Forstbetriebsgemeinschaft: Preise für Festmeter Holz im Sinkflug

Stürme und Coronavirus  machen den Herscheider Wäldern zu schaffen

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Bereits Sturmtief Sabine richtete vor gut zwei Wochen Schäden in Herscheider Wäldern an. Es folgten die Tiefs Victoria und Yulia.

Herscheid – Erst die lange Trockenheit, dann der Borkenkäfer, nun die Stürme und das Coronavirus: Der heimische Wald würde derzeit von vielen Seiten in die Mangel genommen. Bei der Versammlung der Herscheider Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) wählte Bürgermeister Uwe Schmalenbach daher dramatische Worte.

„Das Schiff Wald ist in raue See geraten. Die Wellen sind so hoch, dass uns Angst und Bange werden kann“, brachte es das Herscheider Gemeindeoberhaupt treffend auf den Punkt. Denn neben der extremen Trockenheit und der großen Borkenkäfer-Plage kommen aktuell noch heftige Stürme hinzu, die ebenfalls für nicht unerhebliche Schäden verantwortlich sind. Zuletzt wirbelten bekanntlich die Tiefdruckgebiete Sabine und Victoria durch das Land.

„Zu diesem Zeitpunkt können wir so etwas überhaupt nicht gebrauchen“, zeigte sich Rolf Brühne, Vorsitzender der Herscheider FBG im Rahmen der Jahreshauptversammlung der heimischen Waldbesitzer besorgt. Zwar sei das Schadensausmaß wesentlich geringer als nach dem Jahrhundertsturm Kyrill, doch die umgefallenen Bäume sorgen für Frischholz auf dem ohnehin schon völlig überhitzten europäischen Markt.

Rolf Brühne, Vorsitzender der FBG, macht sich große Sorgen um die heimischen Wälder.

Dementsprechend zeigte sich der FBG-Chef wenig optimistisch: „Ob wir das neue Holz überhaupt los werden, ist momentan noch völlig unklar.“ Die Preise befinden sich jedenfalls längst im Sinkflug. Zum Vergleich: Gab es 2013 noch über 90 Euro pro Festmeter Fichtenlangholz, waren es im vergangenen Jahr lediglich noch 44 Euro.

Eine zusätzliche Absatzmöglichkeit stellte bisher der Transport nach Fernost dar: 2019 gingen allein 2000 Festmeter Holz von Herscheid nach China. Dort breitet sich jedoch seit Anfang des Jahres das Coronavirus rasant aus und macht damit auch der Wirtschaft schwer zu schaffen.

„Es verschärft unsere Situation dramatisch“, verweist Brühne auf verwaiste chinesische Häfen, wo die Arbeit an vielen Stellen derzeit still stehe. Daher gebe es die Empfehlung, neue Holzeinschläge in Deutschland erst einmal zu vermeiden, was angesichts der Käfer- und Sturm-Schäden nicht umsetzbar sei.

Auch Förster Klaus Kermes bestätigte den stark eingeschränkten Handel: „In China gibt es Ausgangssperren und die Menschen stecken in Quarantäne. Das ganze Leben liegt praktisch lahm. An Holzverkauf ist also nicht zu denken.“

Förster Klaus Kermes sprach über die angespannte Lage im Holzhandel.

Doch wie sind die Aussichten? Der Landesbetrieb Wald und Holz NRW hat über die Firma „German Timber Company“ (GTC) Verträge mit chinesischen Abnehmern geschlossen. Von Sammelplätzen – wie am Fuße des Ebbegebirges in Reblin – wird das Holz zu den Häfen gebracht.

„Die Firma GTC rechnet damit, dass sich die Lage ab Mitte April wieder entspannt“, hofft Brühne auf eine möglichst schnelle Eindämmung des Coronavirus, um den Holz-Export wieder anzukurbeln und die höchst angespannte Situation im Wald zumindest etwas zu entschärfen.

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