So entwickelt sich das neue Projekt zweier Nachbarkommunen

Unterwegs mit dem Mobil Sorglos: Lieferung bis in die heimische Küche

Beim Einsortieren der bestellten Lebensmittel unterhalten sich Gabriele Bellgart und Eberhard Kaufmann über Aktuelles aus Herscheid und der Welt.
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Beim Einsortieren der bestellten Lebensmittel unterhalten sich Gabriele Bellgart und Eberhard Kaufmann über Aktuelles aus Herscheid und der Welt.

Die Kühlbox ist auf Temperatur, der Tank gefüllt: Die Fahrt des Mobil Sorglos kann beginnen. Eberhard Kaufmann startet den Motor des weißen Lieferwagens, an dessen Fahrzeugseiten in großen, gut lesbaren Buchstaben Mobil Sorglos geschrieben steht.

Herscheid - Das erste Ziel an diesem Nachmittag ist Hüinghausen. Auf der Fahrt dorthin erzählt Eberhard Kaufmann über seine Motivation, sich in seiner Freizeit für seine Mitbürger einzusetzen. Genau das macht er bereits seit vielen Jahren auf kommunalpolitischer Ebene. Dadurch sei er auch auf das neue Projekt der Nachbarkommunen Herscheid und Plettenberg mit Namen Mobil Sorglos aufmerksam geworden.

Im ersten Schritt besteht dieses aus einem Lieferservice: Dinge des täglichen Bedarfs werden aus den jeweiligen Geschäften zu den Personen, die diese vorher bestellt haben, gebracht. Kaufmanns Antrieb („Irgendwie möchte ich helfen“) könne damit sehr gut umgesetzt werden.

Dass die Organisation bestens klappt, zeigt sich am ersten Zwischenziel: dem Dorfladen in Hüinghausen. Dort hat Mitarbeiterin Heike Schmitt bereits die bestellten Waren in einem Karton zusammengestellt und geordnet: Milch und Wurst, die eine Kühlung benötigen, liegen gesondert und können von Eberhard Kaufmann mit wenigen Handgriffen im großzügigen Kofferraum entsprechend gelagert werden. „Gute Fahrt“, ruft Heike Schmitt ihm noch zu – und schon rollt das Mobil Sorglos weiter über die Alte Dorfstraße.

Dorfladen-Mitarbeiterin Heike Schmitt hat die bestellten Lebensmittel bereits zusammengestellt.

Der Dorfladen rückt näher an Herscheid

Von Hüinghausen aus geht es über die neu asphaltierte Landstraße 561 zurück in Richtung Herscheid. Im Mobil Sorglos kein Problem, doch für Personen, die nicht (mehr) mit einem eigenen Fahrzeug fahren können, würde diese Tour eine weite Busfahrt inklusive des mühsamen Transports der gekauften Waren bedeuten. Durch das Projekt rücken Teilnehmer wie der Dorfladen ein Stückchen näher heran an Herscheids Mitte.

Eben dort, genauer gesagt im Müggenbruch, steuert Eberhard Kaufmann den Lieferwagen auf einen kleinen Parkplatz. „Der fährt sich echt gut“, meint der Fahrer, als er aussteigt und die Waren im Karton zusammenpackt. Dann beginnt für ihn die kurze „Bergsteigertour“: eine kleine Anhöhe hinauf und dann über weitere Treppen bis in die dritte Etage eines Mehrfamilienhauses.

Lieferung und Plausch gehören zusammen

An der Wohnungstür wartet bereits Gabriele Bellgart: „Diese vielen Stufen, das schaffe ich so nicht“, sagt sie, als sie den Lebensmittellieferanten sieht. Der weiß bereits, wohin er zu gehen hat. Zielgerichtet bringt Eberhard Kaufmann den Karton in die Küche. Der erste Griff der Seniorin geht zur Wurst: „Die Sachen von Metzger Geier schmecken einfach gut“, schwärmt sie.

Ein wenig Obst, Gemüse, eine Packung Milch – zügig sind die anderen Einkäufe verstaut. Zur Lieferung frei Haus gehört auch der angenehme Plausch. Gabriele Bellgart freut sich sichtlich über den Besuch. Das Projekt scheint wie gemacht zu sein für sie. „Das kommt mir wirklich sehr entgegen und entlastet auch meine Familie“, erzählt die Herscheiderin.

