Allein zu lernen „macht keinen Spaß“

Schule kehrt zurück zur Präsenz: So erleben es die Erstklässler

 „Frau Schulte, ich hab‘ mal eine Frage.“ - Schüler und Lehrerin der Klasse 1a der Grundschule Herscheid sind froh, dass sie wieder gemeinsam lernen können.
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„Frau Schulte, ich hab‘ mal eine Frage.“ - Schüler und Lehrerin der Klasse 1a der Grundschule Herscheid sind froh, dass sie wieder gemeinsam lernen können.

Drei Tage und schon war sie vorbei: Der Wiedereinstieg in den Präsenzunterricht bescherte den Herscheider Grundschülern durch den Feiertag Fronleichnam eine kurze Woche, was den Kindern nach Wochen der Distanz die Umstellung erleichterte.

Herscheid - Das Lernen daheim hat Spuren hinterlassen, wie wir beim Besuch der Klasse 1a feststellen. „Allein macht das einfach keinen Spaß“, erzählt Fares von seinen Erfahrungen, die deckungsgleich sind mit denen der meisten Mitschüler. Zwar seien die regelmäßigen virtuellen Klassentreffen am Computer witzig gewesen. Doch beim Erledigen der Aufgaben am heimischen Schreibtisch konnten die Kinder nicht „mal eben schnell“ ihre Mitschüler oder Klassenlehrerin Irmtraud Schulte um Rat fragen.

Dass sie nun wieder jeden Tag in die Schule gehen können, ihre vertrauten Personen um sich haben, das „macht viel mehr Spaß“, erzählt Ben. Eine Meinung, die die Klasse 1a im Kollektiv vertritt. Auf die Frage, wie ihnen das Homeschooling gefallen habe, senken alle Kinder wie auf Knopfdruck den Daumen.

Na klar, es habe auch positive Erscheinungen gegeben. Kamil zum Beispiel fand es gut, etwas mehr Zeit mit der Familie verbringen zu können. Und ganz leise flüstert ein Mädchen in der zweiten Reihe, dass sie das längere Schlafen ganz gut fand. Doch der direkte Austausch, das Lachen über Pinguin Plitsch (das Maskottchen der Klasse) und das Spielen in der Pause hat allen gefehlt.

Auch Irmtraud Schulte ist froh, „dass wir die Kinder wieder in unseren Unterrichtsräumen sehen können.“ Sie gibt aber auch zu verstehen, dass die Umstände nun anders seien: Im Vergleich zum Wechselunterricht der letzten beiden Wochen – bei dem die Klasse in zwei Gruppen eingeteilt war, die tageweise versetzt zur Schule kamen – habe allein die Geräuschkulisse zugenommen. Jetzt, da wieder alle 26 Erstklässler an ihren Tischen sitzen, müsse sich jeder einzelne wieder an die Regeln gewöhnen.

Die Lautstärke sei ohnehin ein Thema für sich: Durch das dauerhafte Tragen des Mund-Nasen-Schutzes seien Beiträge von stilleren Schülern schwer zu verstehen. Diese hätten in den ersten drei Tagen vereinzelt geäußert, dass es – aufgrund der Vielzahl der Kinder um sie herum – doch recht laut sei, erzählt die Klassenlehrerin. Und im Englischunterricht, der stundenweise aufgenommen wird, erschwere das Tragen der Maske das Erlernen der richtigen Aussprache.

Ich habe nicht das Gefühl, dass wir mit dem Unterrichtsstoff hinterherhängen.

Irmtraud Schulte, Klassenlehrerin der Klasse 1a

Den Eltern „ihrer“ Kinder stellt Irmtraud Schulte ein gutes Zeugnis aus: Trotz der besonderen Umstände sei daheim gut gelernt worden, davon habe sie sich telefonisch, bei den Videokonferenzen in kleinen und großen Gruppen, aber auch bei den ersten Tagen in den Klassen überzeugen können. „Ich habe nicht das Gefühl, dass wir mit dem Unterrichtsstoff hinterherhängen.“ Dennoch sei sie froh, dass sie – auch aufgrund personeller Unterstützung – nun gezielt auf möglichen individuellen Nachholbedarf der Schüler eingehen kann.

Vorausgesetzt, die Coronazahlen steigen nicht wieder an, stehen Schülern und Lehrern noch vier komplette Unterrichtswochen bevor. Zeit, die intensiv zum gemeinsamen Lernen genutzt werden soll. Schließlich wartet zum Ende dieses turbulenten Schuljahres noch eine Premiere auf die Schüler der Klasse 1a: Zum ersten Mal erhalten sie ein Zeugnis. Dieses zu erstellen, dürfte nach einem Jahr voller Wechsel und Umstellungen auch für Lehrer Irmtraud Schulte eine Herausforderung sein.

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