Die gedruckte Verbindung zwischen Nachbarn

Wie der Straßenverkehr auf der L 561 zum Geburtshelfer des Friedolin wurde

Friedlin aus der Luft. Für über 300 Friedliner Einwohner gibt es den Friedolin.
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Friedlin aus der Luft. Für über 300 Friedliner Einwohner gibt es den Friedolin.

Süderländer Tageblatt oder Lüdenscheider Nachrichten? Diese Frage stellten sich die Bewohner Friedlins Mitte der 1990er Jahre. Denn die Berichte waren in beiden Ausgaben für die Friedliner interessant – deswegen wollte man aber nicht zwei Zeitungen abonnieren. Es musste eine gedruckte Verbindung zwischen dem Herscheider Teil des Süderländer Tageblatts und den Lüdenscheider Nachrichten geschaffen werden: die Geburtsstunde des Friedolin

Herscheid - Es begann im Februar 1996. Bei der jährlichen Nachbarschaftsversammlung in der „Klemme“ bei Ludwig Schürmann besprach die Nachbarschaft Friedlin-Grünenthal, welche Veranstaltungen es 1996 geben wird. Neben Terminabsprachen wurden aber auch immer wieder wichtige Themen besprochen wie Sammelaktionen zu runden Geburtstagen, Hochzeiten und Todesfällen oder welche Gemeindeangelegenheiten die Nachbarschaft betreffen.

Zum Geburtshelfer des Friedolin wurde jedoch die Verkehrssituation an der L 561. Der hier herrschende Straßenverkehr gefährdete vor allem Schüler, aber auch alle Bewohner Friedlins, wenn man die Bushaltestelle in Richtung Plettenberg erreichen wollte: Einen vernünftigen Überweg gab es damals noch nicht und die Kinder mussten Lücken im Verkehr laufenderweise nutzen.

Doch wie sollte man nun die Nachbarschaft verbinden, um gemeinsam für eine gute Sache zu kämpfen – einen Fußgängerüberweg über die L 561? Denn ST und LN, die beide über diesen Sachverhalt berichtet hatten, wurden gleichzeitig nur von den wenigsten Friedlinern bezogen. Am 21. März 1996 erschien dafür erstmals der Friedolin. Hier wurden Zeitungsberichte zusammengefasst und auch eigene Berichte und Meinungen veröffentlicht.

Die erste Ausgabe des Friedolin aus dem Jahr 1996 befasste sich mit der gefährlichen Verkehrssituation an der L 561.

Zudem konnten sich hier die Friedliner für Anteilnahme oder Glückwünsche bei den Nachbarn bedanken oder Termine für die nächsten drei Monate vermerkt werden, damit auch kein Nachbar sagen konnte: „Davon habe ich nichts gewusst.“ Fein säuberlich wurden Daten und Verfasser der Zeitungsberichte genannt.

Von Anfang an war es „Chefredakteurin“ Brigitte Halbhuber, die sich um die Bestückung des Friedolin kümmerte – und das bis heute noch tut. Dazu gehörte es nicht nur, Zeitungsberichte zu sichten, die wichtig sein könnten. Einige Male musste sie auch den Nachbarn auf die Füße treten, wenn die nächste Ausgabe nahte und noch einige Berichte fehlten. Tage vor der nächsten Ausgabe wurde gelayoutet und auf dem eigenen Kopierer (die Firma machte es möglich), vervielfältigt, sodass auch immer pünktlich die Verteilung erfolgen konnte.

Brigitte Halbhuber stellt bis heute den Friedolin für de Nachbarschaft zusammen.

Und in der Nachbarschaft gab es neben den vielen Veranstaltungen wie Silvestersingen, Osterfeuer, Neujahrsessen, Nachbarschaftsversammlung und Reibekuchenbacken viele andere Themen, die von Ausgabe zu Ausgabe den Friedolin bestückten und interessant machten. Nach und nach wurde der Friedolin auch über die Dorfgrenzen hinaus bekannt. „Was ist bei euch denn los?“, „Wieso?“, „Hab da etwas in eurem Friedolin gelesen“, wurden die Friedliner nicht selten auch im Herscheider Zentrum auf die eine oder andere Sache angesprochen.

Viermal pro Jahr, im März, Juni, September und Dezember erscheint der Friedolin. Und in diesen Tagen wurde der 100. Friedolin in Umlauf gebracht. „Es wäre schön gewesen, wenn die 100. Ausgabe ein wenig umfangreicher geworden wäre“, trauert Brigitte Halbhuber der nur zweiseitigen Ausgabe nach.

Mehrfach gab es Überschwemmungen in Friedlin und Grünenthal – der Friedolin berichtete und schweißte die Nachbarschaft zusammen.

Doch es gibt Parallelen zwischen der ersten und der 100. Ausgabe. Beide Male bestimmte ein großes Thema das Nachbarschaftsblättchen. War es im März 1996 die L 561, so ist es diesmal die Corona-Pandemie. Mit der nächsten, der 101. Ausgabe, feiert der Friedolin 25. Geburtstag. Vielleicht ja wieder mit einem Grußwort des Bürgermeisters. Auch wenn dieser nicht aus Friedlin kommt.

Ein Einblick in besondere Berichte des Friedolin

Der Abriss der zwölf Meter hohen Silos bei Landwirt Voss (1996), die Stilllegung des Sängerweges zwischen Elsen und Friedlin (1997), Abriss und Neubau der Sporthalle Grünenthal (1999), das WDR zu Gast mit „Mittendrin“ (1999), immer wieder die L 561 mit den Verkehrsmessungen (1999). Die Erweiterung der Dorfnachbarschaft mit dem Hofwiesenweg war ein großes Thema (2006), ebenso der Straßenausbau Im Lohsiepen und die neue Kanalverlegung (ab 2006). Auch ein Hausbrand (2006) war zu verzeichnen mit einer vorbildlichen Nachbarschaftshilfe. Auch kuriose, aber wahre Geschichten, wie eine verkorkste Forellenlieferung zu Weihnachten, mit natürlich gutem Ende, fanden den Weg in den Friedolin und sind vielen bis heute präsent. Zur 50. Ausgabe des Dorfblättchens im Juni 2008 gab es sogar ein Grußwort des damaligen Bürgermeisters Lothar Schütz, ein Friedliner, der um die Wichtigkeit der Nachbarschaft und den Friedolin weiß. Diese Nachbarschaft war auch wieder zur Stelle, als Ende Juli 2008 ein schweres Unwetter zahlreiche Keller und Straßen, die noch im Umbau waren, überflutete. Die Nachbarschaft war tatkräftig zur Stelle, um die Schäden der Betroffenen so gering wie möglich zu halten. Mit dem Friedolin machte die Nachbarschaft aber auch mobil, wie bei den Planungen der 380-KV-Trasse (2011), beim Bau des Chemielagers der Firma Klupsch (2014) und der Erweiterung des Industriegebietes (2017). Auch über sechs Schützenkönige und drei Jungschützenkönige aus Friedlin und Grünenthal wurde ausgiebig berichtet.

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