Obwohl Fahrtage wieder anlaufen, kämpfen Museumseisenbahner mit deutlichen Einbußen

Wohin geht die Reise? Märkische Museumseisenbahn meldet Schwierigkeiten und Zuwachs

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Als wäre nichts gewesen: Die Bieberlies dampfte am Sonntag wieder über die Gleise zwischen Köbbinghausen und Hüinghausen. Doch Corona macht der MME weiter zu schaffen.

Plettenberg/Herscheid – Der letzte Sonntag war ein Sommertag am Bahnhof der Sauerländer Kleinbahn in Hüinghausen. Es hatte den Anschein, als wenn alles normal verläuft. Auswärtige Fahrzeuge säumten während des Fahrtags die Straße. Zaungäste beobachteten außerhalb des Geländes die Rangierarbeiten neben dem Lokschuppen. Doch Corona bleibt weiter ein Thema.

Vorsitzender Udo Feldhaus spricht von Umsatzeinbußen von 80 Prozent, beruhigt aber: „Noch haben wir Rücklagen.“ Das Problem ist, dass die MME weiterhin nur eine begrenzte Zahl an Plätzen zur Verfügung stellen kann, damit der Sicherheitsabstand gewährleistet wird. Die Hälfte der Sitzplätze musste gestrichen werden. „Anmelden können sich die Fahrgäste im Internet. Bei knapp 90 Reservierungen ist dann Schluss. Das liegt einfach daran, dass wir noch Fahrzeuge in der Hauptuntersuchung haben, die natürlich jetzt auch durch Corona nicht so durchgezogen werden konnten, wie wir uns das gewünscht haben“, sagt Feldhaus.

Der Verein erwirtschaftet Einnahmen nicht nur durch den Fahrbetrieb, sondern auch durch die Gastronomie. Diese bleibt derzeit komplett geschlossen.

Noch habe die Kleinbahn Rücklagen. Viele Spenden seien allerdings zweckgebunden. Die MME hoffe deshalb auf weitere Spenden und Hilfen, erklärt Feldhaus. Der Verein hat seinerzeit zum Glück schnell 9000 Euro Soforthilfe für den touristischen Bereich bekommen können und dadurch konnten die ersten Arbeiten durchgeführt werden. Es musste alles runtergefahren werden und die Sicherheit musste gewährleistet bleiben. Hierzu zählen die Fahrzeuge und die Strecke.

Immerhin läuft der Betrieb nun wieder, aber Feldhaus macht auch deutlich: „Wir sind massiv auf Spendeneinnahmen angewiesen. Wir hoffen, dass wir den einen oder anderen erreichen können, der sich an die Museumsbahn und an die Vorbildbahn erinnert und uns auf dem Spendenweg etwas unter die Arme greift.“ Trotz der angespannten Situation richtet der Vorsitzende den Blick nach vorne. „Man muss auch an das Danach denken“, sagt er. Deswegen laufen Arbeiten wie die Instandhaltung soweit wie möglich weiter. Zum 1. August beginnt zudem der dann dritte Mitarbeiter im Bereich Dampflok-Instandhaltung, der auch Lokführer ist.

Willkommen am Bahnhof Hüinghausen! Am Dienstag ist die Lok Spreewald bei den Museumseisenbahnern angekommen.

Dampflok Spreewald bereichert vorübergehend den Fuhrpark der Museumseisenbahner

Auf der anderen Seite freut sich die Sauerländer Kleinbahn über Verstärkung und konnte am Dienstag die Dampflok Spreewald empfangen. Das Schmuckstück von 1917 bekommt in Hüinghausen seine Hauptuntersuchung und soll dann für einige Monate die vereinseigene Bieberlies vertreten.

Ein großer Lkw brachte die Spreewald vom 1. Deutschen Eisenbahnverein aus Bruchhausen-Vilsen nach Hüinghausen. Mit einem Stück Schiene als eine Art Rampe wurde die 18 Tonnen schwere Lok vorsichtig vom Tieflader auf die Gleise der Sauerländer Kleinbahn heruntergezogen. Mehrere Zuschauer verfolgten das Schauspiel und filmten aufmerksam mit.

Mit dabei war Udo Feldhaus. Der Vorsitzende spricht von einem „Meilenstein der Zusammenarbeit mit anderen Vereinen“. Es sei ein großer Vertrauensbeweis, dass Vereine ihre teuren Exemplare in die Obhut der MME geben und wichtige Arbeiten durchführen lassen. Die Spreewald wird bei der Märkischen Museumseisenbahn einer umfangreichen Hauptuntersuchung unterzogen. Dafür werden alle Teile überprüft. Feldhaus nennt Kessel, Rahmen und Fahrwerk als Beispiele. Wo nötig, werden Teile ausgetauscht.

Feldhaus rechnet damit, dass die Spreewald Ende September/Anfang Oktober für den Fahrbetrieb eingesetzt werden kann. Ist das der Fall, steht die Hauptuntersuchung der vereinseigenen Bieberlies an.

Ende 2021/Anfang 2022 soll die Spreewald dann wieder zurück nach Bruchhausen-Vilsen gebracht werden. Die von der Firma Jung im Jungenthal gebaute Nassdampf-Lok ist 7 Meter lang und 3,60 Meter hoch. Sie wurde für das Flachland konzipiert und in ihrer über 100-jährigen Geschichte auch überwiegend dort eingesetzt. „Jetzt muss sie sich im Sauerland bewähren“, sagt Feldhaus. Der nächste Fahrtag – mit der Bieberlies – ist Sonntag, 2. August.

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