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Krieg und Krisen: Das sagen die Herscheider zu 2022

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Ukrainer wegen Weitergabe von Informationen an russische Truppen verurteilt
Der Krieg in der Ukraine mit all seinen Folgen überschattet für viele Herscheider das Jahr 2022. © Libkos/ dpa

Das Jahr 2022 neigt sich dem Ende entgegen – Zeit für einen Rück-, aber auch Ausblick: Was ist den Herscheidern aus dem nun fast abgelaufenen Jahr im Gedächtnis geblieben? Welche persönlichen Erfahrungen oder Ereignisse haben sie geprägt? Und was wünschen sich die Herscheider für das neue Jahr – allgemein, aber auch auf ganz persönlicher Ebene, beispielsweise über gute Vorsätze? Fragen, die wir den Herscheidern im Rahmen der DRK-Blutspende stellten – mit teils überraschenden Antworten.

Herscheid - Klemens Dopatka zieht vor allem ein berufliches Fazit – kein Wunder, war es für die Berufsfeuerwehren im Märkischen Kreis ein enorm anstrengendes Jahr. „Generell sind es nur noch anstrengende Zeiten, weil einfach für alles der Notruf gewählt wird. Aber jeder Tag ist anders und immer aufregend“, sagt Dopatka. Persönlich gebe es aber auch viel Grund zur Freude: Er sei gerade erst Großvater geworden und stehe kurz vor der Rente. Daher hofft Klemens Dopatka für 2023, vor allem gesund zu bleiben – alles andere könne man steuern. Mit dem Renteneintritt im Januar gelte es für ihn, sich erstmal neu zu orientieren. „Ich will die Zeit mit der Familie genießen“, nimmt sich Dopatka vor.

„Alles könnte einfacher sein“

Martin Roll blickt dagegen eher gesellschaftspolitisch auf das vergangene Jahr zurück – mit viel Kritik. Die Menschen seien anspruchsvoller und schwieriger geworden und würden die Dinge unnötig aufbauschen. „Alles könnte so viel einfacher sein, wenn alle an einem Strang ziehen würden. Es müsste mehr Miteinander geben, nicht Gegeneinander“.

In 2023 wolle er alles gelassener angehen, die Ansprüche müssten heruntergeschraubt werden und man müsse auch mal mit dem zufrieden sein, was man hat. „Uns geht es gut in Deutschland, deswegen sollte man sich überlegen, was man wirklich braucht, und zwar in allen Bereichen“, sagt Roll.

Sein Vorsatz sei es, keinen Vorsatz zu haben, weil es ihn nur frustrieren würde, wenn es dann nicht klappt.

Schnelllebig und stressig

Für Marina Frank sei es ein trauriges Jahr gewesen, bedingt durch private Verluste. Die weltweite Lage sei negativ, und das Jahr sei schnelllebig und stressig gewesen.

„Für das neue Jahr wünsch ich mir mehr Fröhlichkeit und Frieden und ich hoffe auf ein positives Jahr mit mehr Zusammenhalt“, sagt Frank. Sie wolle den Stresspegel herunterfahren, öfter abschalten und die Zeit genießen. Die Menschen würden sich nach Ruhe sehnen. Ihr Vorsatz sei es, bewusster Auszeiten für sich zu nehmen, öfter an sich zu denken, ohne Egoismus, und achtsamer zu leben. „Ich tue Gutes für andere und auch was Gutes für mich“, erklärt sie lächelnd.

Corona, Krieg und Krise

Corona, die Invasion in der Ukraine und die Wirtschaftslage: Vieles, das Alexander Kitta beschäftigt, dürfte auch andere Bürger in diesem Jahr belastet haben. „Ich denke aber auch an das schöne Wetter, das ich vor allem für Spaziergänge und Reisen nutzte, was zum Glück wieder möglich war“, sagt Kitta. Weit verstreute Freundschaften seien digital aufrecht erhalten worden, aber ein Videoanruf ersetze nicht das persönliche Treffen.

