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„Seit Jahren sehen wir schweigend zu“: Mahnende Worte zum Krieg in der Ukraine

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Von: Volker Halbhuber

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Die Taube gilt als Symbol für den Frieden.
Die Taube gilt als Symbol für den Frieden. © Foto: DPA

Die Friedens- und Versöhnungsgebete der Nagelkreuzgemeinschaft von Coventry werden seit vielen Jahrzehnten in der Apostelkirche regelmäßig abgehalten. Angesichts des Krieges in der Ukraine haben die Gebete eine noch wichtigere Bedeutung bekommen.

Herscheid - „Unsere Welt ist nicht so heile, wie wir sie uns wünschen würden. Was vor unseren Augen in der Ukraine geschieht, das wurde von langer Hand vorbereitet. Von uns allen“, eröffnete Christiane Nockemann-Mätzig, lokale Organisatorin des Friedensgebetes.

„Seit Jahren sehen wir schweigend zu, wie der Stärkere sich über den Schwächeren erhebt, wie Minderheiten unterdrückt werden, wie die Menschen um die Früchte Ihrer Arbeit gebracht werden. Wir nehmen hin, dass an vielen Orten in der Welt Kriege geführt werden, um Macht und Einfluss, um Ressourcen und Rohstoffe, um des Glaubens Willen“, zeigte Nockemann-Mätzig mehrere Faktoren auf und machte auf die sieben Todsünden Hass, Habgier, Besitzgier, Neid, Gleichgültigkeit, Gier und Hochmut aufmerksam, die es sind, die das Miteinander der Menschen und Völker vergiften.

In einer offenen Runde, wo die rund ein Dutzend anwesenden Christen ihre Meinung und ihre Gedanken offen aussprechen konnten, zeigten sich die Betenden schockiert, ratlos und betroffen. „Wir alle haben zu viel zugelassen“ und „Es gibt nicht umsonst den Begriff der Friedensarbeit, dies wurde sehr vernachlässigt“, waren zwei Gedanken von Gläubigen.

Im Altarbereich der Apostelkirche versammelten sich die Gläubigen zum Friedensgebet.
Im Altarbereich der Apostelkirche versammelten sich die Gläubigen zum Friedensgebet. © Foto: Halbhuber

Pfarrer Bodo Meier sagte offen: „Ich weiß nicht, wie ich derzeit reagieren soll. Mir schwirren so viele Gedanken durch den Kopf, die ich sagen möchte, aber ich bringe sie nicht raus.“ Aus Meiers Sicht haben sich die Begriffe von Frieden und Freiheit geändert, von der 68er- über die Atomkraft-Bewegung in den 1980ern bis hin zu Corona. „Für manche Leute ist Freiheit heute die Ruhe in den eigenen vier Wänden, ausreichend Speicherplatz auf der Festplatte und WLan“, zweifelt Meier an jeder persönlichen Meinung zum Thema Frieden und Freiheit.

Nur auf die eigene Freiheit zu achten, reiche Meier nicht aus: „Wir können nur überleben, wenn auch unser Umfeld Frieden und Freiheit hat.“ Die Hoffnung in der heutigen Situation legt der Herscheider Pfarrer in die Hände Gottes. „Gott ist Herr der Geschichte. Er wird die Geschichte zu einem guten Ziel führen. Wir müssen die Hoffnung als Kraft nutzen.“

Und weiter sagte er: „Ich wäre in dieser Woche um das Thema Ukraine-Krieg nicht herumgekommen. Daher ist das Friedensgebet von Tag zu Tag gewachsen.“

Das Nagelkreuz

Am 14. November 1940 flog die deutsche Luftwaffe einen schweren Angriff auf Coventry, der weite Teile der englischen Stadt zerstörte und viele Todesopfer forderte. Dennoch rief Dompropst Richard Howard dazu auf, keine Rache zu üben, sondern sich für Versöhnung einzusetzen. Zeichen dafür ist das aus drei mittelalterlichen Nägeln der zerstörten St.-Michaels-Kathedrale zusammengefügte Cross-of-Nails, übersetzt: Nagelkreuz. Quelle: www.nagelkreuz.org

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