Besitz von über 1300 kinderpornografischen Fotos nachgewiesen

Herscheider gesteht sexuellen Missbrauch seiner Enkelin

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Herscheid - Zu anderthalb Jahren Freiheitsentzug auf Bewährung wurde am Donnerstag vor dem Altenaer Amtsgericht ein Herscheider wegen sexuellem Missbrauchs und Besitzes kinderpornografischer Bilddateien verurteilt.

Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre. Nachdem der Angeklagte, sein Verteidiger, die Staatsanwältin sowie der Anwalt der Nebenklage das Urteil akzeptiert haben, ist dieses rechtskräftig. Dem Angeklagten wurde zur Last gelegt, seine Enkelin (damals im Grundschulalter) im Frühjahr 2016 aufgefordert zu haben, sein Glied anzufassen. Anschließend habe er vor dem Kind masturbiert. 

Zudem habe der Mann 1 365 kinderpornografische Bilder von Mädchen und Jungen besessen. Diese seien auf der Festplatte seines Computers sowie auf CDs sichergestellt worden. Richter Dirk Reckschmidt betonte: „Die Zahl der Fotos macht’s nicht.“ Der erfahrene Richter rang sichtlich angefasst nach Worten: „Aber es sind richtig ekelhafte Bilder darunter. Und hinter jedem Foto steht ein Schicksal.“ 

Der Angeklagte ist seit 1990 aufgrund einer Verletzung und damit verbundenen Schmerzen alkoholabhängig. Deshalb fügte Reckschmidt hinzu: „Es wäre aber mal ganz nett gewesen, wenn sie bereits trocken gewesen wären zwischenzeitlich. Es wäre ja Zeit genug gewesen.“ 

Zu Beginn der Verhandlung erklärte der Herscheider auf Nachfrage des Richters, es gehe ihm „schlecht“. Der Verteidiger ergänzte, sein Mandant stehe erstmals vor Gericht und habe die ganze Nacht nicht geschlafen. Der Angeklagte blickte zumeist zu Boden, ließ die Schultern hängen und wenn er angesprochen wurde, antwortete er nur sehr leise. Sein Verteidiger bezeichnete das Verhalten seines Mandanten als „sehr demütig“. 

Zu seiner Enkelin, erläuterte der Angeklagte, habe er stets ein „sehr gutes“ Verhältnis gehabt: „Wenn sie Probleme hatte, kam sie zu mir. Ich habe die Hausaufgaben mit ihr gemacht. Und auch, wenn sie einmal mehr Taschengeld brauchte, hat sie mich gefragt.“ Dennoch habe er im Frühjahr vor zwei Jahren das Mädchen zu sexuellen Handlungen aufgefordert. Laut Schilderung des Verteidigers habe das Mädchen diese aber „barsch abgelehnt“ und sich danach umgehend ihrer Mutter anvertraut. 

Sein Mandant sei durch den jahrelangen Alkoholkonsum – teilweise vermischt mit Schmerztabletten – „enthemmt“. Der Verteidiger erklärte im Namen seines Mandanten, dieser sei „vollumfänglich geständig“. Ihm sei wichtig, dem Kind eine Aussage vor Gericht zu ersparen. Er wolle Verantwortung für sich und sein Verhalten übernehmen. Ihm sei klar, er müsse etwas in seinem Leben ändern. „Im nüchternen Zustand würde er solche Grenzüberschreitungen nie begehen“, betonte Antwalt Clemens Louis. 

Richter Reckschmidt sagte: „Ihr Geständnis mag bei der Urteilsfindung Berücksichtigung finden.“ Die Staatsanwältin bescheinigte dem Beschuldigten eine „positive Sozialprognose“. Sein Anwalt hob das nach wie vor „stabile Familienumfeld“ seines Mandanten hervor. Dieser habe eine „sehr nette Frau“, die zu ihm halte. Diese habe auch weiterhin Kontakt zur Enkelin, indes aber nur noch, wenn der Angeklagte nicht zugegen sei. 

Die Staatsanwältin forderte in ihrem Plädoyer eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung. Zudem müsse der Angeklagte zu einer Alkoholtherapie verpflichtet werden. Schließlich solle er 1 500 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen. Dem schloss sich der Anwalt der Nebenklage an, denn „dem Kind geht es heute wieder einigermaßen“. 

Verteidiger Louis blieb in seinem Plädoyer für eine Freiheitsstrafe zur Bewährung von einem Jahr und zwei Monaten wenig hinter der staatsanwaltlichen Forderung zurück. Allerdings merkte er kritisch an, dass der vom Gesetzgeber vorgesehene Strafrahmen bei sexuellem Missbrauch sowie Besitzes von Kinderpornografie deutlich niedriger sei, als etwa bei Diebstahl oder Betrug. 

Bei der Urteilsverkündung erklärte Richter Reckschmidt, der nun Verurteilte erhalte zusätzlich zur Bewährungsstrafe die Auflage, einen Alkoholentzug zu absolvieren. Weiterhin müsse er 1 000 Euro an den Kinderschutzbund Lüdenscheid zahlen.

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