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Frauenkarneval zu Kriegsbeginn: Wie passt das zusammen?

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Von: Dirk Grein

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Weniger Besucherinnen als sonst kamen an zur Karnevalsfeier ins Panne-Eck. Trotz Kostümierung war den Frauen nicht zu einer überschwänglichen Sause zumute.
Weniger Besucherinnen als sonst kamen an zur Karnevalsfeier ins Panne-Eck. Trotz Kostümierung war den Frauen nicht zu einer überschwänglichen Sause zumute. © Foto: Grein

Eine Karnevalsfeier ausgerechnet am Tag, als in der Ukraine der Krieg ausgebrochen ist – passt das wirklich zusammen? Auch die Besucherinnen des Panne-Eck waren sich da nicht sicher und nutzten die Weiberfastnacht daher auch, um ihre Sorgen auszutauschen.

Herscheid - „Das war schon bedrückend und es kam im Verlauf des Abends immer wieder zu Diskussionen über den Krieg“, fasst Wirtin Athina Zikou zusammen. Normalerweise sei die Frauenfeier im Müggenbruch ein gesetzter Termin im Kalender vieler Stammbesucherinnen. Doch aufgrund der außergewöhnlichen Umstände sei nicht nur die Stimmung, sondern auch die Resonanz verhaltener gewesen als sonst.

Auf die Kostümierung wollten die Frauen an diesem Abend nicht verzichten. Und natürlich sei auch in entspannter Runde nach eher zaghaftem Beginn viel gelacht worden. Das sei aber auch wichtig, um die Sorgen und Ängste für ein paar Momente verdrängen zu können, weiß Athina Zikou aus persönlicher Erfahrung zu berichten.

Denn hinter der 51-Jährigen liegt eine schwierige Phase. Die Corona-Pandemie und die damit einhergehenden Schutzmaßnahmen wirkten sich massiv auf ihre kleine Kneipe im Müggenbruch aus. Insbesondere die letzten Wochen mit der 2G-plus-Regel seien belastend gewesen. Der Umsatz sei in dieser Zeit um mehr als 50 Prozent eingebrochen – finanziell habe das Panne-Eck seine Belastungsgrenze erreicht.

Weniger der eigene Aufwand und das ständige Kontrollieren im Eingangsbereich störte Athina Zikou. Sie sorgte sich mehr um ihre Stammgäste und zeigt Verständnis dafür, dass einige sich in letzter Zeit rar gemacht haben. Wer nach einem langen Arbeitstag ein, zwei Feierabendbier trinken möchte, der renne eben nicht noch vorher in ein Testzentrum, sondern wolle einfach seine Ruhe haben, erzählt die Wirtin, die nunmehr seit 22 Jahren das Gesicht hinter der Theke des Panne-Eck ist.

Vorfreude auf die 3 G-Regel

Nicht nur sie fiebere daher dem 4. März entgegen – denn dann treten in Nordrhein-Westfalen neue Lockerungen in der Gastronomie in Kraft. Ab dann gilt wieder 3 G in Restaurants, Bistro und Kneipen – Zutritt haben dann also Geimpfte, Genesene und Getestete. „Wir freuen uns, dass 2G-plus dann endlich vorbei ist“, sagt die Herscheiderin.

Für ihre Kneipe hofft sie dann auf eine bessere Zukunft – trotz und auch wegen des Krieges in der Ukraine. Denn wenn Corona eines gezeigt habe, dann dass den Menschen ein Treffpunkt und das Zusammenkommen gefehlt haben. Genau das sei jetzt auch wichtig, um in diesen schwierigen Zeiten nicht das Gefühl zu haben, mit den eigenen Ängsten allein zu sein. Das sei für sie auch einer der entscheidenden Punkte gewesen, an Weiberfastnacht zu öffnen und den Besuchern die Möglichkeit zu geben, über ihre Emotionen zu sprechen.

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