Zu helfen ist seine Lebensaufgabe

Dieses DRK-Urgestein erhielt die höchste Auszeichnung für ehrenamtliche Tätigkeit, die es in Deutschland gibt

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Normalerweise agiert Volker Gärtner gerne aus dem Hintergrund, am Donnerstag standen er und seine Frau Angelika bei der Übergabe des Bundesverdienstkreuzes im Mittelpunkt: Zu den Gratulanten zählten DRK-Ortsvereinsvorsitzender Edgar Bandowski, Landrat Thomas Gemke, Bürgermeister Uwe Schmalenbach und Rotkreuzleiter Stephan Haase.

Herscheid – Ein Freund der großen Worte ist Volker Gärtner nicht; er lässt lieber gute Taten sprechen. Genau das praktiziert er seit mehr als 55 Jahren im Dienste des Deutschen Roten Kreuzes (DRK).

Daher war es auch wenig überraschend, dass bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes andere Personen die Rolle der Redner vorbehalten war. Die Veranstaltung im Bürgersaal war in vielerlei Hinsicht besonders: So war es für Landrat Thomas Gemke, der am 31. Oktober aus diesem Amt ausscheidet, die letzte Vergabe des Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, wie es offiziell heißt. 

„Das ist die höchste Auszeichnung für ehrenamtliche Tätigkeit, die es in unserem Land gibt“, hob Gemke den Stellenwert hervor. Eine Ehrung, die nur ganz wenigen Menschen zuteil werde, führte der Landrat an. Anderen zu helfen, jede freie Minute für den Dienst am Menschen aufzubringen – Gärtner habe die Arbeit im DRK zur Lebensaufgabe gemacht. „Sie sind ein Vorbild für uns alle“, sagte Gemke. 

Und so sieht es aus, das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland - wie die Auszeichnung offiziell heißt.

Dass diese Auszeichnung genau die richtige Person erhalte, wusste Bürgermeister Uwe Schmalenbach zu berichten: „Alle Herscheider freuen sich mit dir“, betonte er, dass Gärtner in seiner Heimatgemeinde bekannt sei wie der sprichwörtliche bunte Hund und eine feste und unverzichtbare Säule des örtlichen Rettungswesens darstelle. Dieser Bekanntheitsgrad sei für die Menschen in Notsituationen ein Anker: Wenn sie Hilfe rufen und Volker Gärtner in seiner Dienstkleidung herannahen sehen, dann „sind sie froh, in ein bekanntes Gesicht zu blicken“, erzählte Schmalenbach.

Rathausbrand, Flugzeugabsturz an der Piene, Sturm Kyrill, Kümestabrand – Rotkreuzleiter Stephan Haase blickte exemplarisch auf außergewöhnliche Einsätze Gärtners zurück. Was ihn in seiner mehr als 55-jährigen Tätigkeit im DRK jedoch stets auszeichnet, sei die Zuverlässigkeit und ein schier unbremsbarer Einsatzwillen. „Du bist ein Energiebündel“, bedankte sich Haase bei seinem Kollegen und ergänzte lächelnd: „Volker, du bist unkaputtbar.“ 

Was sein Antrieb ist, sich über einen solch langen Zeitraum für seine Mitbürger zu engagieren, konnte der Geehrte selbst schwer in Worte fassen. Die Dankbarkeit der Menschen, das Gefühl ihnen geholfen zu haben, spornen den 70-Jährigen an, sagte Gärtner, der die Auszeichnung im Kreise von Familie und DRK-Mitgliedern entgegennahm. 

Über seine Schwester Brigitte, die bereits im DRK tätig war, erfuhr Volker Gärtner Anfang der 1960er Jahre, dass für Übungszwecke Komparsen gesucht werden. Er spielte einen Verletzten und fand Gefallen an der Institution und dem Herscheider DRK-Ortsverein, dem er 1964 beitrat. 

Die Anfänge von Volker Gärtner im Rettungswesen: Schon bei diesem Lehrgang in den 1960er Jahren in der alten Herscheider Jugendherberge am Freibad trug er das Rote Kreuz mit Stolz.

Erste-Hilfe-Ausbildung und eine Ausbildung zum Sanitäter folgten alsbald, und auch eine Weiterbildung bei der Bergrettung des DRK. Entsprechend geschult gehörte Gärtner seit dem Jahr 1967 der Rettungsschlitten-Besatzung an, die als Winterrettungsdienst an jedem Wochenende im Ebbegebirge aktiv war. Erst als die Tourismuszahlen und die Schneemengen zurückgingen, wurde dieser Dienst in den späten 1990er Jahren eingestellt. 

Volker Gärtners Engagement beschränkte sich indes nicht nur auf die kalte Jahreszeit: Rettungssanitäter an der Listertalsperre, Autobahnrettungsdienst auf der A 45, Weiterbildung zum Sprechfunker – Gärtner opferte einen Großteil seiner Freizeit auf. Seit dem Jahr 1966 begleitet er für das DRK die Schützenfeste in Herscheid, übernahm unzählige Brandsicherheitswachen, begleitete als Sanitäter Großveranstaltungen wie die Volkswanderungen, den Herscheid-Triathlon und das Räriner Bergfest. 

Zudem organisiert er die Blutspendetermine und erledigt dabei anfallende Schreibarbeiten. Seit dem Projektstart 2008 gehört er zum Stamm der Helfer vor Ort, leistet seither Einsätze bei Unfällen, Bränden und häuslichen Notfällen – und das in den Abend- und Nachstunden sowie an Wochenenden und Feiertagen. Außerdem ist er Fahrzeugwart des Rettungswagens.

Die Person, die ihn am innigsten kennt, ist seine Frau Angelika. Beide kennen sich schon seit ihrer Kindheit, näherten sich im Café As (auf dem Minigolfplatz) einander an und sind seither unzertrennlich. „Volker ist ein Mann, der nie ein Danke will und für den anderen alles gibt“, beschreibt die Herscheiderin, die im Bürgersaal von allen Rednern als fester Rückhalt gelobt und mit Blumen überhäuft wurde – denn ohne eine rücksichtsvolle Partnerin an der Seite hätte Volker Gärtner nie diesen Einsatz leisten können. 

Am 25. September 1970 gaben sich Angelika und Volker Gärtner das Ja-Wort. 

Eben dieser Gedanke „Jeder muss auf jeden Rücksicht nehmen“ gilt für das Ehepaar Gärtner seit 50 Jahren. Am 25. September 1970 hatten sie sich das Ja-Wort in Herscheid gegeben. Gefeiert wurde die Goldene Hochzeit im Kreise der Familie – doch nur bis 18 Uhr. Denn dann begann die Einsatzbereitschaft für die Helfer vor Ort – und Volker Gärtner war natürlich wieder rufbereit.

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