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Erinnerungen an früher: „Da sind wir als Kinder auch Schlitten gefahren“

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Der Winter scheint vorbei, doch die alten Skier der heimischen Marken Ebbe-Ski, Sausewind und Schneekönig bleiben weiter erhalten. Gezeigt werden sie von den Heimatfreunden (von links) Dr. Klaus Hüttebräucker, Gerd Holthaus, Doris Holthaus, Eva Junker, Winfried Junker, Dorothea Schellhöh, Helmut Schellhöh und Siegfried Schröder.
Der Winter scheint vorbei, doch die alten Skier der heimischen Marken Ebbe-Ski, Sausewind und Schneekönig bleiben weiter erhalten. Gezeigt werden sie von den Heimatfreunden (von links) Dr. Klaus Hüttebräucker, Gerd Holthaus, Doris Holthaus, Eva Junker, Winfried Junker, Dorothea Schellhöh, Helmut Schellhöh und Siegfried Schröder. © Foto: Damschen

Wie passt das zusammen? Im Hintergrund werden über einen Beamer Wintersportbilder gezeigt, während rundum meist beleuchtete Puppenhäuser zum Anschauen stehen. Und die Temperatur? Muckelig warm.

Herscheid - Die Erklärung ist ganz einfach: Der Geschichts- und Heimatverein hatte beim ersten Öffnungstag des Spiekers 2022 etwas nachzuholen: Die Puppenhäuser sollten schon in der Vorweihnachtszeit des Vorjahres gezeigt werden und der Winter 2021/2022 ist auch schon so gut wie vorbei. Doch schlummern viele Bilder und Dokumente in den Archiven des Vereins, die es lohnen, sie den Besuchern zugänglich zu machen.

Viele schöne Erinnerungen an längst zurückliegende Jahre wurden wieder wach, und ließ so manches „Ja, das ist doch…“ oder „Da sind wir als Kinder auch Schlitten gefahren“ ertönen. An der Nordhelle entstand vor 90 Jahren eine Sprungschanze, die von wildverwegenen Skispringern auch genutzt wurde. Man meint, noch das Armrudern auf den Bildern erkennen zu können, mit dem eine größere Sprungweite erzielt werden sollte.

Das heiße Blechdach

Andere Bilder zeugen von der durchgehenden Bahnstrecke aus dem Ruhrpott bis zum Bahnhof in Herscheid, die gerade im Winter für Ski- und Rodeltourismus sorgte.

Und die Wärme? Wo kam die her? Wer erinnert sich noch an den Film „Die Katze auf dem heißen Blechdach?“ Das war mit dem Blechdach des Spiekers auch so, nur ohne Katze und Liz Taylor. Das Dach strahlte, trotz der geringen Sonnenstrahlen und der niedrigen Außentemperaturen, eine angenehme Wärme nach innen ab. Zumindest solange die Sonne schien.

Vier Dampfmaschinen zeugen von einer Zeit, in der die sprichwörtliche „alte Dampftechnik“ Jung und Alt zu fesseln verstand. Noch heute fangen die Augen ob dieser Prachtstücke zu glänzen an. Unwillkürlich kommt einem der Film „Die Feuerzangenbowle“ mit Heinz Rühmann in den Sinn, als Professor Bömmel die Frage stellt: „Wat isse’ ne Dampfmaschin‘?“

Für einen, der zum ersten Mal die Schätze des Spiekers in Augenschein nimmt, ist es eine Reise in die Vergangenheit: Auf dem vorderen Dachboden lagern alle möglichen Utensilien des damaligen täglichen Gebrauches in Küche, Haus und Hof. Manche Gegenstände erschließen sich nicht gleich, wozu sie zu Nutze waren, die meisten erklären sich aber von selbst. Sogar Tabakpflanzen aus dem Selbstanbau hängen da noch zum Trocknen.

Anekdoten inklusive

Wen das eine oder das andere neugierig gemacht hat, findet fachkundige Erklärungen bei den Mitgliedern des Geschichts- und Heimatvereins, die immer ansprechbar sind und gerne Auskunft geben, geschichtlicher Hintergrund und auch kleine Geschichten inklusive.

Der Vorsitzende, Dr. Klaus Hüttebräucker, zeigte sich hocherfreut, dass es nun wieder weitergehen kann: „Wir freuen uns, dass wir trotz der Pandemie auch wieder öffnen können. Natürlich unter Einhaltung der geltenden Corona-Schutzbestimmungen.“

Er hatte sich im Vorfeld mit einigen Gästen zu einer Führung verabredet und zog los. Schön, dass an dem Nachmittag, trotz des klaren Wetters, viele Besucher in den Spieker kamen. Wer wollte, konnte allein auf Erkundung der vielseitigen Ausstellung gehen oder sich begleiten lassen.

Eine „gute Stube“ mit allem, was dazu gehört, und einem Harmonium, was schon viel auf Reisen war und nun seine Ruhe hat. Eine Küche mit allen möglichen Utensilien, eine Vorratskammer mit Einweckgläsern, Krügen, Vorratsdosen und einigen „edlen“ Tropfen, eine Kammer mit einer Spielzeugsammlung und der Mutter aller Lego-Sachen – Bauklötze mit Anleitung in der originalen Holzkiste. Alte Möbel und Dekorationsstücke, ein Zinn-Bowlentopf, der 1911 dem Lehrer und Dirigenten Brünger von den Aktiven des Sängerbundes Rärin zur Hochzeit übereignet wurde, Bekleidungszubehör der „Gnädigen“ (Anna von Holtzbrink), die eine Wohltäterin der Gemeinde war, Werkzeuge aller Art, die Bücherei im Keller mit Bildern von Heinz Wever, ein funktionierendes Fallhammer-Modell und, und, und.

Das und noch viel mehr lohnt einen Besuch der mit viel Liebe zusammengetragenen Ausstellung im Heimathaus, dem Spieker.

Besuchsmöglichkeiten

Die Öffnungstermine des Heimathauses Spieker sind bereits bis zu den Sommerferien festgelegt. Sie sind: Sonntag, 27. März, von 11 bis 13 Uhr, Samstag, 30. April, vom 15 bis 17 Uhr, Sonntag, 29. Mai, von 11 bis 13 Uhr und Samstag, 25. Juni, von 15 bis 17 Uhr. Darüber hinaus wird Gruppen die Möglichkeit angeboten, außerhalb der regulären Öffnungszeiten Termine zu vereinbaren. Dafür ist eine Kontaktaufnahme zum Vereinsvorsitzenden notwendig per Mail k.huettebraeucker@ ghv-herscheid.de. Weitere Informationen rund um den Verein gibt es auch im Internet: www.ghv-herscheid.de.

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