So läuft es bei Gerlindes Fashion

Neues Geschäftsmodell wegen Corona: Digitaler Schaufensterbummel

Für Kundenbesuche ist die Boutique am Hofwiesenweg zwar zurzeit geschlossen. Doch Inhaberin Gerlinde Koßurok hat sich etwas Besonderes überlegt und lädt „ihre Mädels“ zu einem Schaufensterbummel ohne persönlichen Kontakt ein.
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Für Kundenbesuche ist die Boutique am Hofwiesenweg zwar zurzeit geschlossen. Doch Inhaberin Gerlinde Koßurok hat sich etwas Besonderes überlegt und lädt „ihre Mädels“ zu einem Schaufensterbummel ohne persönlichen Kontakt ein.

Seit Mitte Dezember ist die Mode-Boutique am Friedliner Hofwiesenweg geschlossen. Dennoch herrscht bei Gerlinde Koßurok kein Stillstand: Notgedrungen wagte die Herscheiderin in der Corona-Pandemie ein für sie neues, digitales Geschäftsmodell – und landete einen unverhofften Erfolg.

Herscheid - Hauptsächlich über soziale Netzwerke wie Facebook und Instagram, aber auch in Whatsapp-Gruppen auf dem Handy veröffentlicht sie regelmäßig Fotos. Schuhe, Oberteile, Hosen, aber auch Accessoires wie Taschen, oder Schmuck – all das stimmt Koßurok mit gekonnten Griffen aufeinander ab und stellt so modische Kombinationen für Frauen zusammen. Und die können daran bei Gefallen digitales Interesse anmelden.

Doch wie einkaufen, ohne das Geschäft zu betreten? Die Händlerin lädt ein zum Schaufensterbummel. „Die Mädels vor der Scheibe und ich dahinter“, so beschreibt sie das Konzept. Die Kundin steht draußen und schaut durch die Fensterscheibe in das Geschäft, wo Gerlinde Koßurok die gewünschten Kombinationen zeigt und passende Größen heraussucht. Die Kleidung hängt sie an einen Ständer vor die Haustür, wo die Kundinnen – ohne direkten Kontakt – beherzt zugreifen können.

Anprobieren daheim, bezahlen erst danach. „Bei mir geht ganz viel über Vertrauen“, sagt die Herscheiderin und ergänzt, dass „bei mir eben alles ein bisschen anders läuft.“ Enttäuscht worden sei sie in den 16 Jahren, in denen sie ihre Boutique betreibt, noch nie. Ein weiterer Beleg für den Erfolg von Gerlindes Fashion: Der Kreis der interessierten Frauen wächst, die Whatsapp-Gruppe zum Beispiel erhält ständig neue Mitglieder. Personen, die sie gar nicht kennt, kaufen Gutscheine. Und auf ihre Stammkundinnen sei ohnehin Verlass. Mit sichtlichem Stolz erzählt die 58-Jährige von einem Ehemann, der kürzlich zu seiner Gattin gesagt hat: „Vergiss Deine Gerlinde nicht.“

Und schon ist die nächste Kombination im Kasten: Die Mode-Bilder lädt Gerlinde Koßurok in sozialen Netzwerken und Handy-Gruppen hoch.

Die Inhaberin freut sich über diesen Zuspruch, gesteht aber zugleich, dass ihr die persönlichen Treffen mit ihren Kundinnen fehlen. Insbesondere die Mädels-Abende, bei denen der Tresen in der Küche zum kleinen Café umfunktioniert wird: Dort tauschen sich die Kundinnen aus, trinken ein Sektchen und gehen zwischendurch immer wieder zum Bummeln in die Boutique.

Bei mir geht ganz viel über Vertrauen. Bei mir läuft es eben alles ein bisschen anders.

Gerlinde Koßurok

Finanziell macht sich die Pandemie bemerkbar: „Die Umsätze sind zurückgegangen“, sagt die Herscheiderin. Der weitsichtige Entschluss, weniger Winterware als sonst einzukaufen, sei richtig gewesen. Auch deswegen und weil die Kunden weiter treu bleiben, sei die Situation für sie keineswegs existenzbedrohend: „Ich bin davon überzeugt, dass mein System Bestand haben wird.“

Und das übrigens ganz unabhängig von der Länge des Lockdowns. Sie gehe nicht davon aus, dass beim nächsten Treffen von Bund und Ländern Lockerungen beschlossen werden, die sich auf ihr Geschäft auswirken. Diese erhoffe sie sich erst für den Zeitpunkt, da die CoronaSituation komplett im Griff ist. Denn ein Wechsel von Geschäftsöffnung und -schließung sei nicht zielführend. „Dann lieber noch etwas warten und später wieder mit Vollgas starten“, sagt Gerlinde Koßurok.

Auf Umwegen zur Selbstständigkeit

Die gelernte Industriekauffrau Gerlinde Koßurok hatte schon immer Interesse an Mode. Als Vertriebsleiterin von Arbeitskleidung besuchte sie regelmäßig Messen. Dieser Kontakt zu den Personen und der Umgang mit Kleidung verleitete sie vor 16 Jahren dazu, in ihrem damaligen Haus an der Jahnstraße eine erste kleine Boutique im Keller zu eröffnen. Über Modepartys baute sie sich einen Kundenstamm auf, der rasch über die Gemeindegrenzen hinaus wuchs. Vor neun Jahren folgte der Umzug zum Hofwiesenweg; an das Privathaus angeschlossen ist ihr etwa 30 Quadratmeter großes Modegeschäft. Dort spezialisiert sie sich gezielt auf Sortimente, mit denen sie sich von anderen Boutiquen abhebt. Unter anderem arbeitet sie mit einem dänischen Direktvermarkter zusammen. Weitere Informationen sind im Internet zu finden auf der Website www.gerlindes-fashion.de. 

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