Sorge wegen fehlender Feiern

Herscheider Gastronomen sind von der Corona-Sperrstunde kaum betroffen

Die meisten Herscheieder Gasthäuser schließen ohnehin schon vor 23 Uhr.
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Die meisten Herscheieder Gasthäuser schließen ohnehin schon vor 23 Uhr. Auch ohne Sperrstunde sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie für die Gastwirte aber bereits gravierend. Viele Veranstaltungen sind weggebrochen.

Nun ist auch im Märkischen Kreis der Inzidenzwert über 50 geklettert, womit die Corona-Einschränkungen noch einmal verschärft werden. Auch in Herscheid gilt dann ab 23 Uhr eine Sperrstunde, auch wenn diese die Gastronomen vor Ort eigentlich gar nicht betrifft. Die Folgen der Corona-Pandemie spüren sie aber durchaus.

Herscheid – Da Herscheid im Gegensatz zu Großstädten nicht über Bars und Clubs verfüge, sei die hiesige Gastronomie so gut wie gar nicht von der Sperrstunde betroffen, sagt Frank Holthaus von der Gemeinde Herscheid. „Wir werden aber mit allen Wirten sprechen und die Sachlage erläutern“, erklärt er. Denn abgesehen von der Sperrstunde gilt mit den schärferen Regeln auch eine neue Obergrenze für die Anzahl der Personen, die sich in der Öffentlichkeit treffen dürfen. Nämlich entweder Personen aus maximal zwei Haushalten oder fünf Personen. Wir haben mit mehreren Gastronomen gesprochen, welche Auswirkungen durch Corona sie in ihren Geschäften – ganz, abgesehen von der Sperrstunde – spüren.

Panne-Eck

Länger als bis 23 Uhr hat in Herscheid nur das Panne-Eck geöffnet. Die nun kommende Sperrstunde ist ein schwerer Schlag für die Kneipe, die von Athina Zikou bewirtschaftet wird. „Das ist schlecht für uns, denn normalerweise läuft das Panne-Eck nachts sehr gut mit viel jungem Publikum – aber das ist jetzt leider nicht machbar“, sagt Zikou. Nach dem ersten Lockdown habe man wie die anderen Gastronomen genau auf die Einhaltung der Regeln geachtet, Hygienekonzepte umgesetzt, Gästelisten geführt. „Und jetzt geht es wieder von vorne los.“

An die Sperrstunde werde man sich selbstverständlich auch halten. „Hundertprozentig“, sagt Zikou. Nur für das Geschäft sei das natürlich schlecht. Man habe die ganze Zeit auf Parties verzichtet, musste Feiern absagen, hatte sogar zwei Monate geschlossen. „Wir sind im Endeffekt froh, dass wir überhaupt geöffnet haben dürfen“, sagt Athina Zikou. Man habe wegen der Sperrstunde überlegt, stattdessen eher zu öffnen, aber das sei wegen der Berufstätigkeit vieler Gäste eben auch schwierig. „Wir hoffen, dass es schnell wieder vorbei ist und es nicht wieder einen Lockdown gibt“, sagt Zikou. „Jeder muss jetzt Verantwortungsbewusstsein zeigen und sich bemühen, das zu verhindern.“

Zum Adler

„Von der Sperrstunde sind wir gar nicht betroffen, weil wir überwiegend ein Speiselokal sind“, erklärt Klaus-Dieter Führt, Inhaber des Hotelrestaurants Zum Adler. Um 23 Uhr, wenn die Sperrstunde greift, habe man ohnehin schon geschlossen. Aber die negativen Auswirkungen der nun schon seit dem Frühjahr andauernden Pandemie sind auch ohne Sperrstunde deutlich spürbar. Um gut die Hälfte habe das Geschäft nachgelassen, sagt Führt. „Es finden so gut wie keine Feiern statt, weil die Vereine nicht feiern dürfen.“ Davon wird vermutlich auch das Weihnachtsgeschäft betroffen sein.

Sonst sei man in der Vorweihnachtszeit ausgebucht gewesen, berichtet Führt: „Es sind auch jetzt Anfragen da, aber viele warten ab, wie sich Corona noch entwickelt.“ Auch Tischreservierungen würden nun sehr kurzfristig vorgenommen. Wegen dieses geänderten Verhaltens der Kunden sei es eigentlich noch zu früh für Stellungnahmen zum Weihnachtsgeschäft, gibt er zu bedenken.

Zu der Frage, ob die nun erlassene Sperrstunde insgesamt zum Gefühl der Verunsicherung bei den Gästen beitrage, meint Führt: „Es ist auf jeden Fall eine Verunsicherung da.“ Man höre ja gar keine anderen Nachrichten mehr außer Corona. Er verweist auf die noch kritischere Corona-Lage in den Nachbarländern Belgien und Holland. „Das sind ja keine großen Entfernungen.“ Und der Tourismus dorthin und von dort ins Sauerland habe eben auch stark abgenommen.

Wegen der ungewissen Situation habe momentan wohl jeder, der ein Geschäft hat, Angst, sagt Führt: „Das Problem ist, dass man noch nicht absehen kann, wie es sich weiter entwickelt.“

Hubertushof

Auch Mecki Brinker vom Restaurant Hubertushof macht sich eher Sorgen um die Gesamtentwicklung, als um eine Sperrstunde, die das Gasthaus ebenfalls nicht betreffe. „Wir sind eine reine Essensgastronomie und haben keinen Nachtbetrieb“, sagt Brinker. Er findet es sogar in einem Punkt positiv, dass mit der Sperrstunde eine exakte Zeit gesetzt wird, ab wann der Betrieb endet. „Das ist eine Zeit, wo sowieso nicht mehr viel passiert.“

Corona-bedingt sind auch im Hubertushof bereits einige Feiern ausgefallen. „Und große Weihnachtsfeiern sind alle nicht angemeldet worden“, sagt Brinker. Einige regelmäßige Treffen, die sonst dort stattfanden, seien unter den jetzt geltenden Bedingungen ebenfalls nicht mehr möglich, etwa der Jagdkurs, der zweimal in der Woche im Hubertushof stattfand. Bisher konnten sich noch Kegelklubs oder Stammtische mit maximal zehn Personen treffen. „Das ging gerade noch“, sagt Brinker. Nun hat sich die Situation durch das Steigen des Inzidenzwerts für den Märkischen Kreis auf über 50 noch einmal verschärft, sodass nur noch fünf Personen oder zwei Haushalte sich in der Öffentlichkeit treffen können. „Dann kann im Prinzip nichts mehr stattfinden – keine Essen, kein Kegeln, keine Stammtische, denn da sind ja mehr als zwei Haushalte“, sagt Brinker. „Wir können nur abwarten und hoffen“, sagt er. Vor dem Hintergrund der wegbleibenden Einnahmen ist er froh, dass er Eigentümer des Hubertushofes ist und nicht nur Pächter. „Wenn wir keine Einnahmen hätten und noch Pacht bezahlen müssten, hätten wir wirklich Probleme.“

Schürmanns

Peter Schürmann von Schürmanns Landgasthaus ist ebenso wie die meisten seiner Herscheider Kollegen nicht von der Sperrstunde betroffen. Die Corona-Pandemie hat sich aber auch in dem Landgasthaus bemerkbar gemacht. „Es sind schon einige Veranstaltungen weggefallen, aber es läuft eigentlich noch ganz gut“, sagt er. Selbst die Beschränkung der Personenzahl auf fünf beziehungsweise zwei Haushalte hält er für verkraftbar. „Das würde man noch überbrückt bekommen“, gibt er sich optimistisch.

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