Herscheider Tierbesitzer blicken mit Sorge auf die Ausbreitung der Wölfe

Wird das Sauerland zum Wolfsland?

Zur Ausbreitung des Wolfes auch in den heimischen Wäldern sagt Dirk Voss: „Als Landwirt
 hängt man an jedem seiner Tiere. Selbst wenn nur eines gerissen wird, tut
 das schon weh.“
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Zur Ausbreitung des Wolfes auch in den heimischen Wäldern sagt Dirk Voss: „Als Landwirt hängt man an jedem seiner Tiere. Selbst wenn nur eines gerissen wird, tut das schon weh.“

Die Politik und die Gesellschaft wollen den Wolf. Doch wie soll es dann noch eine Weidetierhaltung geben?“ – diese Frage stellt sich Reinhard Cramer schon lange. Der Herscheider ist Pferdezüchter und betreibt in Kleefeld einen Ponyhof. Als Wolfsbeauftragter für das Westfälische Pferdestammbuch, einer Interessenvertretung von Pferdezüchtern, beschäftigt er sich bereits seit vielen Jahren mit dem Wolf. Für ihn vergeht kaum ein Tag ohne dieses Thema.

Herscheid - „Ich war schon mehrfach im Landtag und erst in der vergangenen Woche in einer Videokonferenz mit unserer Landesumweltministerin. Es ging um Maßnahmen zum Schutz vor dem Wolf.“ Dabei klingt Reinhard Cramer nicht gerade erfreut. Von der Politik wünscht er sich viel mehr Unterstützung. Dass Wölfe trotz ihrer rasanten Ausbreitung von der EU weiterhin als „aussterbende Tierrasse“ aufgeführt und zu 100 Prozent geschützt werden, sei unverständlich.

Derzeit setzt sich Cramer dafür ein, dass Entschädigungen nach Wolfrissen künftig flächendeckend in ganz Nordrhein-Westfalen einfacher zu bekommen sind – und nicht nur in ausgewiesenen Wolfsgebieten.

Wolf habe Tötungsdrang

„Auch Wölfe, die durch eine Region ziehen und sich nicht niederlassen, verursachen Schäden“, erklärt Cramer den Hintergrund. Bislang müsse genau nachgewiesen werden, ob es sich bei Angriffen tatsächlich um einen Wolf gehandelt habe. „Wir möchten eine Beweisumkehrpflicht.“

Es stelle sich nämlich die Haftungsfrage, wenn etwa Pferde oder auch Kühe auf einer Weide von einem Wolf aufgeschreckt werden und ausbrechen. Die Tiere könnten auf die Straße laufen und für einen Unfall sorgen. Im Nachhinein wäre dann nicht mehr zu beweisen, dass ursprünglich der Wolf verantwortlich ist.

Reinhard Cramer sorgt sich sehr um seine Tiere. Schließlich gebe es auch Berichte, dass auch Pferde bereits Opfer von Wolfsangriffen geworden seien.

Das Argument, Wölfe würden nur so viele Tiere jagen und reißen wie unbedingt nötig, kann Reinhard Cramer nicht nachvollziehen: „Der Wolf hat einen Tötungsdrang und gibt sich nicht mit einem Opfer zufrieden.“ Und von einem 1,40 Meter hohen Schutzzaun lasse sich das Tier auch nicht aufhalten.

Grundsätzlich habe er „nichts gegen Wölfe“. Doch aus seiner Sicht müsse man den Wolf durch Bejagung auf dünn besiedelte Regionen mit großen, zusammenhängenden Waldgebieten und wenig Weidetierhaltung begrenzen. Diese Gebiete hätten dann aber auch die „volle Unterstützung der Politik verdient“.

„Beides geht nicht“

Ähnlich sieht es der Herscheider Kreislandwirt Dirk Voss, der auf seinem Hof in Friedlin unter anderem zahlreiche Milchkühe besitzt. Er spricht von einem „Spagat, der nicht hinhaut“. Damit ist gemeint, dass immer mehr Verbraucher glückliche Tiere auf der Weide erwarten würden. Gleichzeitig werde die Rückkehr des Wolfes begrüßt. „Beides geht nicht“, stellt der Landwirt klar.

Der Wolf suche sich immer den leichtesten Weg, um an Beute zu kommen. Das sei auf der Weide und nicht im Wald. Auch Herdenschutzhunde würden keine Lösung sein: „Noch lange nicht jeder Landwirt kann so ein Tier halten. Diese Hunde passen auch nicht in eine Region mit vielen Wanderern.“ Denn ein Herdenschutzhund unterscheide nicht zwischen einem Wolf und einem Hund an der Leine. Somit gehe diese Schutzmaßnahme genauso „an der Praxis vorbei“ wie der Vorschlag, alle Weidetiere nachts in den Stall zu holen.

Kreislandwirt Dirk Voss (links) und Pferdezüchter Reinhard Cramer sehen einen großen Widerspruch zwischen der Weidetierhaltung und der Rückkehr des Wolfes.

Dabei stehe für die Landwirtschaft auch nicht der wirtschaftliche Schaden im Fokus: „Als Landwirt hängt man an jedem seiner Tiere. Selbst wenn nur eines gerissen wird, tut das schon weh“, betont Dirk Voss, wie verbreitet die Sorgen vor dem Wolf in seiner Branche sind. Auch wegen der stark gefährdeten Weidetierhaltung findet er: „Im Grunde genommen ist Deutschland kein Wolfsland“.

Reinhard Cramer hat für sich schon entschieden, was passiert, wenn sich in Herscheid Wölfe niederlassen sollten. „Dann würde ich nach 40 Jahren mit der Pferdezucht aufhören.“ Und er ist sich genau wie Dirk Voss sicher: „Wenn es so weitergeht wie bisher, wird der Wolf irgendwann da sein.“

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