27-Jähriger und sein „Vermieter“ müssen sich vor dem Landgericht Hagen verantworten

Rettungseinsatz lässt Drogenküche auffliegen

Das SEK stürmte im Oktober die Wohnung an der Hohle Straße,
wo 17 Kilogramm Amphetamine entdeckt wurden.
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Das SEK stürmte im Oktober die Wohnung an der Hohle Straße, wo 17 Kilogramm Amphetamine entdeckt wurden.

Im Prozess gegen einen in Plettenberg, Herscheid und Neuenrade tätigen Drogenhändler und -produzenten haben im Landgericht Hagen mehrere Zeugen das Geschehen an den Tatorten in Herscheid und Neuenrade aufgeklärt. In Herscheid ging es um zwei Wohnungen: In der einen bewohnte der 27-Jährige bei einem guten Bekannten ein Zimmer, das er nutzte, um 17 Kilogramm Amphetamin herzustellen. In der Wohnung eines weiteren Bekannten bunkerte er ein Kilogramm der harten Droge und weiteres Zubehör.

Herscheid / Hagen - Die Ermittlungen in Herscheid begannen aufgrund einer Grunderkrankung dieses Bekannten. Beim Einsatz eines Rettungswagens gab es Konflikte, weil er nicht ins Krankenhaus gebracht werden wollte. Den hinzugerufenen Polizisten wurde ein „Randalierer“ und „aggressiver Patient“ angekündigt. Sie stießen auf einen Menschen, der zwischen Widerstand und Ergebung schwankte und schließlich auspackte, weil er offenbar Sorge hatte, dass er selbst mit den bei ihm gelagerten Drogen in Verbindung gebracht werden könnte.

Hinweis des Zeugen

„Ich möchte dafür nicht ins Gefängnis – ich sage umfassend aus.“ Ein Polizist zitierte ihn mit den angeblichen Worten des Angeklagten: „Du lagerst das ein und kriegst ein bisschen was ab.“ Und so fanden die Beamten in dieser Wohnung eine Tasche mit einem Kilogramm Amphetamin, das der Angeklagte in mehrere Beutel verpackt bei dem Zeugen eingelagert hatte.

In seiner umfassenden Aussage führte dieser Zeuge die Beamten auch auf die Spur einer zweiten Wohnung an der Hohle Straße in Herscheid: Dort sei eine große Menge Amphetamin angerührt worden, die sich auch noch in der Wohnung befinde, erklärte er. Zur Vorbereitung des nächsten Einsatzes erstellte er einen Grundriss dieser Wohnung. Bei der Aktion eines Sondereinsatzkommandos wurden dort weitere 17 Kilogramm Amphetamin entdeckt. „Das Zeug stand in mehreren Eimern da rum“, erinnerte sich ein Polizeibeamter von der Plettenberger Wache.

Der Hauptmieter dieser Wohnung wollte von den Aktivitäten des Angeklagten, den er aus Freundschaft als eine Art Untermieter aufgenommen hatte, nichts gewusst haben. Die ermittelnden Polizisten und das Gericht wollten ihm das nicht glauben. Der Zeuge mit einem recht sonnigen, möglicherweise aber auch etwas naiven Gemüt konnte allerdings auch berichten, dass er oft abwesend war. Außerdem habe der Alkohol in seinem damaligen Leben eine nicht unbedeutende Rolle gespielt. Was sein Untermieter in seinem Zimmer machte, habe ihn nicht weiter interessiert.

Küche in Neuenrade

Erstmals berichtete eine Kriminalbeamtin auch über die Ermittlungen in Neuenrade. Hier hatte der 27-Jährige einem Bekannten bei der Herstellung von Amphetamin über die Schulter geschaut.

Ein Landschaftsfoto aus einem verdächtigen Chat führte die Polizei auf die Spur einer Wohnung am Schöntaler Weg. Der Zeugin kam dabei ihre Ortskenntnis in Neuenrade zugute. Vor Ort bestätigten sich dann einige Details, die auf dem Foto zu sehen gewesen waren. Auch hier gab es im Sommer 2020 Durchsuchungen in zwei Wohnungen. Die Beamten fanden Zubehör für die Herstellung von Amphetamin und 25 Kilogramm fertiges Amphetamin.

Der Angeklagte behauptete, dass er lediglich Koffein und Verpackungsmaterial für diese Ware besorgt habe. Der Vorsitzende Richter Christian Potthast scherzte in der Sitzung, dass ein Richterkollege eine weitere Person, die in der Neuenrader Wohnung angetroffen wurde, gerne „sicher verpackt in seinem Gerichtssaal“ haben würde. Der Verdächtige hat sich möglicherweise vorübergehend in die Türkei zurückgezogen.

Hier lesen Sie mehr über die Gerichtsverhandlung.

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