Nachbarn und Schutzzaun retten bis zu 2 000 Amphibien das Leben

Dem Straßentod entkommen - mit dem Krötentaxi

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Klare Rollenverteilung bei Paaren: Die Männchen krallen sich an den Weibchen fest und lassen sich tragen.

Herscheid – Sie quaken nicht, sie quieken und wirken dabei quietschlebendig: Die 160 Erdkröten, die in den Eimern von Ulrich Grote sowie Petra und Jaylee Andrießen sitzen, scheinen sich auf ihre Weise zu bedanken für den Transport über die – für die Tiere – tödliche Landstraße 696.

Die Wandersaison hat für die Anwohner Im Ebbe begonnen, im doppelten Sinne. Denn mit den ansteigenden Temperaturen bewegen sich die Erdkröten ihrem inneren Navigationsgerät folgend in Richtung ihrer Laichgewässer. 

Zwischen ihrem Winterquartier im Wald und den Forellenteichen liegt die viel befahrene L 696. Diese zu überqueren, wäre für die in diesen Tagen trägen Amphibien ein todbringendes Unterfangen. 

Deswegen hat der Naturschutzbund MK oberhalb der Landstraße einen gut 250 Meter langen Schutzzaun angebracht. Dieser hindert die Kleintiere daran, auf die Straße zu kriechen. 

Stattdessen werden sie in Eimer geleitet, die entlang des etwa 30 Zentimeter hohen Zaunes in die Erde eingelassen sind. Diese Eimer werden einmal (bei entsprechender Witterung auch zweimal) täglich von den Anwohnern geleert. Als Krötentaxi bringen sie die Amphibien sicher über die Straße zu einem Wiesengrundstück am Ebbebach. 

Unterwegs geben die Tiere die erwähnten, erstaunlich hellen quiekenden Töne ab. Auf der Wiese ausgesetzt suchen sich die Kröten (in eher seltenen Fällen sitzen auch Laubfrösche oder Molche im Eimer) ihren Weg zu den Teichen. Wer jedoch einen raschen Schlussspurt hin zu den sicheren Gewässern vermutet, der irrt. 

Denn Kröten hüpfen nicht, sie kriechen. Und weil sich unterwegs bereits Paare gefunden haben, bei denen übrigens die Weibchen die Männchen tragen, bewegen sie sich auffallend langsam. „Die Wanderung setzt erst spätabends oder nachts ein“, weiß Ulrich Grote, der wochentags den Zaun abschreitet. 

Seine Nachbarin Petra Andrießen übernimmt die Wochenend-Schichten: „Damit leisten wir einen Beitrag zum Erhalt des Ökosystems“, erklärt sie ihre Motivation. Wie lange die Saison dauert, hängt maßgeblich vom Wetter ab. „Die Kröten brauchen Temperaturen über acht, neun Grad und Feuchtigkeit“, weiß Ulrich Grote, der den Wetterbericht in diesen Tagen genau studiert. 

Beim ersten gemeinsamen Einsatz mit Petra Andrießen und ihrem Sohn Jaylee haben die Anwohner 160 Erdkröten über die Landstraße getragen, ein ordentlicher Auftakt. Aufgrund der Zählungen der letzten Jahre dürfte die Krötenpopulation Im Ebbe 1 800 bis 2 000 Tiere groß sein. Die Naturschützer haben also noch einige Einsätze vor sich, ehe der Zaun vermutlich Anfang Mai wieder abgebaut wird. 

„Über Helfer und Unterstützer würden wir uns natürlich sehr freuen“, sagt Ulrich Grote. Wer selbst einmal Krötentaxi spielen möchte, der kann sich bei dem Herscheider melden unter Telefon (0 23 57) 16 97.

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