Herscheider Bienenzüchter mit Leib und Seele

Frank und Lucy Neumann haben eine Leidenschaft fürs Summen

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Frank und Lucy Neumann nähern sich den Bienen stets in ihrer Schutzausrüstung. Lucy hält den Smoker.

Während für die Menschen in Zeiten der Coronakrise das Leben mehr oder weniger zum Stillstand gekommen ist, erwacht die Natur allmählich zum Leben. Die Geräusche des Frühlings sind zwitschernde Vögel, quakende Frösche und summende Bienen. Den kleinen, wichtigen Insekten widmet sich das Herscheider Vater-Tochter-Gespann Frank und Lucy Neumann voller Leidenschaft.

Dabei ist wohl den wenigsten bewusst, welch entscheidenden Einfluss die kleinen Insekten auf unser Leben haben. Schon Albert Einstein sagte einst: „Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, keine Menschen mehr.“

Grund genug, sich einmal genauer mit den Bienen auseinanderzusetzen. Dazu geht es zum Hof der Familie Neumann in Grauensiepen.

Erst vor drei Jahren wurde hier mit der Imkerei begonnen. Vater Frank Neumann gibt zu, damals auch ein bisschen auf der Modewelle mitgeschwommen zu sein, doch mittlerweile sind die Bienen seine Leidenschaft. Tatkräftige Unterstützung erhält er von seiner 13-jährigen Tochter Lucy. 

„Ich fand das immer sehr faszinierend und will nicht mehr damit aufhören“, sagt sie. Mittlerweile sind die beiden ein eingespieltes Team. Für Frank ist Lucy „eine ganz wertvolle Hilfe“. „Mir ist es tausendmal lieber, wenn Lucy mit dabei ist“, erzählt er. „Das fluppt dann einfach.“

Wie gut die beiden harmonieren, zeigt sich, als sie wenig später gemeinsam die verschiedenen Bienenvölker durchsehen. Dies ist eine der ersten Aufgaben des Imkers nach dem Winter. Mit Stulpenhandschuh und Imkerhut geschützt, wird die erste Beute geöffnet. 

Die Neumanns betreiben die sogenannte Magazinimkerei, das bedeutet, die Behausung der Bienen, die Beute, besteht aus mehreren übereinander gestellten Zargen (Kästen, die oben und unten offen sind), sowie einem abnehmbaren Deckel und einem untergesetzten Boden, wo sich auch das Einflugloch befindet.

Bevor jedoch der Deckel abgenommen wird, kündigen die beiden ihren Besuch an. Lucy betätigt den Blasebalg des Smokers, wodurch ein wenig Rauch ausgestoßen wird. Entgegen der gängigen Meinung wirkt der Rauch weder betäubend, noch beruhigend auf die Bienen; tatsächlich ist genau das Gegenteil der Fall. Frank Neumann erklärt: Wegen des Rauchs denken die Bienen, es brenne. 

Dies veranlasse sie dazu, möglichst viel Honig aufzunehmen, dass vom Feuer bedrohte zuhause zu verlassen und an einem sicheren Ort neu anzufangen. Der Effekt sei, dass die Bienen sich mit sich selbst beschäftigen, statt den Eindringling, also den Imker, anzugreifen.

 Warum die Bienen aber nicht auf Nimmerwiedersehen verschwinden, liegt daran, dass sie nicht gänzlich eingeräuchert werden und die folgende Arbeit nur wenige Minuten dauert. Anschließend ist die potenzielle Gefahr für die Bienen nicht mehr existent.

Der Anblick im Innern stimmt die Neumanns sehr zufrieden. Es ist ein schier unglaubliches Gekrabbel und Gewusel. Zehn Holzrähmchen befinden sich in einer Zarge. Vorsichtig wird das erste Rähmchen herausgezogen. „Das sieht sehr gut aus!“, sind sich die beiden einig.

Es ist noch reichlich Honig vom letzten Jahr in den Waben, der den Bienen als Winterfutter diente, sie haben aber auch schon angefangen, neuen Nektar und Blütenpollen einzulagern. Besonders wichtig ist, festzustellen, ob die Königin vorhanden ist. „In der Speisekammer werden wir sie nicht finden“, weiß Lucy. Mit „Speisekammer“ meint sie die Futterwaben. Diese befinden sich in den äußeren Rähmchen und enthalten keine Brut.

Nach und nach werden die einzelnen Rähmchen herausgezogen, begutachtet und anschließend wieder vorsichtig zurückgeschoben, immer darauf bedacht, möglichst keine Biene zu zerquetschen.

In der „Kinderstube“ werden Lucy und Frank schließlich fündig: Die Königin ist da. Auch wenn die Königin um einiges größer als die übrigen Bienen ist, ist es gar nicht so leicht, sie unter den vielen Tierchen ausfindig zu machen. Da hilft es sehr, wenn die Königin markiert ist. Dies ist bei einem Volk der Fall: Ein grüner Punkt ziert den Rücken der Königin und so kann diese sehr schnell identifiziert werden.

Königin, Larven, verdeckelte Waben, in denen sich die Bienen entwickeln auf der einen Seite und mit Nektar, Blütenpollen und Honig gefüllte Waben auf der anderen Seite – genau so soll es sein. Da alles in Ordnung ist und die Bienen nicht weiter unnötig gestresst werden sollen, wird die Beute wieder verschlossen.

Insgesamt acht Völker gehören den Neumanns, wobei sich fünf auf dem Hofgelände befinden, drei weitere in Nieder-Holte. Das bedeutet viel Arbeit. Als Faustregel gilt: Wenn die Weide blüht, wird ein Brutraum aufgesetzt, wenn die Kirsche blüht, wird ein Honigraum aufgesetzt. Die beiden Räume unterscheiden sich in ihrer Grundstruktur nicht, außer in der Tatsache, dass die Königin mittels eines Gitters davon abgehalten wird, in die Honigräume vorzudringen.

Bei ihrer Durchsicht haben Lucy und Frank festegestellt, dass manche Völker bereits so fleißig sind, dass schon der erste Honigraum aufgesetzt werden kann. Dafür bereitet Lucy die Rähmchen vor. 

Sie spannt den Draht und legt eine dünne Wachsplatte, die sogenannte Mittelwand, auf. Anschließend wird der Draht unter Strom gesetzt, wodurch sich dieser erwärmt und das Wachs kurzfristig weich wird. Nach Erkalten ist die Wachswand mit dem Draht fixiert.

Das Wachs der Mittelwände stammt von Wildbauten und eingeschmolzenen Waben der Bienen, die Frank Neumann entfernt und entsprechend hat vorbereiten lassen. „Jeder Imker versucht, so seinen eigenen Wachskreislauf zu schaffen“, erklärt er. 

Die so bereitgestellten Rähmchen können mehrmals verwendet werden; aus Gründen der Stockhygiene sollten sie aber nach spätestens drei Jahren erneuert werden.

Von jetzt ab werden Lucy und Frank jede Woche an den Beuten arbeiten: Immer wieder kontrollieren, ob alles in Ordnung ist, Honigräume vorbereiten und aufsetzen sowie Ableger bilden. Schließlich den Honig schleudern und Vorbereitungen für den Winter treffen.

Eine arbeitsreiche Zeit liegt vor ihnen, genauso wie vor den Bienen. Die Heimatzeitung wird ihnen dabei ein wenig über die Schulter gucken und berichten, was sich im und um den Bienenstock so tut.

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