Herscheider Engel hilft Jägern und Landwirten

Tödliche Gefahr beim Mähen: Rehkitz-Suche per Drohne

Rehkitze verstecke sich oft im hohen Gras. Drohnen orten und retten sie vor dem Tod.
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Rehkitze verstecken sich oft im hohen Gras. Drohnen orten und retten sie vor dem Tod.

Frisch gesetzte Rehkitze verstecken sich oft im hohen Gras. Sie haben einen Duckreflex. Der schützt sie vor Feinden, wird ihnen bei Mähwerken aber zum Verhängnis. Deswegen kontrollieren Jäger vor dem Mähen die Wiesen – bisher zeitaufwändig zu Fuß.

Herscheid - Der Herscheider Carsten Engel unterstützt die Suche neuerdings mit einer Spezial-Drohne, die mit einer Wärmebildkamera ausgestattet ist. In Wellin kam diese jetzt erstmalig zum Einsatz. Wir waren dabei.

5.50 Uhr am Sonntagmorgen in Wellin. Die Sonne geht allmählich auf. Nach mehreren Regenwochen ist das Wetter endlich gut genug zum Mähen. Das wollen auch die Landwirte Franz-Josef Hesse und dessen Sohn Patrick nutzen. 20 bis 25 Hektar sollen heute geschnitten werden. „Die Zusammenarbeit mit den beiden funktioniert sehr gut“, lobt Jäger Günther Fuchs, der die Flächen gepachtet hat. Vor dem Mähen hätten sie früh genug Bescheid gesagt. So konnte die Wiese von den Jägern kontrolliert werden.

Das ist wichtig – gerade jetzt. Denn um den Mai herum ist Setzzeit. „Ricken verstecken ihre Kitze häufig im hohen Gras“, erklärt Jäger Mark Fuchs. Das machen sie, damit die Jungen nicht so schnell gefunden werden. „Die Tiere sind nicht viel größer als eine Katze“, vergleicht er. Die nur wenige Tage bis Wochen alten Kitze haben einen Duckreflex. Hören sie ein Geräusch, bleiben sie an Ort und Stelle – auch beim Mähen, was den grausamen Tod bedeuten kann.

Wärmere Bereiche, wie Menschen hier, sind bei der Wärmebildkamera Orange und Rot eingezeichnet.

Die Suche nach den Tieren ist in den letzten Jahren stets zu Fuß erfolgt. „Wir sind mit Hunden die Wiesen abgelaufen“, erklärt Günther Fuchs. Die Flächen sind allerdings riesig, das Gras hoch und nass und die Tiere nur schlecht zu finden. „Das ist kein Spaß“, berichtet er aus Erfahrung.

Viel schneller und entspannter geht das mit Drohne und Flug-Erfahrung von Carsten Engel – in Wellin eine Premiere in diesem Jahr. Der Drohnenpilot ist vielen Herscheidern durch seine tollen Luftaufnahmen bekannt. Vor gut zwei Jahren sei er vom Herscheider Hegering angesprochen worden, ob er sich vorstellen könne, die Rehkitz-Suche aus der Luft zu ermöglichen. Konnte er.

Der Herscheider hat sich eine spezielle Drohne vom Hersteller DJI zugelegt. Die ist neben einer normalen Sichtkamera noch mit einer Wärmebildkamera ausgestattet. Kostenpunkt für das Flugobjekt: rund 2 500 Euro.

Die Drohne wirkt unscheinbar und lässt sich zusammenfalten; sie ist mit einer Wärmebildkamera ausgestattet.

Ergänzend hat er sich mehrere Akkus und Fernbedienungen angeschafft, damit bei der Suche nicht der Saft ausgeht. Gut 20 Minuten Flugzeit sind mit einer Ladung drin. Mehrfach wechselt er die Akkus an diesem Sonntag; dazu lädt er leere im Auto direkt wieder auf. Sicher ist sicher.

Drohnenfliegen ist nicht ohne. Zum finanziellen kommt der zeitliche Aufwand. Engel erzählt von den Drohnenregeln, dem Drohnenführerschein oder der Versicherung, die gebraucht werde, um überhaupt fliegen zu dürfen. Dazu müsse die Software des Geräts stets auf den neuesten Stand aktualisiert werden – und das regelmäßig. „Das letzte Update hat zwei Stunden gedauert“, erklärt er.

Vor Ort zeigt der Drohnenpilot, was mit der modernen Technik geht. Hektar für Hektar fliegt er die Wiesen systematisch in rund 50 Metern Höhe ab. Das Tablet an der Fernbedienung zeigt die wichtigsten Daten wie Flughöhe, Geschwindigkeit, Entfernung und Akkustand an. Groß zu sehen ist das LiveBild der Kamera – wahlweise das der normalen oder das der Wärmebildkamera.

Drohnenpilot Carsten Engel (links) zeigt Jäger Mark Fuchs, wie die ferngesteuerte Suche funktioniert.

Kühlere Bereiche erscheinen auf dem Bildschirm in Grau, wärmere stechen in Orange und Rot heraus. Damit das zuverlässig klappt, braucht Engel einen möglichst großen Temperatur-Unterschied zwischen Gras und Tier. „Desto mehr Sonne da ist, desto schlechter“, sagt er. Das ist auch der Grund dafür, dass der Startschuss für die ersten Wiesen schon um 5 Uhr gefallen ist, noch vor Sonnenaufgang.

Nach gut eineinhalb Stunden ist die Suche am Wellin beendet. Bilanz: Kein Kitz in all den Wiesen. Dafür konnten eine Ricke und zwei Hasen aus der Luft entdeckt werden, die aber schnell das Weite suchten.

Nachdem die Welliner Wiesen abgehakt sind, geht es für Engel weiter – zu Flächen in Katerlöh und Schirtenbecke. Dort greift er auf eine Funktion der Drohne zu rück, bei der die Flugroute vorher auf dem Tablet eingezeichnet werden kann. „Die Drohne fliegt den Weg jetzt autonom ab“, erklärt er.

Der frühe Einsatz der Helfer wurde mit einem herrlichen Sonnenaufgang über Wellin belohnt. Die dortigen Wiesen sind zum Teil sehr uneben. Eine Suche zu Fuß – durch das hohe, nasse Gras – wäre sehr aufwendig gewesen.

Auch diese Wiesen werden heute das erste Mal per Drohne abgeflogen. Das Ergebnis nach gut einer Stunde: auch hier keine Rehkitze im Gras.

„Wenn wir ein Tier gefunden hätten, hätten wir es vorsichtig aus der Wiese getragen und vor dem sicheren Tod bewahrt“, erklärt Matthias Helmstetter, Revierpächter und Jäger, vor Ort in Schirtenbecke. Am Vortag hatten die Jäger schon Vorarbeit geleistet, in dem sie Tüten auf gehängt hatten, die knistern und die Tiere fernhalten sollen – wohl mit Erfolg.

Mittlerweile ist es 8.15 Uhr. Die Sonne strahlt bei schönstem Mai-Wetter. Damit wird der Temperatur-Unterschied zwischen Tieren und Umgebung kleiner. Für Carsten Engel ist der Einsatz beendet.

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