SoKo Respekt schlägt Alarm: Diese Probleme haben Einsatzkräfte im Dienst

Wenn Helfer angepöbelt werden: "Ey Alter, was willst Du?"

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In die Offensive gehen - bei Veranstaltungen und mit Infomaterial wie diesem Bild - das ist das Ziel des Vereins SoKo Respekt.

Herscheid – Diesen Verein sollte es eigentlich gar nicht geben, doch die Übergriffe sind Realität. Und das rasche Wachstum zeigt, wie dringend das Engagement benötigt wird. 

Seit Mittwoch gehört auch die Gemeinde Herscheid der SoKo Respekt an – sie verbindet damit eine deutliche Position: Null Toleranz für Menschen, die Einsatzkräfte beleidigen, sich deren Anweisungen widersetzen oder handgreiflich werden.

Diese traurige Entwicklung einer respektloser werdenden Gesellschaft macht vor der Ebbegemeinde keinen Halt. Bei einem Pressegespräch berichtet Volker Gärtner, langjähriger Helfer vor Ort des DRK Herscheid, über seine leidvollen Erfahrungen. „Ey Alter, was willst du?“ sei ein Spruch, den er viel zu häufig höre, wenn er zu Einsatzorten komme. 

In einem Fall habe ein junges Mädchen bewusstlos auf dem Gehweg gelegen. Die um sie herumstehenden Begleiter, von denen einer einen Notruf abgesetzt hatte, reagierten bei der Ankunft des Rettungswagens aggressiv. „Man will helfen und muss aufpassen, dass man nicht weggeschubst oder angespuckt wird“, findet Gärtner kein Verständnis für dieses Verhalten. 

Beispiele wie diese häufen sich – und sie sollen nicht im Verborgenen bleiben. Genau das hat sich der Verein SoKo Respekt auf die Fahnen geschrieben. „Wir wollen die Leute aufwecken“, erklärt Vorsitzender Jens Hoffmann. Bei öffentlichen Veranstaltungen suchen die Mitglieder das Gespräch zu den Bürgern, im Internet werben sie unter anderem mit einem Imagefilm für ihr Anliegen.

Eine Zielgruppe soll die Jugend sein. „Unser Ziel ist es, in die Schulen zu gehen“, sagt Beisitzer Dirk Petroschka. Seine Erkenntnis: Viele Eltern vermitteln ihren Kindern heutzutage nicht mehr, was Respekt ist und wem Respekt gebührt. 

Herscheids Dorfsheriff Dagmar Eckhardt hingegen will sich in dieser Hinsicht nicht auf eine Gruppe festlegen. Oft genug gebe es auch Probleme, etwa wenn eine Straße gesperrt werden muss und sich ältere Personen daran nicht halten, mit dem Hinweis: „Diesen Weg nehmen ich schon immer.“ Der Egoismus rücke zunehmend in den Vordergrund und „das zieht sich durch alle Alters- und Gesellschaftsschichten“, bedauert Eckhardt. 

Vertreter von Polizei, Feuerwehr, DRK und des Ordnungsamtes waren dabei, als Herscheids Bürgermeister Uwe Schmalenbach den unterschriebenen Mitgliedsantrag an Jens Hoffmann, den Vorsitzenden des Vereins SoKo Respekt, überreichte.

Erschwert werde die Arbeit der Einsatzkräfte durch den ausufernden Gebrauch von Smartphones. „Das wird immer mehr zum Problem“, stellt Jens Hoffmann fest. Und auch Sven Dunkel, stellvertretender Leiter der Herscheider Feuerwehr, sind die Handyfilmer schon bei vielen Einsätzen aufgefallen: „Die sieht man ja ständig.“ Dass oftmals Grenzen überschritten und die Einsatzkräfte bei ihrer Arbeit gestört werden, darüber machen sich sie Filmer wenig Gedanken. 

Umso bemerkenswerter ist das Gegensteuern des Vereins SoKo Respekt, der vor drei Jahren gegründet wurde und dem inzwischen bereits mehr als 1250 Mitglieder angehören. Er konzentriert sich auf die drei Säulen Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst; über eine Aufnahme des Arbeitsfeldes Krankenhaus werde intensiv nachgedacht, verriet Hoffmann. 

Neben Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung soll bald die Vermittlung von psychosozialer Beratung einen Schwerpunkt der Arbeit ausmachen. All das geschieht ehrenamtlich, wie Bürgermeister Uwe Schmalenbach herausstellte: „Toll, was sie aufgebaut haben“, lobte er die Aktiven. Und auch Wolfgang Klein, Leiter der Polizeiwache Plettenberg, freute sich, dass der Verein keine Eintagsfliege sei, sondern nachhaltig Erfolg habe: „Wir Einsatzkräfte profitieren davon.“

Das Wirken des Vereins beschränkt sich längst nicht mehr auf die heimische Region: „Wir haben Mitglieder von Norderney bis München, ja sogar in der Schweiz“, schildert Jens Hoffmann. Sein Wunsch ist es, in der großen Politik mehr Gehör zu erlangen. Der Verein habe bereits beim Bundespräsidenten angefragt, ob er die Schirmherrschaft übernehmen möchte. Mehr noch: Jens Hoffmann hofft, irgendwann den Bundestag dazu bewegen zu können, die Gesetze verändern zu können – mit dem Ziel, den Schutz für Einsatzkräfte im Dienst zu verbessern.

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