"Wir sind froh, dass dieses Kapitel bald beendet ist"

Presswerk: Der Rückbau sorgt in der Nachbarschaft für Freude

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Das einstige Presswerk-Verwaltungsgebäude auseinandergerissen: Damit die Staubaufwirbelung reduziert wird, setzen die Mitarbeiter der Firma P&S Agrar und Forst bei den Rückbauarbeiten permanent Wasser ein.

Herscheid – Während des morgendlichen Spaziergangs mit seinem Hund hält Aboulbaba Khedar kurz an der Firmenbaracke an, die nach Jahren des Verfalls jetzt zurückgebaut wird: Ein Bagger hat sich in das einstige Verwaltungsgebäude des Presswerks hineingefressen. 

 „Jetzt geht es endlich los“, sagt Khedar erleichtert, ehe er auf Drängen seines Vierbeiners weiter in Richtung Ortsmitte geht. Seit Ende der 1970er Jahre wohnt der Herscheider an der Hohle Straße. Seine Frau Rosemarie hat einst für die Firma Jordan & Schulte (vormals Presswerk) gearbeitet, bis diese im Jahr 2009 Insolvenz angemeldet und kurz darauf den Betrieb eingestellt hatte. 

Auf den wirtschaftlichen Niedergang folgte die Verwahrlosung des etwa 4 200 Quadratmeter Fabrikareals – das Ehepaar hat diesen unrühmlichen Werdegang aus direkter Nähe miterlebt. „Wir sind froh, dass dieses Kapitel bald beendet ist“, sagt Aboulbaba Khedar. Damit spreche er nicht nur im Namen seiner Frau, sondern auch vieler Nachbarn. Das Presswerk sei zu einem Schandfleck im Herzen der Gemeinde verkommen. 

Eingeworfene Fensterscheiben, beschmierte Fassaden, ausbordende Müllansammlungen auf dem Gelände – Khedar sehnt den Tag herbei, da er diesen Anblick nicht mehr ertragen muss. Zudem hofft er, dass Polizeieinsätze wegen nächtlicher Besucher in den leer stehenden Hallen und die Ausbreitung von Ratten und Mäusen bald ein Ende haben. 

Vor diesem Hintergrund seien die momentanen Einschränkungen zu verschmerzen: Die Fenster zu öffnen sei aufgrund des Abrisslärms und des Staubs, der trotz des permanenten Einsatzes von Wasser auf der Baustelle aufgewirbelt werde, zwar kaum möglich. Doch mit dieser Übergangsphase könne man sich irgendwie anfreunden, meint der Anwohner. Denn: In Zukunft soll es wesentlich ruhiger zugehen an der Hohle Straße. 

So besteht eine vertragliche Vereinbarung, dass das GWU Plettenberg einen Großteil des Geländes für eine spätere Nutzung erwirbt, wenn die Industriegebäude vollständige zurückgebaut sind. Eine harmonische Perspektive, die das Ehepaar Khedar einerseits zuversichtlich stimmt, andererseits besteht auch ein Restzweifel: Zu häufig seien in den letzten Monaten und Jahren Versprechen gemacht worden, waren unterschiedliche Abbruchfirmen auf dem Nachbargrundstück tätig, ohne dass Veränderungen sichtbar wurden. 

Mit nun begonnenen Rückbau werden zwar Fakten geschaffen, dennoch sorgt dieser bei Aboulbaba Khedar nicht für grenzenlose Euphorie: „Ein kompletter Rückbau der alten Firmenhallen? Das glaube ich erst, wenn ich es mit eigenen Augen gesehen habe.“

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