Betrieb läuft vorerst weiter

Mecki setzt sich zur Ruhe: Neuer Besitzer für den Hubertushof gesucht

+
Ein eingespieltes Team: Vibeke und Klaus-Dieter (genannt Mecki) Brinker an ihrer vertrauten Wirkungsstätte im Schankraum des Hubertushofes

Herscheid – Dass ihm dieser Schritt nicht leicht fällt, liegt auf der Hand. Über 50 Jahre lang war der Gasthof sein Zuhause, sein Alltag, sein Lebensmittelpunkt. 

Doch davon will sich Klaus-Dieter Brinker – im Dorf jedermann bekannt unter dem Spitznamen Mecki – schweren Herzens verabschieden: Sein Hubertushof steht zum Verkauf.

Altersgründe gaben den Ausschlag für diesen über Monate gereiften Entschluss. Der 71-Jährige will sich und seiner Frau Vibeke mehr Ruhepausen verschaffen – denn gearbeitet haben sie in den letzten Jahrzehnten wahrlich genug. 

Auch wenn Mecki eine andere Bezeichnung bevorzugt: „Der Hubertushof, das ist mein Hobby.“ 

Die Begeisterung für die Gastronomie wurde Klaus-Dieter Brinker quasi in die Wiege gelegt. Sein Vater Hubert übernahm im Jahr 1952 das Gasthaus, das als ältestes der Gemeinde gilt. Er ließ das Gebäude um- und ausbauen: Wegen der hinzugewonnenen Übernachtungsmöglichkeiten und der Nähe zur Apostelkirche sprachen viele Herscheider vom Dom-Hotel. 

Nach dem Tod von Hubert Brinker übernahm dessen Gattin Elisabeth die Leitung des Hauses. Unterstützung erhielt sie von ihren beiden Kindern. Sohn Klaus-Dieter stieg nach seiner dreijährigen Konditor-Lehre (im Altenaer Café Merz) und einer zweijährigen Koch-Ausbildung (im Restaurant Dresel in Rummenohl) als 19-Jähriger mit in den Betrieb ein. 

„Früher galt das Essen eher als Beiwerk“, erinnert sich Brinker an die Zeiten, in denen der Hubertushof hauptsächlich als Dorfkneipe genutzt wurde. Die Überlegungen, den Kneipenbereich noch zu erweitern, wurden Mitte der 1970er Jahre verworfen. „Zum Glück“, meint der Inhaber. Denn der gesellschaftliche Wandel sollte auch den Gasthof treffen.

Die heutige Kegelbahn war früher Kino und Versammlungsort der katholischen Christen.

Vorbei waren irgendwann die Zeiten, als freitags noch die Lohntüten der Maurer im Hubertushof ausgezahlt wurden. Auch die Zahl der Stammtische und Kegelvereine (dem Haus gehört eine Kegelbahn auf der gegenüberliegenden Seite der Oberdorfstraße) nahm zunehmend ab. 

Erinnerungen an die wortkargen Handwerkerrunden, bei denen erst nach ein paar Flaschen Korn die Gespräche entfachten, oder den Geschirrkünstler, dessen Tischtuch-Trick in einem Scherbenhaufen endete, sind heute gern erzählte Dönekes. 

Die Betriebsamkeit ist geblieben, jedoch gilt dem Kochen mittlerweile eine viele größere Aufmerksamkeit. Saisonale Gerichte sorgen für einen stetigen Wechsel auf der Speisekarte. Auf dieser sind auch skandinavische Leckereien zu finden; die Rezepte hat Vibeke Brinker aus ihrer dänischen Heimat mit nach Herscheid gebracht.

Ob als Austragungsort für Familienfeiern oder Vereinssitzungen, als Cateringservice oder im ursprünglichen Sinn als Treffpunkt im Herscheider Ortskern – der Hubertushof ist ein gut funktionierender Betrieb, eine Anlaufstelle für durstige und hungrige Besucher. 

Daher wünscht sich Mecki Brinker nichts sehnlicher, als einen engagierten Nachfolger: „Wir suchen nach einer Lösung, damit unsere Traditionsgaststätte erhalten bleibt.“ Die Vermarktung übernimmt Florian Henkenberens vom Herscheider Makler-Team Schade. 

Bis er einen neuen Besitzer für den Hubertushof gefunden hat, läuft der Gaststätten-Betrieb uneingeschränkt weiter. Mögliche aufkommende Gerüchte einer abrupten Schließung erstickt Mecki Brinker im Keim: „Alles geht hier weiter seinen gewohnten Gang – vorerst.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare