Armbrust-Schuss: Nachsuche mit ausgebildetem Schweißhund gestaltet sich schwierig

Nach Wilderei mit Armbrust in Herscheid - wo war der Tatort?

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Ermittlungen der Polizei ergaben, dass dieser Bolzen mit Jagd-Spitze von einer Armbrust abgeschossen wurde.

Herscheid – Die Betroffenheit ist ebenso groß wie die sich ausbreitende Unsicherheit in Kreisen der Jägerschaft. Doch die entscheidende Frage nach dem Täter bleibt ungeklärt. Zumindest gibt es neue Erkenntnisse, wie sich der Fall der Jagdwilderei zugetragen haben könnte, bei dem ein Unbekannter ein Damwild-Weibchen mit einer Armbrust beschossen hat: Mit großer Wahrscheinlichkeit ist der Auffundort des Tieres nicht die Stelle, an der der Pfeil abgeschossen wurde.

Entdeckt worden war das einjährige Schmaltier am Sonntagmorgen im Bereich Jägerhof / Hardt von Eberhard Kaufmann. Eigentlich wollte der Jäger die tags zuvor begonnenen Arbeiten an einem Hochsitz fortsetzen, doch dann erblickte er das nahezu regungslose Damwild auf einer Wiese liegend.

Die anfängliche Hoffnung, dass das Tier sich nur eine Verdauungspause gönne, was nicht ungewöhnlich für Damwild sei, bestätigte sich bei näherer Betrachtung und nach dem Erkennen der Schussverletzung nicht. Das schwer verwundete Tier war nicht mehr in der Lage zu fliehen. „Es konnte nur noch die Ohren bewegen“, erzählt Kaufmann. Er informierte Jagdaufseher Ulf Schneider, der den Gnadenschuss setzte.

Die anfängliche Vermutung, dass es sich bei dem Pfeil, der sich in die Eingeweide des Wildes gebohrt hatte, um ein Geschoss einer Armbrust handelt, konnte die Polizei inzwischen bestätigen. Dass ein Wildtier mit solch einer Brutalität niedergestreckt wurde, „das habe ich noch nie erlebt“, sagt Kaufmann, der seit über 35 Jahren einen Jagdschein besitzt.

Doch von wo wurde der Pfeil abgefeuert? Um dies zu ergründen, wurde am Montagmorgen Experte Christof Schäfer aus Nachrodt-Wiblingwerde hinzugezogen. Der Hundeführer brachte einen bayerischen Gebirgsschweißhund mit nach Herscheid, der für die sogenannte Nachsuche ausgebildet ist. Zweimal orientierte sich der Hund bei seiner Suche in die Richtung des Waldes, der sich zwischen Herscheider Mühle und Berghagen erstreckt.

Als Jäger Eberhard Kaufmann das Wildtier am Sonntagmorgen auf einer Wiese nahe Hardt entdeckte, konnte es nur noch die Ohren bewegen.

Mit Gewissheit könne man zwar nicht sagen, dass das Tier aus dieser Richtung gekommen sei. „Für den Hund war die Suche unnatürlich, weil er die Fährte rückwärts aufnehmen musste“, erklärt Schäfer. Normalerweise (etwa bei Verkehrsunfällen mit Wild) nehme der Schweißhund die Fährte mit dem Ziel auf, das verwundete Tier zu entdecken. Das sei in diesem speziellen Fall genau andersherum. Dennoch könne man nach Erkenntnis des Experten und auch der Jäger davon ausgehen, dass Fund- und Tatort nicht identisch seien.

Ein weiterer Verdacht: Bei dem Täter könnte es sich um eine Person handeln, die sich im Umgang mit Waffen nicht besonders gut auskennt. Denn: Armbrüste sind frei verkäuflich; für den Erwerb und Besitz sind keine waffenrechtlichen Erlaubnisse, sondern lediglich die Volljährigkeit erforderlich.

Hinzu komme die Platzierung des Pfeiles: Jäger beabsichtigen, ein Jagdtier mit einem Blattschuss zu erlegen, weil dabei Organe im Brustkorb (Herz oder Lunge) getroffen werden, was zu einem raschen und schmerzarmen Tod führen soll. Genau das Gegenteil bewirkte der Armbrust-Schütze: Sein Pfeil bohrte sich in die Eingeweide des Tieres. „Das war ein schlechter Schuss“, vermutet Christof Schäfer, dass das Tier lange leiden musste, ehe es von seinen Schmerzen erlöst wurde.