Im Jahr 2013 wurden die Planungen für das Projekt Mobil Sorglos aufgenommen. Diese Zahl findet sich ebenso auf dem Kennzeichen des Lieferwagens wieder, wie die Buchstaben H für Herscheid und P für Plettenberg.

Wetter, Corona, Fußball – kurz werden weitere aktuelle Themen besprochen, ehe sich Eberhard Kaufmann auch schon wieder verabschiedet. „Bis zum nächsten Mal“, hört er Gabriele Bellgart im Treppenhaus sagen.

Nach diesem Besuch ist der Kofferraum des Mobils bereits leer geräumt, für diesen Nachmittag hat es keine weiteren Bestellungen gegeben. „Es wäre wünschenswert, wenn wir noch mehr Leute beliefern könnten“, hofft der Fahrer auf größere Resonanz.

Gemeinschaft soll weiter wachsen

Einige Minuten später steht der weiße Lieferwagen auch schon wieder auf dem Parkplatz hinter dem Rathaus. Dort ist die Idee für das Projekt entwickelt worden; nach intensiver Planungsphase rollt das Mobil Sorglos nun seit etwas mehr als zwei Monaten über Herscheider und Plettenberger Straßen.

Aufgrund der gesammelten Erfahrungen konnte die Abstimmung optimiert werden. Der Betrieb funktioniere reibungslos, erklärt Rathaus-Mitarbeiterin Meryem Yilmaz: Ein Dienstleister nimmt die telefonischen Bestellungen entgegen und informiert Fahrer und Geschäfte. In der Regel wird zwei Tage nach der Bestellung – die auch über eine Internetplattform möglich ist – ausgeliefert. „Wir versuchen immer, auf dringende Nachbestellungen spontan zu reagieren“, versichert Meryem Yilmaz.

Allen Teilnehmern bereite dieses neue Projekt große Freude; insbesondere die Rückmeldungen der Nutzer seien durchweg positiv. Daher hofft Meryem Yilmaz, dass „unsere Gemeinschaft weiter wächst“. Damit meint sie sowohl Nutzer, zu denen nicht nur Senioren, sondern alle Interessierten gehören, als auch Händler. Je vielfältiger, desto besser, meint die Rathausmitarbeiterin.

Für Eberhard Kaufmann ist an dieser Stelle bereits wieder Feierabend. Er gibt den Schlüssel des Lieferwagens ab, steigt in sein Privatauto und fährt heim. „Mal abwarten, was nächste Woche alles auf der Einkaufsliste steht“, freut er sich schon auf die nächsten Sorglos-Einsätze.

Ursprünglich sollte im Sommer der zweite Bestandteil des Mobil Sorglos an den Start gehen. Dazu sollen in einem mit entsprechender Technik ausgerüsteten Wohnwagen Videogespräche mit Haus- und Fachärzten angeboten werden. Auf diese Weise entfallen für Nutzer die Anfahrten zu und Wartezeiten in den Praxen. Da diese wegen der Corona-Impfkampagne zurzeit zeitlich zu sehr beansprucht werden, treten Verzögerungen auf. Die Projektplaner verschieben die Gespräche auf den Sommer und nehmen zunächst Kontakt zu Apotheken und Pflegeberatungen auf, um dort den Bedarf zu erfragen. Ein Startdatum kann Meryem Yilmaz zwar noch nicht nennen: „Aber wir bleiben am Ball.“
Für die Teilnahme am Mobil Sorglos A (Lieferservice) können sich die Bürger im Rathaus anmelden und ein entsprechendes Formular beantragen. Ist dieses ausgefüllt, kann der Lieferdienst auch schon in Anspruch genommen werden. Sieben Anbieter aus Plettenberg und fünf aus Herscheid stehen zur Auswahl. Deren Sortimente umfassen Lebensmittel, Bücher, Pflanzen, Arzneimittel, Tierbedarf, Stickausrüstung, Wäscheservice, Hörgeräte und Schuhe. Telefonisch oder im Internet können die Bestellungen aufgegeben werden. Die Teilnahme im ersten Monat ist kostenlos, danach fallen monatlich zehn Euro Gebühr an. Zudem wird pro Lieferung ein Euro und natürlich der Wert der gelieferten Waren berechnet. Bislang haben sich 22 Personen angemeldet; die Zahl der regelmäßigen Nutzer ist jedoch kleiner. Weitere Informationen erteilen Meryem Yilmaz unter der Rufnummer (0 23 57) 90 93 25 oder ihr Plettenberger Kollege Jonas Borgmann, Telefon (0 23 91) 92 32 07.

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