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Presswerk: Abrissarbeiten ruhen seit Wochen - Bürgermeister ist ratlos

Insbesondere die direkten Anwohner an der Hohle Straße müssen täglich den Blick auf die Schutt- und Geröllberge ertragen. Wann diese abgetragen werden, ist fraglich.
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Insbesondere die direkten Anwohner an der Hohle Straße müssen täglich den Blick auf die Schutt- und Geröllberge ertragen. Wann diese abgetragen werden, ist fraglich.

Ein faules Ei im Osternest, diese Bezeichnung reicht längst nicht mehr aus für die Bescherung, die sich Anwohnern und Fahrern auf der stark frequentierten Landstraße 561 von Herscheid nach Lüdenscheid auch an den Feiertagen präsentiert. Die unendliche Geschichte der Presswerk-Nachnutzung schreibt ein weiteres, schmutziges Kapitel – wobei längst nicht geklärt ist, ob und wer überhaupt einen aktiven Part einnimmt.

Herscheid - Alles schien noch vor wenigen Monaten auf einem guten Weg zu sein: Der Besitzer der Fläche hatte mit der Firma P&S Agrar und Forst ein Unternehmen gefunden, das Fakten schaffte. Die alten Werkshallen und Bürogebäude wurden Etage für Etage auseinandergenommen. Das endgültige Ende dieses zum Schandfleck verkommenen Geländes direkt in der Ortsmitte rückte in Greifweite.

Doch der letzte Schritt des Rückbaus steht bis heute aus: Das Areal gleicht mehr denn je einem Schrott- und Müllplatz. Auf mehrere Ablagerungen verteilt türmen sich Geröll, Betonbrocken und Bauschutt auf. Zerbeulte Container, Fensterrahmen, ja sogar Gasflaschen – der Anblick ist wenig einladend an dieser prominenten Stelle. Sinnbildlich sind die umgeworfenen Elemente des Sicherheitszauns an der Hohle Straße.

Seit Winterbeginn sind die Fahrzeuge der Firma P&S Agrar und Forst nicht mehr vor Ort gewesen. Wir fragten bei Geschäftsführer Sebastian Gerkau nach Gründen, doch er wollte zu der Baustelle keine Angaben machen. Stattdessen verwies er auf die Gemeinde Herscheid und das Gemeinnützige Wohnungsunternehmen (GWU) Plettenberg. Die beiden Partner wollen die Fläche bekanntlich übernehmen, sobald der komplette Rückbau vollzogen ist. Diese vertragliche Vereinbarung haben sie vor fast genau zwei Jahren mit dem Besitzer geschlossen. Besonders eilig scheint der es momentan nicht zu haben.

Der Privatmann aus dem Rhein-Lahn-Kreis hatte das Gelände bei einer Zwangsversteigerung im Januar 2015 ersteigert. Doch richtig glücklich wurde er mit dieser Errungenschaft nicht: Zumindest war nicht erkennbar, dass die über die Jahre heruntergekommenen Hallen wirtschaftlich gewinnbringend genutzt wurden.

Bei einem zufälligen Gespräch vor Ort gab er im letzten Sommer an, sein Plan sei unter anderem ein Fitnessstudio an dieser Stelle gewesen, doch die baurechtlichen Vorgaben der Gemeinde ließen dieses nicht zu. Also geschah lange Zeit nichts, zumindest nichts Offizielles. Anwohner berichteten immer wieder von nächtlichen Autoschraubern in den einstigen Betriebshallen.

Doch diese liegen nun in Schutt und Asche. Zu Geld hat der Privatmann, den wir seither nicht mehr erreichen konnten, das Gelände jedoch nicht gemacht. Denn der Verkauf wird erst gültig, sobald die letzte Containerladung Schutt abtransportiert ist.

Gasflaschen, zerbeulte Container, Bauschutt und umgeworfene Absperrungen – das alte Firmengelände gleicht einem Schrottplatz.

Im Herscheider Rathaus herrscht in dieser Angelegenheit erneut Ratlosigkeit. „Ich weiß ehrlich gesagt auch nicht, was wir jetzt machen sollen“, gesteht Bürgermeister Uwe Schmalenbach. Die Verwaltung habe mehrfach versucht, den Besitzer telefonisch zu kontaktieren und auf einen Anrufbeantworter gesprochen – eine Reaktion blieb aus. Auch auf ein zugestelltes Schreiben habe der Mann nicht geantwortet, erzählt der Bürgermeister.

Auch weil gesetzte Fristen längst abgelaufen seien, werde sich die Verwaltung juristischen Rat holen, wie in dieser festgefahrenen Angelegenheit weiter zu verfahren ist. Denn: Solange der Rückbau nicht vollendet ist, könne man die Nachnutzung (das GWU möchte dort altengerechte Wohnungen bauen lassen) nicht voranbringen.

Auch Bemühungen um die Ansiedlung eines Drogeriemarktes bleiben somit hinfällig. Dieser sei an der Hohle Straße wünschenswert, hatte die jüngste Fortschreibung des Herscheider Einzelhandelskonzeptes ergeben. Diesbezüglich habe er bereits mehrfach Gespräche mit verschiedenen Anbietern geführt, erzählt der Bürgermeister. Doch meistens scheiterten die Bemühungen der Gemeinde an der 10 000er-Grenze, unterhalb derer die Drogeriemärkte eine Ansiedlung scheuen. Herscheid mit seinen knapp 7 000 Einwohnern habe schlechte Karten – erst recht angesichts des Stillstands auf der dafür vorgesehenen Baufläche an der Hohle Straße.

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