Kostenlose Verteilung in der Apotheke: Lange Schlangen, verärgerte Kunden

„Kein Grund zur Masken-Panik“

Am Dienstag war die erste Lieferung der Masken rasch vergriffen. Doch am Mittwochmorgen konnte Apothekerin Claudia Cramer den Nachschub präsentieren.
+
Am Dienstag war die erste Lieferung der Masken rasch vergriffen. Doch am Mittwochmorgen konnte Apothekerin Claudia Cramer den Nachschub präsentieren.

Pflichtbewusst füllt Karl Strunk das im Eingangsbereich auf einem Stehtisch ausgelegte Formular aus. Dieses tauscht er nach dem Vorzeigen eines Personalausweises kurz darauf gegen durchsichtige Tütchen ein, darin befinden sich drei FFP 2-Masken ein. 

Herscheid - „Die kommen zwar spät, aber nicht zu spät“, sagt der Herscheider. Er hätte sich von der Bundesregierung ein schnelleres Handeln gewünscht – und nicht, dass erst wenige Tage vor Weihnachten Millionen Bürger mit den Atemschutzmasken versorgt werden.

Dies scheint nicht das einzige Versäumnis des Bundes gewesen zu sein. Claudia Cramer, in deren Apotheke sich Karl Strunk die Masken abgeholt hat, bemängelt die unzureichende Kommunikation. Gesundheitsminister Jens Spahn habe in der vergangenen Woche über die Medien mitgeteilt, dass Über-60-Jährige sowie Personen aus der Risikogruppe kostenlos mit FFP 2-Masken erhalten sollen. Konkrete Hinweise zur Abwicklung und Organisation habe die Apothekerin bis heute nicht erhalten.

Wie viele Masken sollen geordert werden? Wie verläuft die Abrechnung? Und wie sollen sich die Apotheken bei einer großen Nachfrage verhalten? All diese Fragen blieben unbeantwortet und trugen dazu bei, dass am Dienstag – dem ersten Tag der kostenlosen Verteilung – eine Lawine in Apotheken bundesweit, aber eben auch in Herscheid losgetreten wurde.

Der Andrang am Vormittag war in der Dorf-Apotheke zwischenzeitlich derart groß, dass sich die Warteschlange bis auf die Lüdenscheider Straße erstreckte. Rund 200 Masken wechselten innerhalb von eineinhalb Stunden den Besitzer. Ein vor der Apotheke aufgehängtes Schild mit der Nachricht, dass der erste Masken-Vorrat vergriffen ist, sorgte bei einigen Kunden für Verärgerung, die sie zum Teil am ApothekenTeam ausließen.

Im Eingangsbereich der Dorf-Apotheke füllt Karl Strunk das Kontaktformular aus, um wenig später die begehrten FFP 2-Atemschutzmasken in Empfang nehmen zu können.

„Warum haben sie denn so wenige Masken bestellt?“, fragten die einen, die von der schwierigen Liefersituation nichts wissen wollten. Andere sahen es nicht ein, weshalb die Masken nicht zurückgelegt oder reserviert werden können. Ein Aufwand, den Claudia Cramer und ihre Mitarbeiter schlichtweg nicht leisten konnten. Doch das Argumentieren mit den wütenden Anrufern sei oft ergebnislos verlaufen.

Entsprechend froh ist die Apothekerin, dass es auch zahlreiche besonnene Kunden gab, die Einsicht zeigten. Am Dienstagabend traf eine erste Nachlieferung an Masken ein, die am Mittwochmorgen angeboten wurden. Der Andrang hielt sich im Vergleich zum Vortag in überschaubaren Grenzen.

Masken auch benutzen

Apothekerin Claudia Cramer hat im Corona-Advent einen speziellen Weihnachtswunsch: Sie wäre froh, wenn die Menschen sich die Schutzmasken nicht nur besorgen, sondern sie auch aufsetzen. Beschlagene Brille und erschwertes Atmen dürften keine Ausrede sein. Sie beschreibt ein Beispiel aus dem Apotheken-Alltag: Die an den Kassen aufgehängten Spuckschutzscheiben sorgen für zusätzliche Sicherheit, aber auch für eine eingeschränkte Kommunikation. „Der Nervfaktor für Kunden und Mitarbeiter ist hoch“, sagt Claudia Cramer. Dennoch könne eine Atemschutzmaske nur dann Wirkung zeigen, wenn man sie auch ordnungsgemäß nutze. 

Aus Sicht der Apothekerin „gibt es keinen Grund zur Panik“. Sie verspricht, dass jeder aus der Altersgruppe Ü 60 sowie aus der Risikogruppe „mit einer FFP 2-Maske am Weihnachtsbaum sitzen“ könne. Denn genau dafür seien die Atemschutzmasken ja gedacht: Für den zusätzlichen Schutz an den Feiertagen auch bei privaten Familienfeiern. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare