Kinder aus Friedlin sammeln Unterschriften und schreiben dem Bürgermeister

Sie wollen doch nur spielen, aber dafür gibt es anscheinend keinen geeigneten Platz

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Gefährliche Situationen im Straßenverkehr – diese wurde für unser Foto gestellt – sind auch in Friedlin an der Tagesordnung. Die Eltern der Kinder erhoffen sich einen verkehrsberuhigenden Effekt von der gewünschten Spielplatzfläche

Herscheid – Die Kinder aus Friedlin fühlen sich benachteiligt: Ihnen fehlt in ihrer Ortschaft ein Platz zum Spielen, zum Plaudern, zum Kicken. Ihren Wunsch haben sie nicht nur zu Papier gebracht: Sie haben in ihrer Nachbarschaft Unterschriften gesammelt und diese an den Bürgermeister geschickt.

Bemerkenswert: Nicht etwa die Eltern waren der Antrieb, sondern die Kinder selbst. Und derer gibt es nicht zuletzt durch die Zuzüge im Neubaugebiet Hofwiesenweg einige: Mehr als 30 Mädchen und Jungen ganz unterschiedlicher Altersgruppen haben sich zusammengetan. Unter der Federführung von Julien Dillmann (12 Jahre) und Julius Kolbe (11 Jahre) schrieben sie den Bürgermeister-Brief. 

Auf eigene Faust zog ein Teil von ihnen von Tür zu Tür und schilderte das Vorhaben. Dieses basiert nicht auf übertriebenen Forderungen. So fordern die Kinder keine große Spielfläche – wie in den Dorfwiesen – vor ihrer Haustür. Eine Grünfläche zum Treffen, auf der sie ungestört Ball spielen können, eventuell eine Schaukel – mehr braucht der Nachwuchs nicht zum glücklich sein. 

Der Weg zu den Spielplätzen in Herscheid oder Hüinghausen sei für die Kinder beschwerlich: Der Bürgerradweg von der Bahnhofstraße kommend endet derzeit im Müggenbruch; die geplante Fortsetzung Richtung Grünenthal lässt auf sich warten. Mit dem Fahrrad entlang der viel befahrenen Landstraße wollen die Eltern ihre Kinder aus nachvollziehbaren Gründen nicht zu einem Spielplatz fahren lassen. 

Doch gerast werde nicht nur auf dieser übergeordneten Straße, sondern auch durch die Ortschaft. Daher verbinden die Erwachsenen den Spielplatz-Wunsch ihrer Kinder mit der Hoffnung, dass sich dieser verkehrsberuhigend auswirken könnte. Bei den Nachbarn stießen die jungen Friedliner mit ihren Anregungen auf offene Ohren und viel Zustimmung. Weit über 50 Unterschriften gingen auf einer Liste ein. Und auch die Eltern signalisierten ihre Unterstützung bei der Pflege der Fläche oder auch eventuell anfallenden Erstellungsarbeiten. 

Die Kinder aus Friedlin sind auf eigene Faust losgezogen und haben in ihrer Nachbarschaft Unterschriften für die Errichtung einer Spielfläche gesammelt.

Eine rasche Lösung scheint indes wenig realistisch zu sein. Das zumindest ist der Antwort zu entnehmen, die Bürgermeister Uwe Schmalenbach den Kindern hat zukommen lassen. Darin verweist er zunächst auf ein erstes Gespräch vor zwei Jahren. Bereits damals habe die Gemeinde keine passende Fläche für eine „einfache Wiese zum Spielen gefunden“. Die Gemeinde verfüge nicht über ein eigenes Grundstück, das für einen solchen Zweck benutzt werden könne, schreibt der Bürgermeister. 

Um gar einen gemeindlichen Spielplatz in Friedlin errichten zu können, müssten „zahlreiche formale Anforderungen erfüllt sein“. In diesem Fall riet Schmalenbach den Kindern, einen Erwachsenen um Hilfe zu bitten, für sie einen Einwohnerantrag zu stellen und diesen an den Gemeinderat zu richten. 

„Kein Kind in Außenbereichsortsteilen, ob in Friedlin, Rärin oder Elsen, hat einen Spielplatz um die Ecke. Dafür hat das Wohnen im Außenbereich andere Vorzüge, weshalb sich Eure Eltern bestimmt bewusst dafür entschieden haben“, schreibt Schmalenbach. Er versprach den Kindern, sich weiter nach einer geeigneten Fläche umzuschauen oder sich alternativ nach einer Fahrgelegenheit nach Herscheid zu erkundigen. 

Vorerst werden sich die jungen Friedliner also damit begnügen müssen, sich in den heimischen Gärten zu treffen. Ihre Eltern wollen sich nach den Ferien darüber verständigen, ob sie den vom Bürgermeister angesprochenen Einwohnerantrag auf den Weg bringen.

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