Amprion-Sprecherin im Interview: So geht das Verfahren weiter

Planänderung für neue Stromleitung: Schmalere aber höhere Masten

Die beiden parallel verlaufenden Stromleitungen – hier der Blick Richtung Industriegebiet Friedlin – sollen auf einem Gemeinschaftsgestänge gebündelt werden.
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Die beiden parallel verlaufenden Stromleitungen – hier der Blick Richtung Industriegebiet Friedlin – sollen auf einem Gemeinschaftsgestänge gebündelt werden.

Nicht nur der Borkenkäfer und die damit einhergehende Massenfällung von befallenen Fichten verändern das Landschaftsbild in Herscheid, auch der geplante Neubau einer Stromleitung wird darauf Einfluss nehmen.

Herscheid - Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion befasst sich seit einigen Jahren mit dem aufwendigen Planfeststellungsverfahren, das in diesen Tagen eine entscheidende Änderung erfährt, ausgelöst durch die Wahl einer alternativen Mastform. Wie diese aussieht, warum diese notwendig wird und wie das Verfahren weitergeht, darüber sprach Dirk Grein mit Mariella Raulf, Projektsprecherin des Unternehmens Amprion.

Zum Verständnis vorab: Warum wird die neue Stromleitung gebaut und wie verläuft sie?

Der Bereich, der Herscheid betrifft, gehört zu der neuen Freileitung, die zwischen dem Dortmunder Stadtteil Kruckel und Dauersberg in Rheinland-Pfalz verläuft. Aus einer 220-Kilovolt- wird dabei eine 380-Kilovolt-Leitung. Die höhere Spannungsebene ist dem allgemein gestiegenen Energiebedarf geschuldet. In ganz Deutschland haben wir die Energiewende vor der Brust: Erzeugungs- und Verbrauchsorte ziehen sich auseinander, der Kohleausstieg ist beschlossen, die Kernkraftanlagen werden in naher Zukunft stillgelegt – das alles fließt in die Infrastruktur ein, die wir anpassen müssen. Die Leitung soll vor allem die Versorgung der Regionen sicherstellen. Mit ihrer Länge von 126 Kilometern ist sie eingegliedert in das Gesamtnetz, in dem der an der Nordseeküste durch Windparks erzeugte Strom weiter südlich in die Verbraucherzentren im Rhein-Main-Gebiet, ins Sauerland und ins Ruhrgebiet transportiert wird.

Der Verlauf der geplanten Stromtrasse über das Herscheider Gemeindegebiet.

Wie ist der Stand des Verfahrens?

Die Leitung ist aufgrund ihrer Länge in sechs Genehmigungsabschnitte eingeteilt. In manchen Abschnitten sind wir schon recht weit vorangeschritten, zum Beispiel im Abschnitt A1 zwischen der Umspannanlage Kruckel bis nach Hagen-Garenfeld; dort wird schon gebaut und die Inbetriebnahme ist noch für dieses Jahr vorgesehen. Herscheid liegt im Abschnitt B, der vom Punkt Ochsenkopf im Stadtgebiet Iserlohn bis Attendorn reicht. Über das Verfahren wurde 2016 im Rahmen eines Infomarktes in der Herscheider Schützenhalle informiert. In 2018 wurden die Unterlagen in der Ursprungsform eingereicht und offengelegt.

Warum wurden die in der Schützenhalle gezeigten Pläne nun geändert?

Im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung gab es Einwendungen von Bürgern und Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange, mit der Frage, ob man nicht eine schmalere Mastform einsetzen kann. Seinerzeit hatten wir die sogenannte Donauform beantragt, die aussieht wie ein Tannenbaum und ein Kompromiss aus Mastbreite und -höhe darstellt. Auf Herscheider Gebiet bündeln wir unsere Leitung ja auch mit einer bestehenden 110-Kilovolt-Leitung, die der Deutschen Bahn gehört. Wir bauen also ein Gemeinschaftsgestänge, das zwei Leitungen führt. Auf Anregung haben wir nun die sogenannte Tonnenform geprüft: Weil dabei die Leitungen übereinander angeordnet sind, werden die Masten schmaler, aber höher. Wir sind nach einer technischen Prüfung zu der Erkenntnis gekommen, dass im Abschnitt B diese Mastform technisch und genehmigungsrechtlich möglich ist.

Für Herscheid bedeutet das also, dass die Masten noch höher werden, als anfangs vorgesehen?

Es werden wegen der Bündelung weniger Masten, aber höhere. Die ursprüngliche Donauform wäre einen Ticken niedriger gewesen; die Tonnenmasten werden etwa zehn bis 15 Prozent höher ausfallen. Andererseits setzen wir eine andere Mastspitze ein, die eine doppelte Erdseilführung beinhaltet, was dann in der Höhe etwas dämpft. Der Mast ist ein bisschen höher, aber nicht immens. Die schmale Mastform hat aber auch den Vorteil, dass wir mit dem Schutzstreifen weniger Grundstücksflächen beanspruchen müssen.

Ein Vorschlag aus der Öffentlichkeitsbeteiligung wird umgesetzt: Amprion ändert die Mastform von Donau- (links) auf Tonnenform (rechts). Die ist zwar schmaler, aber etwa zehn bis 15 Prozent höher.

Die Planänderung ist nicht manifestiert: Welche Möglichkeit der Beteiligung haben die Bürger?

Am Ende entscheidet die Bezirksregierung Arnsberg, ob die Planung genehmigungsfähig ist oder nicht. Die Planänderung wird erneut offengelegt: Die Öffentlichkeit wird also erneut beteiligt. Wir bieten zum jetzigen Zeitpunkt Bürgergespräche als zusätzliche Angebote an, weil die Unterlagen nicht für jedermann ersichtlich sind. Rückfragen zu den Unterlagen, wo befindet sich was, wie schreibe ich eine Einwendung? Die Beteiligung liegt zwar im Hoheitsgebiet der Bezirksregierung, wir bieten aber einen zusätzlichen Service der möglichen Fragestellung an.

Wie sieht der weitere Verfahrensablauf aus?

Der nächste Schritt im förmlichen Verfahren wäre der Erörterungstermin. Dabei besteht die Möglichkeit, dass die Personen, die Einwände eingereicht haben, diese vortragen und diese vor Ort erörtert werden. Wir rechnen damit, dass dieser Termin in diesem Jahr stattfinden kann, wir wissen aber natürlich nicht, wie sich die Corona-Situation entwickelt. Aus diesem Termin könnten sich Prüfaufträge ergeben. Im Normalfall würde danach der Planfeststellungbeschluss erlassen, der einer Baugenehmigung gleichen würde. Wann die Umsetzung erfolgen könnte, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschätzbar.

Mariella Raulf, Projektsprecherin Amprion.

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