Ungeklärte Kostenfrage nach Teilabriss in Herscheid

Schandfleck bleibt: Kein kompletter Gebäudeabriss an L561 in Herscheid

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Die Mitarbeiter der Firma Dunkel setzten am Donnerstag die Aufräumarbeiten in Friedrichsthal fort.

Herscheid – Wie geht es nach dem Teilabriss eines Gebäudes in Friedrichsthal weiter, der am Mittwoch unvorhergesehen für eine mehrstündige Straßensperrung sorgte? Eine Frage, auf die es keine klare Antwort gibt. Allein die Besitzverhältnisse erschweren die Vorgehensweise.

Fakt ist: Die Hallen und Gebäude der ehemaligen Firma Heesemann gehören einer Privatperson, die inzwischen nicht mehr in Herscheid wohnt. Ein kompletter Abriss wäre somit nur dann möglich, wenn der Besitzer diesen in Auftrag gibt. Davon ist jedoch eher nicht auszugehen; seit einem von einem Blitzeinschlag verursachten Brand im Juni 2015 hat sich die Situation auf dem Areal immer mehr verschlechtert.

Das Eingreifen der Bauaufsicht des Märkischen Kreises am Mittwoch diente ausschließlich dem Schutz der Bevölkerung. Ein Giebel in Nähe der Landstraße 561 drohte auf die Fahrbahn zu stürzen. „Wir handeln dann, wenn Gefahr in Verzug ist“, erklärte Kreis-Pressesprecher Hendrik Klein. Einen kompletten Abriss könnte der Kreis nur veranlassen, wenn auch von einem Gebäude eine Gefährdung ausgehen würde; dies scheint zum jetzigen Zeitpunkt und nach der eingeleiteten Sofortmaßnahme nicht der Fall zu sein.

Das beauftragte Tiefbauunternehmen Dunkel erhielt gestern Morgen den Auftrag, auch die obere Etage sowie die hintere Giebelseite des eingestürzten Wohngebäudes zurückzubauen. Zudem sollten die Baumaterialien so zurückgezogen und gelagert werden, dass sie nicht in den Ahebach fallen können, der zwischen Grundstück und Landstraße 561 verläuft.

Aber wer kommt für die Kosten des Einsatzes auf? Der Kreis tritt zunächst in Vorleistung. „Wer die Rechnung am Ende bezahlt, werden wir dann sehen“, sagte Klein.

Dass der Teilabriss zur Verschlechterung des Gesamtbildes beigetragen hat, dessen sind sich die Beteiligten bewusst. Doch eine Verschönerung sei weder dem Kreis, noch der Gemeinde möglich, betont Lothar Weber, Leiter des Herscheider Bauamtes.

Er verweist auf das Betriebsgelände in Weiße Ahe, nur einige 100 Meter von Friedrichsthal entfernt: Dort hat die Gemeinde eine Parzelle erworben, auf der einst eine Werkshalle der inzwischen erloschenen Firma Kümesta stand. Eine Renaturierung des Ahebaches soll dort zur Aufwertung des Geländes beitragen, so die Vision der Gemeinde. Dafür notwendig: ein erarbeitetes Konzept und Fördermittel. Denn aus eigenen Mitteln werde die Gemeinde ein solches Vorhaben nicht finanzieren können.

Ähnlich sieht die Situation in Friedrichsthal aus: Auch hier könne die Gemeinde aus eigener Kraft keine großen Dinge umsetzen, so Weber. Zumal, und das sei der entscheidende Unterschied, zunächst ein Kauf des Geländes vonnöten sei. Ob es dazu kommt, das steht in den Sternen. Der Verfall des ehemaligen Firmengeländes wird also vermutlich weitergehen.

Auszüge aus der Historie der Firma Heesemann

1864 wurde die Firma Heesemann gegründet. Zunächst wurden Drahtnägel, Springfedern, Kistengriffe, Huthaken und Fensterbeschläge hergestellt. 1893 wurde die Firma unter dem Namen Heesemann, Schröder & Co. geführt. Ab 1905 kam die Fertigung von Gesenkschmiedeteile für den Maschinenbau hinzu. Während des 1. Weltkriegs wurden überwiegend Verschlusskappen und Geschoßköpfe hergestellt. Mit dem Anschluss an das Elektrizitätswerk Mark (1920) wurden die in Friedrichsthal installierten Dampfmaschinen gegen Elektromotoren ausgetauscht. Bei dem großen Wirbelsturm, der 1931 durch das Elsetal zog, erlitt die Firma Heesemann erhebliche Schäden. Nach dem Wiederaufbau wurde der Schmiedebetrieb erweitert und neue Fallhämmer aufgestellt.Auf die schwierige Kriegs- und Nachkriegszeit folgte 1954 der Bau einer neuen Schmiedehalle. Im September 1997 wurde die Firma an den heutigen Besitzer verkauft, der die Schmiede erweiterte und modernisierte und 1998 das an der Straße gelegene Wohnhaus komplett sanierte. (Birgit Hüttebräucker)

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