Für 2023 hoffe er auf ein baldiges Ende des Krieges, berufliche Sicherheit, und dass sich die Kosten wieder normalisieren. „Mein Vorsatz ist, die vorhandene Freizeit besser zu nutzen und zu genießen“.

Der Wald leidet und vertrocknet

Guido Böttcher erinnere sich vor allem an die klimatischen Kapriolen des Jahres 2022. „Es gab schönes Wetter, aber auch die Schattenseiten der Trockenheit wurden deutlich“, sagt Böttcher. Der Wald leide und vertrockne.

Es habe aber auch Positives gegeben: Der Besuch von Konzerten ohne schlechtes Gewissen, der Sommerurlaub, der endlich wieder möglich gewesen sei. Besonderes Highlight sei der Bau seines eigenen Kanus gewesen.

Für 2023 sei ein Auslandsurlaub geplant. „Ich hoffe, dass sich alles wieder beruhigt, und dass das Zusammengehörigkeitsgefühl wieder erstarkt, für ein respektvolles Miteinander“, erklärt Böttcher.

Corona und die Folgen

Für Tanja Conrad habe nach der Erfahrung des Jahres 2022 nun Gesundheit oberste Priorität: Conrad sei an Long Covid erkrankt gewesen und erst eine Reha habe sie wieder in die Spur gebracht. Auch der Wiedereinstieg ins Berufsleben sei gelungen.

Für 2023 hoffe sie, gesund zu bleiben. Vorsätze habe sie keine: Sie nehme sich in der Regel auch nichts vor, sondern lasse lieber alles auf sich zukommen. „Dann ist man auch nicht so enttäuscht, wenn es dann doch nicht klappt, und man setzt sich nicht so unter Druck“.

Hoffnung auf ein Ende des Krieges

Kaum ein gutes Haar an 2022 lässt Nils Fiebig: Für ihn sei 2022 ein eher negatives Jahr gewesen. Der Ukraine-Krieg habe das Gefühlsgeschehen dominiert, ebenso die Wirtschaftslage und die Inflation.

Als positiv empfand Fiebig die Corona-Entwicklungen: „Man kann sich wieder etwas freier bewegen und ist nicht mehr so angsterfüllt wie zu Anfang – auch wenn dies vielleicht eher ein subjektiver Eindruck ist“, sagt Fiebig. Außerdem sei es glücklicherweise zu keinen schweren Corona-Verläufen in seinem Bekanntenkreis gekommen.

Für 2023 hoffe er, dass die Wirtschaft nicht so kränkelt wie befürchtet, der Krieg zeitnah ein Ende findet und sich die Energiepreise wieder einpendeln.

Vorsätze habe er keine, die würden oft über Bord geworfen, vor allem persönliche oder materielle. Vieles davon sei kein Vorsatz, sondern solle besser als grundsätzliche Änderung der Einstellung angegangen werden. „Ich versuche, gesund zu bleiben“.

Chaos rund um die A45-Sperrung

Marc Wehrhahn hat dagegen allen Grund, voller Freude und Glück auf das nun fast abgelaufene Jahr zu blicken, immerhin wurde in 2022 seine Tochter geboren. Seitdem sei die Zeit verflogen und natürlich der Schlaf etwas zu kurz gekommen.

„Negativ begleitet haben mich die Corona-Eindrücke und der Krieg in der Ukraine. Letzterer zeigt, wie schnell und wie nah ein Krieg stattfinden kann“, sagt Wehrhahn. Die Energiepreise, die Inflation und das Chaos um die Sperrung der A 45 täten ihr Übriges.

Für 2023 hofft er, dass das „Gruselkabinett“ in Berlin endlich eine Lösung für die A 45 finden wird, sonst bekäme die gesamte Region Südwestfalen große Probleme.

Sein Vorsatz sei es, alles etwas ruhiger und entspannter anzugehen und nicht immer auf 100 Prozent zu laufen. „Außerdem will ich viel Zeit mit der Familie verbringen.“

Steffi Vieregge

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