie Ausweisungen von Industrieflächen. Für das Gewerbegebiet in Friedlin sollte eine zukünftige Erweiterung in nördliche Richtung ermöglicht werden; die dortigen Fichten-Monokulturen könnten aufgrund ihrer geringeren ökologischen Bedeutung weichen, erklärt Bauamts-Mitarbeiter Jan Koopmann. Im Entwurf für den Regionalplan sind hingegen Flächen östlich des Gewerbegebietes für eine Erweiterung markiert. Diese möchte die Gemeinde langfristig für die Landwirtschaft reservieren. Kritisch nimmt die Gemeinde Stellung zu den Planungen im Bereich Hüinghausen. In Zusammenarbeit mit der Stadt Plettenberg soll ein interkommunales Gewerbegebiet entstehen. Über dieses berieten die Bau- und Planungsämter beider Kommunen erst kürzlich. Entstehen soll das Gebiet zwischen der heutigen Firma Seissenschmidt (Köbbinghausen) und dem Bahnhof der Museumseisenbahn (Hüinghausen). Dazu gibt es bereits eine Machbarkeitsstudie, die vom Rat beschlossen worden ist. Doch die Planungen würden durch den Regionalplan zunichte gemacht. Außerdem stuft die Bezirksregierung Hüinghausen aufgrund seiner Größe (unter 2 000 Einwohner) nicht mehr als allgemeinen Siedlungsbereich aus. Die Gemeinde will dennoch sicherstellen, dass sie ihre planerische Ideen weiter verfolgen kann. Denn, das betont Jan Koopmann: Vor Ort gebe es nicht etwa einen Überhang an Wohnbauflächen, sondern ein Defizit. eb/dg

Voss selbst, der rund 110 Hektar Flächen bewirtschaftet, von denen mehr als 40 Prozent von der Änderung betroffen wären, sieht dadurch die Zukunft seines Familienbetriebs in akuter Gefahr. Für ihn, seine Frau und seine beiden Kinder, die in die Fußstapfen ihres Vaters treten und den Hof einmal übernehmen wollen, stehe die Existenz auf dem Spiel. „Ich weiß nicht, wie es weitergehen sollte.“

Die Art und Weise, wie der Regionalplan erneuert wurde, sei eine Unverschämtheit, grantelt der Friedliner. Auf die Bedürfnisse der Flächenbesitzer sei keine Rücksicht genommen worden. Der Plan selbst sehe rein optisch so aus, als habe jemand willkürlich mit einem dicken Stift Striche auf einer Karte eingezeichnet.

Sollten die bisherigen Flächen nicht mehr genutzt werden können, hätte das nicht nur Konsequenzen für die Landwirte. Voss spricht von einem Kahlschlag für die Landschaft. „Das kann so nicht stehenbleiben“, macht er deshalb mobil. Bis Ende des Monats können Widersprüche gegen die Planungen erhoben werden. Der Kreislandwirt macht dies auf breiter Front.

Auch von der Gemeinde Herscheid erhofft er sich Rückendeckung. Die Verwaltung hat bereits eine Stellungnahme aufgesetzt, um auf eigene Benachteiligungen durch die Regionalplanung hinzuweisen. Die Kritik der Landwirte, stellvertretend vorgebracht durch Dirk Voss, soll in verschärfter Version in dieses Schreiben aufgenommen werden.

Öffentliche Sitzung: Der Regionalplan und die Stellungnahme der Gemeinde werden am kommenden Montag, 21. Juni, in der öffentlichen Sitzung des Bau- und Planungsausschusses besprochen. Diese beginnt um 17 Uhr im Bürgersaal des Rathauses. Weitere Themen: Geschwindigkeitsmessstellen und ein SPD-Antrag auf Prüfung der Installation von Frischluft-Klimaanlagen im Bildungszentrum.

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