Dem ganzen Körper Gutes tun

Warum ist Tai-Chi so beliebt? Wir wagen den Praxistest

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Das gemeinschaftliche Trainieren an der frischen Luft lockt zahlreiche Teilnehmer zu den Einheiten im Freibad.

Herscheid – Unter freiem Himmel dem Alltagsstress entkommen und zugleich ein bisschen Sport treiben – mit diesem Ziel mache ich mich auf den Weg zum Freibad. Nicht etwa, um dort einige Bahnen zu ziehen, sondern um Antonio Monti-Nia und seinen Tai-Chi-Kurs kennenzulernen. 

Wie funktioniert dieser Sport, der sich in der Ebbegemeinde seit vielen Jahren großer Beliebtheit erfreut? Was begeistert die Herscheider daran? Ohne jegliche Vorerfahrung wage ich einen Selbstversuch.

„Es ist ein Sport für jeden Menschen“, fasst Monti-Nia die im Kaiserreich China entstandene Kampfkunst zusammen. Und wie ist das genau zu verstehen? Man könne sofort damit loslegen und dem ganzen Körper etwas Gutes tun, erklärt er.

Egal ob auf Nervensystem oder Kreislauf: Tai-Chi – was übersetzt übrigens Schattenboxen bedeutet – habe ausschließlich positive Folgen. Obwohl es als Methode der Selbstverteidigung entstanden ist, hat es heutzutage mit Kämpfen nicht wirklich etwas zu tun. Gesundheit und Wohlfühlfaktor stehen heutzutage im Fokus. 

Das merke auch ich während der einstündigen Einheit auf der Freibadwiese. Zwischen Beachvolleyballfeld und Fußballplatz tummeln sich neben mir – natürlich mit genügend Abstand – knapp 40 Teilnehmer, die gespannt auf Anweisungen des Lehrmeisters warten. 

Wir starten mit einem kleinen Aufwärmprogramm, das aus Dehn- und Lockerungsübungen besteht. Noch komme ich problemlos mit. „Der macht das ganz toll. Sonst würden wir auch nicht immer wieder kommen“, verrät mir ein älterer Stammgast nach wenigen Minuten. Kein Wunder, gilt Monti-Nia als echter Experte in der heimischen Region, wo er gleich mehrere Kurse anbietet. 

Der Lehrmeister in Aktion: Antonio Monti-Nia erklärt die Übungen und führt diese vor.

Mein Körper wird zunehmend unter Spannung und Streckung gesetzt. Konzentriert versuche ich den Übungsleiter nicht aus den Augen zu verlieren, um ja keine der vorgeführten Bewegungen zu verpassen. Für Neulinge lassen sich die Übungen nicht ganz so selbstverständlich nachmachen wie von manch erfahrenen Teilnehmern, bei denen gefühlt alles automatisch abläuft. 

Wir strecken und dehnen uns, was das Zeug hält. Gleichzeitig muss sich der Kopf anstrengen, wenn mit mehreren Körperteilen unterschiedliche Bewegungen ausgeführt werden müssen. Konzentration, Koordination und Körperhaltung – all dies spielt eine Rolle. 

„Heute sind das ja fast nur Aufwärmübungen. Letzte Woche mussten wir uns mehr bewegen“, weist mich eine Teilnehmerin auf das vergleichsweise harmlose Programm hin, das mir zum Einstieg gerade recht kommt. Für sie ist es aber auch eine Art Gehirn-Jogging, bei dem man gut abschalten könne. Dieser Eindruck bestätigt sich: Meine Gedanken drehen sich fast nur um die Übungen, deren richtige Ausübung die volle Aufmerksamkeit braucht. 

Die Herscheider loben vor allem das gemeinschaftliche Trainieren an der frischen Luft und den Austausch untereinander. Tai-Chi ist grundsätzlich für jeden Menschen geeignet – unabhängig von Fitnessgrad, Statur oder Alter. „Die Übungen können anstrengend sein, aber ausgepowert ist man eigentlich nicht. Die Bewegungen sind ja eher langsam“, sagt Antonio Monti-Nia. 

Dehnen zum Aufwärmen für Neuling Max.

Vom Kopf und Oberkörper über die Beine bis hin zu den Zehen – auch ich erlebe, wie alle Körperteile gefordert werden. Zum Abschluss der Einheit gibt es Massageübungen, bei denen sich die belasteten Muskeln, Sehnen und Gelenke entspannen können. 

Werde ich nun auch zu einem Tai-Chi-Anhänger? Soweit ist es zwar noch nicht, aber einfache Übungen lassen sich durchaus auch in meinen Alltag integrieren oder als Aufwärmprogramm vor Laufrunden nutzen. Einen Versuch ist es auf jeden Fall wert. Und so verlasse ich das Freibad an diesem Morgen mit einem zufriedenen und entspannten Lächeln.

Wer selbst auch mal Tai-Chi ausprobieren möchte, hat samstags um 10 Uhr im Herscheider Freibad die Gelegenheit dazu. Aufgrund der großen Beteiligung soll der Kurs über die Sommerferien hinaus verlängert werden. „Ich werde mit dem Bürgermeister sprechen und hoffe, dass wir die Liegewiese weiter nutzen können“, kündigt Antonio Monti-Nia an. Die Teilnahme bleibt kostenlos.

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