Doppelter Einsatz für den Naturschutz

Wildblumen-Saatgut in kleinen Kugeln: Brummer Buffet in Automatenform

Am Gehweg der Lüdenscheider Straße, wenige Meter von der Eisdiele und der Dorf-Apotheke entfernt, haben Ann-Kathrin Appelbaum und Julien Eichhoff den Saatgut-Automaten aufstellen lassen.
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Am Gehweg der Lüdenscheider Straße, wenige Meter von der Eisdiele und der Dorf-Apotheke entfernt, haben Ann-Kathrin Appelbaum und Julien Eichhoff den Saatgut-Automaten aufstellen lassen.

Die Lage inmitten von Wäldern und Wiesen verhilft Herscheid zu dem Beinamen Gemeinde im Grünen. Doch die Nahrungsquellen für Bienen, Hummeln und Co werden auch vor Ort knapp. Abhilfe sollen die kleinen Kapseln, besser gesagt deren Inhalt, schaffen, die man ab sofort im Wildblumen-Automaten an der Lüdenscheider Straße ziehen kann

Herscheid - „Brummer Buffet“, diesen Namen trägt das auffällige rote Gehäuse, dessen beige Frontseite mit einem Schriftzug sowie blumigen Motiven versehen ist. Erinnerungen werden geweckt an die Zeiten, wo derlei Automaten gefüllt mit verschiedenen Kaugummisorten gefühlt an jeder zweiten Straßenecke zu finden waren.

Inzwischen sind die Kästen weitestgehend aus dem öffentlichen Leben verschwunden. Doch der Reiz, eine Münze einzuwerfen, am Griff zu drehen und dieKlappe zu öffnen, um nach dem Inhalt zu tasten, er ist geblieben. „Das macht auch heute noch Spaß“, weiß Julien Eichhoff. Diese Freude möchte der ÖDP-Ratsherr mit möglichst vielen Bürgern teilen – und dabei in erster Linie etwas Gutes für die Umwelt leisten.

Denn in dem Automaten lagern keine Süßigkeiten, sondern er enthält Saatgut für Wildblumen. Passend zum Frühlingsbeginn haben dieKäufer die Wahl zwischen Sumsebrumm (eine einjährige Blumenmischung insbesondere für Bienen und Hummel) und Nachtschwärmer (ebenfalls eine einjährige Blumenmischung, gedacht für Schmetterlinge und Nachtschwärmer). Saisonale Veränderungen sind angedacht.

Münze einwerfen, am Griff drehen, Klappe öffnen: Wie schon früher an Kaugummiautomaten so bereitet die Nutzung auch heute noch Kindern und Erwachsenen gleichermaßen Freude.

Verpackt sind diese in kleine Kunststoffkügelchen, die das Saatgut vor Feuchtigkeit schützen sollen. Da es sich um Mehrweg-Kapseln handelt, ist neben dem Automaten ein hölzernes Rückgabekästchen befestigt, in den die entleerten Kapseln eingeworfen werden sollen.

Etwa ein bis zwei Quadratmeter Blumenwiese können mit dem Inhalt einer Kugel gesät werden. Der Hinweis auf dem Automaten „Nur in Siedlungsgebieten ausbringen“ sollte unbedingt berücksichtigt werden, betont Eichhoff. Das Saatgut sei nicht dafür gedacht, es in der Landschaft oder auf fremden Flächen zu verteilen, sondern lediglich für den Einsatz in heimischen Gärten.

Auf diese Weise hofft Eichhoff, selbst leidenschaftlicher Imker, einen Beitrag zur Artenvielfalt vor Ort leisten zu können – auf zweifache Weise. Denn neben dem Aussäen der Samen werden die Einnahmen aus dem Automatenverkauf (eine Kapsel kostet 50 Cent) gesammelt und im Verlauf des Jahres einem Verein oder einer Einrichtung gespendet, die sich für den Naturschutz einsetzen. Die Entscheidung, wer Spendenempfänger wird, soll zu einem späteren Zeitpunkt getroffen werden.

Kapseln sollen das Saatgut vor Feuchtigkeit schützen.

Froh ist Eichhoff, der die Anschaffungskosten unter anderem mit der Aufwandsentschädigung für seine Ratsarbeit aufbringt, dass er mit Ann-Kathrin Appelbaum eine engagierte Unterstützerin gefunden hat, die bei der letzten Kommunalwahl zwar für die ÖDP antrat, aber nicht Mitglied der Partei ist. Sie er klärte sich sofort bereit, den Automaten auf ihrem Grundstück anbringen zu lassen. Dieses befindet sich an der Lüdenscheider Straße in einem prominenten Dreieck: wenige Meter oberhalb der Eisdiele, schräg gegenüber der Dorf-Apotheke und unweit der Gemeinschaftshalle mitsamt ihres Parkplatzes.

„Den Publikumsverkehr an dieser Stelle wollen wir nutzen und hoffen auf guten Zuspruch“, würde sich Eichhoff freuen, wenn in möglichst vielen Herscheider Gärten in diesem Frühjahr Wildblumen wachsen.

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