Dass Tiere mit Pfeilen beschossen werden, sei hierzulande glücklicherweise eine Seltenheit. Christof Schäfer erinnert sich an einen Fall am Niederrhein, wo ein Schwan entdeckt wurde, in dessen Hals ein Pfeil steckte. In der heimischen Region sei ihm kein ähnlicher Fall bekannt. Sorge bereite ihm das Internet, in dem diverse Videos zum Umgang mit Pfeil und Bogen oder auch mit Armbrüsten kursieren. „Ich hoffe, dass diese Tat ein trauriger Einzelfall bleibt“, sagt der Hundeführer.

Zeugen gesucht

Bislang sind bei der Polizei noch keine Zeugenhinweise eingegangen. Daher richtet sie erneut einen Appell an die Bevölkerung: Wer am Samstag oder Sonntag verdächtige Personen und /oder Fahrzeuge in der Nähe des Auffundortes (Hardt) gesehen hat, der sollte sich unter Telefon (0 23 91) 91 99 0 melden.

Hegering Plettenberg wendet sich in einer Stellungnahme an den Täter: „Töten nur zum Spaß ist abscheulich“

Im Fall der Herscheider Wilderei meldeten sich auch die Jäger des Hegering Plettenberg in einer Stellungnahme zu Wort. „Geht’s noch?“, schreiben die Jäger über den Vorfall, bei dem ein gesundes Stück Damwild „heimtückisch und widerrechtlich per Armbrust gewildert wurde“. „Nicht nur wir sind geschockt und aufgebracht, sondern jegliche Jäger und unsere Familien, die auf diesen Vorfall aufmerksam geworden sind, ebenso. Mittlerweile überwiegt bei uns die Wut auf Sie, Herr oder Frau Wildschütz“, richten sich die Jäger in ihrem Schreiben direkt an den Täter.

Aus Sicht des Hegering Plettenberg sei die Sache eindeutig. Es handele sich hier um ein verwerfliches Wildereigeschehen. Ein Wilderer im klassischen Sinne, der auf die Trophäe oder das Wildfleisch aus sei, erlege das Stück Wild heimlich in einem Revier, schaffe das Tier im Anschluss unmittelbar fort und verwische seine Spuren. Das erbeutete Wild verschwinde einfach von der Bildfläche und lande in der Truhe des Wilderers, ohne dass der eigentliche Jäger etwas davon mitbekomme.

Das Geschehen in Herscheid sei damit nicht vergleichbar. „Was bleibt, sind geschockte Jäger und Naturschützer, die jeden Tag im Revier ihr anvertrautes Wild mit Mühe, Schweiß und Hingabe hegen und betreuen. Zurück bleibt zudem ein totes, unschuldiges Stück Wild, welches schlimmste Qualen erlitten haben muss. Daher fragen wir uns: Was haben Sie, Herr oder Frau Wilderer, gefühlt, als Sie das Stück getroffen haben, dieses jedoch laut klagend davon lief? Wie sehr muss in Ihrem Denken das Verständnis für das Recht auf Leben fehlen? Wie gering ist Ihre Wertschätzung für den Tierschutz, wie groß Ihre Gleichgültigkeit, ob das Stück leidet und kläglich unter Schmerzen stirbt?

In den Augen der Plettenberger Jäger sei das jagdlichen Vergehen, das „selbstverständlich mit aller Gesetzeshärte bestraft werden muss“, jedoch weitaus weniger schlimm, als die offensichtliche Tatsache, dass der Täter „dieses unschuldige Stück Wild, dieses kostbare Lebewesen, bösartig, vielleicht sogar nur zum Spaß angeschossen und ihm unsägliche Schmerzen“ zugefügt habe – „eine Tat, die unsere volle Verachtung für Sie hervorruft. Gehen Sie auf den Schießstand, wenn Sie Ihre Waffen ausprobieren wollen, lassen Sie dabei aber gefälligst das Mitgeschöpf Tier aus dem Spiel.“ Der Appell der Jäger an den Täter: „Stellen Sie sich der Polizei und überdenken Sie ehrlich und reuevoll Ihr Verhalten. Dem Wild gebührt unser aller Respekt. Töten nur zum Spaß ist abscheulich!“

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