Wirtschaftlicher Totalschaden droht

Waldbesitzer befürchtet: Für eine Rettung der Fichten ist es zu spät

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Eine Fläche wie ausradiert: Matthias Dunkel musste schon vor Wochen am Böllenberg große Teile seines Fichtenwaldes fällen lassen.

Herscheid – Die Borkenkäferplage stellt die heimischen Waldbesitzer vor gravierende Komplikationen. Wie sollen sie umgehen mit dem massiven Schädlingsbefall? Wer hilft beim Abtransport der toten Bäume? Woran soll man sich bei der Aufforstung der entstehenden Kahlflächen orientieren?

Es sind zig Fragen, die in diesen Tagen auf die Waldbesitzer einprasseln – und nicht auf alle finde man eine griffige Antwort, bedauert Dr. Matthias Dunkel. Ihm gehören in Herscheid rund 80 Hektar Wald, unter anderem am Böllenberg, dessen Erscheinungsbild sich in den letzten Wochen und Monaten stark verändert hat. Ein von ihm beauftragtes Forstunternehmen hat massenhaft befallene Bäume gefällt und aus dem Wald transportiert. 

Den Umständen entsprechend habe das gut und zügig funktioniert, erzählt Dr. Dunkel. Die Folge: Der Böllenberg ist nicht mehr wiederzuerkennen, Waldabschnitte wurden ausradiert. Ein Prozess, der sich in vielen Wäldern der Gemeinde fortsetzen dürfte, befürchtet Dunkel: „In ein paar Jahren gibt es hier keine Fichten mehr.“ 

Die solidarische Rettungsaktion, zu der die hiesige Forstbetriebsgemeinschaft in Kooperation mit dem Forstamt aufgerufen hat, komme zu spät, meint Dunkel. Die vom Käfer befallenen Fichten jetzt noch zu beseitigen, würde nichts mehr bewirken. Das Aussterben des Sauerländer Brotbaumes, wie es noch vor 50 Jahren von Seiten des Forstamtes hieß, sei in der heimischen Region nicht mehr aufzuhalten. 

Die Leitragenden seien die Waldbesitzer: Die finanziellen Auswirkungen seien katastrophal, erzählt Dunkel. Aufgrund des überschwemmten Marktes und des Preisverfalls erhalte er für einen dicken Fichtenstamm nach Abrechnung aller Kosten gerade einmal fünf Euro. Den Verkauf seines Käfer-Holzes nach China übernehme das Forstunternehmen: Von dem Erlös könne er vielleicht zwei Hektar Wald neu bepflanzen, mehr nicht. 

Was er vermisse, das sei in erster Linie ein zukunftsträchtiges Konzept und die fachliche Beratung seitens des Forstamtes. Dieses empfehle zwar für die Anpflanzung heimische Gehölze. Doch welche Baumarten könnten das sein? Oftmals werde die Douglasie genannt, aber die stamme ursprünglich aus Nordamerika, gibt Dr. Dunkel zu bedenken. 

Er wünscht sich konkretere Hinweise – unter anderem dazu, wer die neuen Pflanzen liefern und ob es Fördermöglichkeiten für die hart getroffenen Waldbauern geben könnte, denn: „Wir stehen vor einem wirtschaftlichen Totalschaden.“ Die Behauptung, dass Holz für die Waldbesitzer die beste Spardose sei, habe bereits seit dem Sturm Kyrill keine Gültigkeit und sei durch den Borkenkäfer endgültig außer Kraft gesetzt worden. „Wie es weitergehen soll, das weiß ich nicht“, sagt der Herscheider.

So bewerten die Forstbetriebsgemeinschaft und das Forstamt die Borkenkäfer-Situation.

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