Das erste Zeugnis mit Noten

So erlebten Schüler, Eltern und Lehrer das erste Schulhalbjahr und die Zeugnisvergabe

Stolz zeigt Drittklässlerin Frieda ihr Zeugnis in die Kamera. Mit ihren Noten ist sie grundsätzlich zufrieden – bis auf zwei
Ausnahmen. Ihre Schwester Lina (links) und ihre Mutter Ramona begleiteten sie in die Grundschule Herscheid, wo sie
das Zeugnis unter Einhaltung der Corona-Schutzvorgaben im alten Lehrerzimmer in Empfang nahm.
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Stolz zeigt Drittklässlerin Frieda ihr Zeugnis in die Kamera. Mit ihren Noten ist sie grundsätzlich zufrieden – bis auf zwei Ausnahmen. Ihre Schwester Lina (links) und ihre Mutter Ramona begleiteten sie in die Grundschule Herscheid, wo sie das Zeugnis unter Einhaltung der Corona-Schutzvorgaben im alten Lehrerzimmer in Empfang nahm.

Mit Spannung haben die Dritt- und Viertklässler der Grundschulen in Herscheid und Hüinghausen diesen Moment erwartet: die Vergabe der Halbjahreszeugnisse. Diese stand ganz im Zeichen der Corona-Pandemie und der einzuhaltenden Schutzvorgaben.

Herscheid - Üblicherweise verteilen die Lehrer die Zeugnisse vor versammelter Klasse. Doch der Präsenzunterricht ruht zurzeit, daher mussten andere Wege gesucht und gefunden werden. Im Vorfeld wurden zeitlich zueinander versetzte Termine mit den Eltern vereinbart, um das Aufeinandertreffen und somit größere Gruppen zu vermeiden.

Auf Abstand, mit Maske und reichlich Reinigungsaufwand wurden die Zeugnisse am Donnerstag und am Freitag an die Eltern und die Kinder ausgeteilt. Wie diese Übergabe und die Gespräche im ungewohnten Rahmen verliefen, dazu haben wir einige Beteiligte befragt.

Aus Sicht der Kinder

Die achtjährige Frieda Pauline Alfringhaus erhielt zum ersten Mal ein Zeugnis mit Noten. Aufgeregt sei sie deswegen nicht gewesen. Aber „es war irgendwie komisch, durch die leere Schule zu gehen“, erzählt die Drittklässlerin. Die Flure und der Schulhof, wo sonst so viel Trubel herrschten, seien verwaist gewesen. Dieser Anblick verdeutlich der Schülerin vor allem eines: „Der Kontakt zu meinen Freunden fehlt mir schon sehr.“

Zu ihren Lieblingsunterrichtsfächern zähle Deutsch, besonders das Geschichtenschreiben bereite ihr Freude. Daher freute sie sich über die Benotung „sehr gut“ in diesem Fach und über weitere Einsen und Zweien. Doch auch zwei Dreien waren in der Übersicht zu finden. „Damit bin ich nicht ganz zufrieden“, gab Frieda zu.

Der Kontakt zu meinen Freunden fehlt mir schon sehr.

Schülerin Frieda Pauline Alfringhaus

Das Lernen daheim falle ihr recht leicht, weil sie in ihrem Zimmer oft weniger abgelenkt werde, als im vollen Klassenraum. Das bestätigt auch Friedas Schwester Lina (sieben Jahre), die die zweite Klasse der Grundschule besucht. Mit einem Lächeln verrät sie: „Meine Mama ist manchmal eine ganz schön strenge Lehrerin, aber sie macht das wirklich gut.“

Die Schwestern wünschen sich, dass die Corona-Pandemie möglichst bald vorbei ist: „Dann kann ich endlich wieder meine Freunde treffen“ , sagt Lina. Darauf freut sich Frieda auch und zudem auf das Reiten.

