„2020 ist noch keiner ohne Baum gefahren“

Plötzlicher Kundenansturm: Warum der Lockdown den Christbaum-Absatz angekurbelt hat

Dennis Schäfer wird bei seiner Arbeit sogar vom ganz jungen Nachwuchs unterstützt.
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Dennis Schäfer wird bei seiner Arbeit sogar vom ganz jungen Nachwuchs unterstützt.

Karsten Schäfer eilt nur kurz am Verkaufsstand vorbei und verschwindet mit den Worten: „Das macht jetzt mein Bruder.“ Denn neben dem Weihnachtsbaumhandel boomt in Nieder-Mesten derzeit auch das Geschäft mit Fleisch von „Bruchbach Beef“.

Herscheid - Das eigene Familienunternehmen lastet Karsten Schäfer eben voll aus. Nach dem Tönnies-Skandal kaufen noch mehr Menschen lokal produzierte Wurst- und Fleischprodukte am liebsten direkt vor ihrer Haustür, viele Herscheider lockt das auf den Hof der Familie Schäfer. Hier herrscht seit Monaten Hochbetrieb. Und in der Adventszeit kommt jetzt auch noch der Verkauf von Weihnachtsbäumen hinzu.

Darum kümmert sich Dennis Schäfer, der ebenfalls alle Hände voll zu tun hat: „Wir können uns dieses Jahr nicht beschweren. Für den privaten Bereich werden noch mehr Bäume gekauft als sonst“, freut sich der Landwirt. Er glaubt, dass es sich viele Menschen in diesen Zeiten zuhause besonders schön machen wollen. Die meisten Stammgäste seien schon da gewesen. Dazu kamen zahlreiche neue Kunden, auch aus der weiteren Umgebung.

Je näher es auf Weihnachten zugehe, desto größer werde normalerweise der Betrieb. Doch in diesem Jahr habe die Ankündigung des Lockdowns am dritten Adventswochenende für einen plötzlichen Kundenansturm gesorgt, mit dem man so nicht gerechnet habe. „Es war eben noch nicht klar, ob Weihnachtsbäume weiter verkauft werden dürfen.“ Seitdem Gewissheit herrscht, wird der tägliche Verkauf natürlich fortgesetzt, wenn auch unter strengen Hygieneregeln. Zehn Quadratmeter Fläche pro Kunde – diese Vorgabe ist auf dem 650 Quadratmeter großen, klar abgegrenzten Verkaufsgelände problemlos umsetzbar.

Außerdem gibt es eine Maskenpflicht und Desinfektionsspender stehen ebenso bereit. Zusammen mit den Plakaten, die auf alle Regeln hinweisen, sei dies der einzige Mehraufwand wegen Corona. Erstmals kann man seinen Baum auch selbst schlagen: „Diesen Extra-Service bieten wir, damit sich Kunden noch mehr aus dem Weg gehen. Das Angebot haben bisher aber nur ein paar wenige genutzt.“

Gleichzeitig muss auf den gewohnten Glühwein-Ausschank verzichtet werden. Auch das Grillen direkt am Verkaufsstand fällt dieses Jahr flach. „Als kleinen Ersatz dürfen wir immerhin unsere abgepackte Wurst verkaufen“, weist Dennis Schäfer auf die kulinarische Versorgung hin.

Und welcher Baum ist dieses Jahr besonders begehrt? „Die Nordmanntanne bleibt eindeutig der Favorit. Davon haben wir auch am meisten“, verrät Landwirt Schäfer mit Blick auf die 3,5 Hektar große Anbaufläche. Dort gibt es mehrere Parzellen in unterschiedlichen Höhenlagen. Angeboten werde auch die Nobilis, doch die Edeltanne gelte eher als „Auslaufmodell“.

Auch Familie Queder aus Plettenberg entschied sich für eine Herscheider Nordmanntanne.

„Eine Höhe von 1,80 bis 2 Meter sollte der Baum schon haben“, sagt Daniela Queder aus Plettenberg, während sie mit ihrem Mann nach einem passenden Exemplar sucht. „Uns ist wichtig, dass der Weihnachtsbaum lokal gekauft wird“, begründet das Paar wenig später seine Entscheidung für eine heimische Nordmanntanne.

Als „treue Stammkunden“ bezeichnen sich zwei Lüdenscheider, die seit Jahren zu Schäfers kommen. „Diese Bäume sind schön grün, halten lange und sind qualitativ hochwertig“, loben sie das Angebot. Sogar auf den letzten Drücker werde man hier kurz vor Weihnachten noch fündig. Und Dennis Schäfer ergänzt: „Dieses Jahr konnten wir bisher jeden Kundenwunsch erfüllen. 2020 ist noch keiner ohne Baum gefahren.“

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