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Adventszauber lockt sogar Besucher aus Bochum an

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Von: Nina Scholle

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Die achtjährige Mila hatte mit Anleitung von Katharina Vollmerhaus ein kunstvolles Bäumchen aus alten Zeitungen gebastelt.
Die achtjährige Mila hatte mit Anleitung von Katharina Vollmerhaus ein kunstvolles Bäumchen aus alten Zeitungen gebastelt. © Nina Scholle

Die milden Temperaturen und der Nieselregen waren wahrlich nicht die besten Voraussetzungen, um vorweihnachtliche Stimmung aufkommen zu lassen; doch umso behaglicher war es im Innern des Spiekers, wo am Freitagabend nach zweijähriger Corona-Zwangspause endlich wieder der Adventszauber stattfand.

Herscheid - Viele Herscheider und Nachbarstädter waren gekommen, um sich in gemütlicher Atmosphäre auf die Weihnachtszeit einzustimmen – ein älterer Herr war gar aus Bochum angereist und fühlte sich ob der Originalität des Spiekers und der ausgestellten Exponate in seine Kindheit zurückversetzt.

Den meisten Einheimischen ging es an diesem Abend aber mehr um die besonderen Attraktionen denn um die Ausstellungsstücke Herscheider Geschichte. Gut besucht waren die Lesungen von Siegfried Schröder. Zu jeder vollen Stunde wurden die Zuhörer für gut 20 Minuten in phantastische Welten entführt, in denen es zwar nicht unbedingt weihnachtlich zuging, aber: „In allen Geschichten steckt viel Spieker und in allen Geschichten steckt viel Phantasie“, wie Schröder zu Beginn einer Lesung erklärte.

Die Maus im Spieker-Gebälk

Entstanden waren die Geschichten im Rahmen einer Schreibwerkstatt einheimischer Autoren, nachdem sie vor einigen Jahren die Spiekerbaustelle besucht hatten, um auf Ideenjagd zu gehen. „Irgendwo im Gebälk lag eine tote Maus“, erzählte Schröder, die damals viele inspiriert habe, sie auf die ein oder andere Art in ihre Geschichten um den Spieker einzubauen, so zum Beispiel bei dem Titel: „Der große Friedrich und die kleine Maus“, eine Geschichte aus der älteren Vergangenheit des Spiekers.

Ob Kriminalgeschichte oder Märchen: der Spieker nahm in jeder Geschichte eine zentrale Rolle ein und fügte sich in jedes Genre perfekt ein.

Viel zu tun hatte auch Katharina Vollmerhaus, die den Besuchern zeigte, wie man aus alten Zeitungen kunstvolle Bäumchen flocht. Besonders Kinder waren von dieser Mitmachaktion angetan und wollten ihre eigenen Bäumchen flechten. Nur der Anfang und das Ende seien etwas schwer gewesen, da habe sie Unterstützung erhalten, „sonst ging es ganz gut“, erzählte die achtjährige Mila, nachdem sie ihr Bäumchen fertiggestellt hatte. Einmal in Fahrt gekommen, versuchte sie sich zu späterem Zeitpunkt direkt an einem weiteren Exemplar.

Auch Linus zeigte sich geschickt im Umschlagen und Verflechten der langen Papierhalme und war am Ende sehr stolz auf sein selbstgebasteltes Bäumchen. „Und das nur aus einer Zeitung“, hörte man eine Dame fasziniert sagen, denn tatsächlich erinnerten die kunstvollen Flechtbäumchen auf den ersten Blick wenig an das, woraus sie bestanden.

Nicht minder kunstvoll ging es bei Anne Scharwächter zu: Mittlerweile von vielen Kunsthandwerkermärkten bekannt, präsentierte Scharwächter die Kunst des Bücherfaltens, Orimoto genannt. Während sie an einem Buch arbeitete, schauten stets einige Besucher beeindruckt zu, wie aus dem Buchblock langsam ein Bild entstand.

Ganz traditionell ging es derweil bei Anne Walter zu: Sie saß am Spinnrad und spann Wolle zu Garn – ein Anblick, der sich einem wahrlich nicht alle Tage bietet. Die Wolle stammt von Walters eigenen Schafen, die sie – ebenfalls ganz traditionell – selbst mit der Schere geschoren habe. „Da hab ich die Wolle gleich sortiert“, erklärte Walter, während sie das Spinnrad betätigte.

Vorbereitet zum Spinnen hatte sie die Wolle auch eigenhändig: Erst mehrmaliges Waschen, dann einfärben mit Walnussschalen, sodass sich verschiedenen Braun- und Grüntöne ergeben. Klar, dass Walter die Wolle auch selbst weiterverarbeitet: Zu wärmenden Jacken, ganz so, wie sie selbst eine trägt.

Den Besuchern des Spiekers, denen ein Spinnrad allenfalls noch durch das Märchen „Dornröschen“ geläufig ist, wusste Walter viel zu berichten: über Wolle, verschiedenen Spinnradarten und Wettbewerbe im Wollespinnen.

Veranstalter mit Resonanz zufrieden

Viel Mühe hatten sich die Mitglieder des Geschichts- und Heimatvereins gegeben, um den Spieker weihnachtlich zu dekorieren: mit Lichterketten, Krippen und Schwippbögen sowie Sternenschmuck und Tannenbäumchen. Überall im Spieker verteilt standen Teller mit Gebäck und wer aus dem Regen hereinkam, konnte sich bei Glühwein und Punsch aufwärmen.

Dr. Klaus Hüttebräucker, Vorsitzender des Geschichts- und Heimatvereins, zeigte sich mit der Resonanz sehr zufrieden. Tatsächlich sei es voller gewesen, als bei früheren Veranstaltungen, so Hüttebräucker.

Am 7. Dezember soll der Spieker wieder Anziehungspunkt in Herscheid sein; denn dann öffnet sich hier um 18 Uhr ein Türchen des lebendigen Adventskalenders.

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