Herscheider Wahrzeichen bröckelt

Kirche wird für 1,36 Mio. Euro renoviert: Spendenaufruf gestartet

Herscheider Gemeindefest: Pfarrer Bodo Meier und Danae Votteler von der LWL-Denkmalpflege als beratendes Fachamt, erklärten im Gespräch, worauf es bei den Sanierungsarbeiten der Apostelkirche ankommt.
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Herscheider Gemeindefest: Pfarrer Bodo Meier und Danae Votteler von der LWL-Denkmalpflege als beratendes Fachamt, erklärten im Gespräch, worauf es bei den Sanierungsarbeiten der Apostelkirche ankommt.

Die Herscheider Apostelkirche soll umfangreich saniert werden. Mit einem Familiengottesdienst ist am Sonntagmorgen die Spendenaktion „Deiner Seele ein Zuhause“ an den Start gegangen. 1,36 Millionen Euro werden die Arbeiten insgesamt wohl kosten. Gut 200 000 Euro davon möchte die Gemeinde über Spenden einnehmen

Herscheid - Es gibt viel zu tun an Herscheids Wahrzeichen: Das Mauerwerk bröckelt. Die Wände sind schwarz vom Kerzenruß. Es gibt keine vernünftige Lüftung. Die Elektroheizung funktioniert nicht mehr richtig und ist dazu extrem teuer. Auch die Barrierefreiheit ist nicht gegeben.

Los gehen soll es mit den Arbeiten im nächsten Jahr. Wann genau, ist völlig unklar. „Das hängt von zu vielen Dingen ab“, sagte Architektin Cathrin Brückmann. Ihr Architekturbüro aus Halver plant und koordiniert das Projekt und macht die Ausschreibungen. Brückmanns Arbeit an der Kirche hat schon 2016 begonnen mit dem Ziel, das Denkmal instandzusetzen. Läuft alles rund, könne 2023 vielleicht Weihnachten in der dann frisch renovierten Apostelkirche gefeiert werden.

Fachleute müssen ran bei der Sanierung

Beratend für die Arbeiten steht der Gemeinde die Evangelische Kirche Westfalen in Bielefeld zur Seite. Dabei war am Sonntag auch LWL-Denkmalpflegerin Danae Votteler. Der LWL als beratendes Fachamt war ebenfalls von Beginn an in die Arbeiten mit eingebunden. Im Gespräch mit Pfarrer Bodo Meier erklärte sie den Gemeindemitgliedern, worauf es bei den Arbeiten ankommt. „Reperatur geht immer vor Erneuerung“, sagte sie. Und dafür brauche es Fachleute. Denn die Arbeiten sind eine Herausforderung für sich. Das Streichen der verrußten Wände erfolge zum Beispiel mit Kalkfarbe. Votteler: „Kirchenmaler können das.“

Der „mit Abstand größte Einzelposten“ bei der Sanierung sei die neue Heizung, wie Meier erklärte. Die aktuelle sei eine jahrzehntealte Elektroheizung, die „fast unbezahlbar teuer“ ist. Die neue Heizung müsse das Klima verbessern, das „Zusammenspiel von Temperatur und Feuchtigkeit in ein gutes Verhältnis bringen“, sagte Votteler. Es dürfe nicht zu trocken und nicht zu feucht sein. Aktuell sei das nicht der Fall, in der Kirche gebe es ein Schimmelproblem. Mit der neuen Anlage sollen auch große Schwankungen der Temperatur verhindert werden. Ergänzend zu der neuen Fußbodenheizung soll es eine Teilklimaanlage geben, die zu hohe Feuchtigkeit verhindern soll. Denn Lüftungsmöglichkeiten durch Fenster sind in der Kirche aktuell kaum vorhanden.

550 000 Euro kommen vom Bund

Rund 1,36 Millionen Euro wird die Sanierung laut Planungen kosten. Finanzkirchmeister Uwe Köster stellte die Zahlen an der Liedtafel vor. Gut 550 000 Euro fließen als Förderzuschuss der Bundesregierung. 135 000 Euro gibt es vom Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg. 240 000 Euro kann die Gemeinde aus eigenen Mitteln stemmen. Die 435 000 Euro, die dann noch fehlen, sollen über Spenden und der Rest über Kredite aufgebracht werden. „Wir sind sehr optimistisch“, sagte Köster. Er nannte die Summe von 200 000 Euro, die die Gemeinde durch Spenden erhofft einnehmen zu können.

Deiner Seele ein Zuhause: Kirchengemeinde startet Spendenaktion

Herscheider Gemeindefest: Im Anschluss an den Gottesdienst konnten die Besucher einen Blick auf die geplanten Arbeiten werfen und auch mit den Verantwortlichen sprechen.
Herscheider Gemeindefest: Pfarrer Bodo Meier und Danae Votteler von der LWL-Denkmalpflege als beratendes Fachamt, erklärten im Gespräch, worauf es bei den Sanierungsarbeiten der Apostelkirche ankommt.
Herscheider Gemeindefest: Finanzkirchmeister Uwe Köster nannte die Zahlen.
Auch ohne Gemeindefest auf dem Kirchplatz kamen die Gäste nach dem Gottesdienst noch zusammen — regengeschützt im Luther-Haus.
Deiner Seele ein Zuhause: Kirchengemeinde startet Spendenaktion

Pfarrer Bodo Meier rechnete eine Möglichkeit vor: „Wir haben 1000 Gemeindemitglieder. Wenn jeder zehn Monate lang jeden Monat 20 Euro spendet, haben wir den Betrag zusammen.“

Während der Sanierungsarbeiten wird die Apostelkirche nicht zur Verfügung stehen. In dieser Zeit könnte die Gemeinde Räumlichkeiten der katholischen Kirchengemeinde nutzen, erklärte Köster später im Gespräch mit der Heimatzeitung.

„Besonderer Tag für Herscheid“

In Grußworten blickten zuvor mehrere Redner auf das Gebäude. Superintendent Dr. Christof Grote sprach beim Beginn der Spenden-Sammelaktion von einem „besonderen Tag für Herscheid.“ Die Kirche sei ein prägendes Bauwerk. Im Jahre 1072 sei das Gebäude das erste Mal erwähnt worden. „Die Apostelkirche verbindet uns mit unzähligen Generationen an Herscheidern vor uns.“

Bürgermeister Uwe Schmalenbach hob die Bedeutung der Kirche in der Gemeinde hervor. Ralf Schwarzkopf, stellvertretender Landrat des Märkischen Kreises, hatte nicht nur Grußworte im Gepäck, sondern auch eine Spende. Eine persönliche Spende überbrachte die SPD-Bundestagsabgeordnete Nezahat Baradari.

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