Aus Sicht der Eltern

Und was vermisst Mutter Ramona? „Ich würde mich gern wieder mehr auf meine berufliche Weiterbildung konzentrieren.“ Genau das sei wegen des Homeschoolings derzeit nur bedingt möglich. Generell funktioniere das recht gut, sodass Lina und Frieda das vorgegebene Pensum stets erfüllen können.

Doch es gebe auch Tage, an denen die Herscheiderin permanent zwischen den Schreibtischen ihrer Töchter hin- und her pendele. „Da stößt man dann schon an seine Grenzen“, sagt Ramona Winkelsträter. Die Zeugnisübergabe habe sie als durchaus angenehm empfunden. Durch das regelmäßige Abholen des Arbeitsmaterials in der Schule seien die dortigen Besuche und der Kontakt zu den Lehrern auf Abstand nichts Ungewöhnliches mehr. „Das hat sich gut eingespielt“, sagt die Mutter.

Da stößt man dann schon an seine Grenzen.

Mutter Ramona WInkelsträter

Neben der Besprechung des neuen Lehrmaterials nutzte sie die Gelegenheit, um im alten Lehrerzimmer mit Klassenlehrer Arthur Nannen über das Zeugnis ihrer Tochter zu sprechen und eine Kopie vor Ort zu unterschreiben. „Ich weiß, dass Frieda mit ihrer Note in Mathe nicht zufrieden ist, aber vielleicht ist das ja auch ein Ansporn für sie, sich noch ein wenig mehr anzustrengen.“

Aus Sicht der Lehrer

Die Notenfindung sei durch Corona glücklicherweise kaum beeinflusst worden, betont Schulleiterin Heike Zilinski, dass bis auf eine Woche vor den Winterferien nahezu das komplette erste Halbjahr Präsenzunterricht erteilt werden konnte.

Es ist schön, die Kinder und die Eltern für einen kurzen Moment von Angesicht zu Angesicht sehen zu können.

Schulleiterin Heike Zilinski

Die Zeugnisvergabe sei für alle Lehrer eine willkommene Abwechslung zu Videokonferenzen und Telefonaten gewesen. Die Organisation sei erfolgreich gewesen: Durch das Entzerren der Termine werden die Elterngespräche an zwei Tagen von 8 Uhr bis nachmittags durchgeführt. Diese seien zwar nicht zu vergleichen mit klassischen Elternsprechtagen, aber der persönliche Kontakt fehle auch den Lehrern, spricht die Schulleiterin für sich und ihre Kollegen: „Es ist schön, die Kinder und die Eltern für einen kurzen Moment von Angesicht zu Angesicht sehen zu können.“

Die Wartezeit bis zu den nächsten Begegnungen soll möglichst kurz ausfallen, hoffen die Lehrer, dass nach dem verlängerten Lockdown Mitte Februar mehr Unterricht in den Klassenräumen stattfinden kann, in welcher Form auch immer. „Dann würden uns nur zwei Wochen des zweiten Halbjahres fehlen“, sagt Heike Zilinski.

Keine Abschiedsstimmung in Hüinghausen

Mehr als 110 Kinder erhalten an den heimischen beiden Grundschulen die Halbjahreszeugnisse – diese verteilen sich auf die Dritt- und Viertklässler aus Hüinghausen (32 Schüler) und aus Herscheid (80). Die Erst- und Zweitklässler hingegen erhalten an den beiden Schulen noch keine Benotungen. An der Grundschule Hüinghausen war es die letzte Vergabe von Halbjahreszeugnissen; im Sommer folgt bekanntlich der Umzug ins Bildungszentrum Rahlenberg, verbunden mit der Aufgabe des Schulgebäudes. Abschiedsstimmung sei deswegen noch nicht aufgekommen, sagt Schulleiterin Heike Zilinski, das werde im Sommer aber sicherlich anders werden. Planungen für eine Abschiedsfeier gebe es noch nicht; aufgrund der Corona-Lage sei es noch ungewiss, wie Lehrer und Schüler sich vom Schulgebäude und vom Dorf Hüinghausen verabschieden werden können.

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