Experte rät zu Drogeriemarkt

Nachnutzung Presswerk-Areal: Einzelhandelskonzept stützt Bürgerwunsch

Schnee und Eis auf dem Presswerk-Areal schmilzen – die Berge aus Bauschutt bleiben den Herscheidern jedoch weiter erhalten. Ein von der Gemeinde in Auftrag gegebenes Konzept sieht an dieser Stelle Potenzial für die Ansiedlung von Einzelhandel, insbesondere für einen Drogeriemarkt.
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Schnee und Eis auf dem Presswerk-Areal schmilzen – die Berge aus Bauschutt bleiben den Herscheidern jedoch weiter erhalten. Ein von der Gemeinde in Auftrag gegebenes Konzept sieht an dieser Stelle Potenzial für die Ansiedlung von Einzelhandel, insbesondere für einen Drogeriemarkt.

Als Rheinländer an einem Rosenmontag einen beruflichen Vortrag in Herscheid zu halten – das war neu für Dr. Wolfgang Haensch. Doch weil der Karneval wegen Corona ausfiel, berichtete der Städte-Berater aus Köln im hiesigen Bauausschuss über die Fortschreibung des Einzelhandelskonzepts. Manche Fakten sorgten für Aschermittwoch-Stimmung im Bürgersaal.

Herscheid - Im Jahr 2007 wurde das Einzelhandelskonzept erstellt. Jetzt untersuchten Büroleiter Dr. Haensch und sein Team der CIMA Beratung + Management GmbH die Situation in Herscheid erneut. Sie fanden ein Bild vor, das sie aus anderen Städten und Gemeinden kennen: das des sterbenden Einzelhandels.

In der Ebbegemeinde sei in den vergangenen 13 Jahren nicht nur die Einwohnerzahl gesunken, sondern auch die Zahl der Betriebe, von denen in dieser Zeit 16 geschlossen wurden: der Aldi am Mühlengraben, Blumen Fröhlich in der Ortsmitte, die Rosen-Apotheke an der Mittelstraße – um nur einige Beispiele zu nennen. Aktuell gebe es noch 19 Händler vor Ort, sagte der Experte. Die Geschäftsaufgaben gehen mit einer Reduzierung der Verkaufsfläche von einst 5 174 auf inzwischen noch 4 345 Quadratmeter einher – insbesondere der Verlust des Aldi-Marktes mache sich bei diesem Vergleich bemerkbar.

Thema Presswerk

Wünschenswert für Herscheid sei nach Ansicht des Experten ein Drogeriemarkt, der das Angebot vor Ort abrunden würde; dies entspricht übrigens auch einem immer wieder geäußerten Bürgerwunsch. Als potenzielle Erweiterungsfläche stellte Dr. Haensch aufgrund seiner Größe und der Nähe zu den Supermärkten das ehemalige Presswerk-Gelände heraus, das bereits bei den Untersuchungen 2007 brach lag.

Auf Nachfrage aus dem Ausschuss bestätigte Bürgermeister Uwe Schmalenbach, dass es für das Areal „noch keine definitiv beschlossene Nachnutzung“ gebe. Seit mehr als eineinhalb Jahren besteht jedoch eine vertragliche Vereinbarung mit dem Gemeinnützigen Wohnungsunternehmen Plettenberg, das das Firmenareal zu einem Großteil übernehmen und mit Wohnbebauung nutzen will. Allerdings erst dann, wenn der jetzige Besitzer dieses komplett zurückgebaut hat. Dieser Rückbau zieht sich über mehrere Monate; zurzeit herrscht auch aufgrund der Witterung Stillstand.

Per Videoanruf hielt Dr. Wolfgang Haensch aus Köln seinen Vortrag im Herscheider Bürgersaal.

Im Bebaungsplan für die Hohle Straße sei ebenfalls Wohnbebauung auf dem Presswerk-Areal vorgesehen. „Das schließt aber nicht aus, dass alternativ eine Einzelhandelsnutzung realisiert werden kann“, sagte der Bürgermeister. Auch Dr. Wolfgang Haensch empfahl, sich diese Option offen zu halten, weil es sich um die einzige größere Entwicklungsfläche im Ortszentrum handele. 

Zentralitätsverluste

Bemerkenswert: Dr. Haensch hob in seinen Ausführungen hervor, dass die beiden verbliebenen Supermärkte Rewe und Netto ihre Filialen zwar modernisiert haben und somit gemeinsam mit dem Dorfladen in Hüinghausen die Grundversorgung vor Ort sicherstellen. Aber im Bereich der Nahrungs- und Genussmittel fließe jeder zweite ausgegebene Euro der Herscheider Bürger in die Nachbarstädte Lüdenscheid oder Plettenberg. Dr. Haensch sprach in diesem Zusammenhang auch von Zentralitätsverlusten.

Die rückläufige Entwicklung des Einzelhandels, in erster Linie bedingt durch die Zunahme des Internethandels, sei nicht umkehrbar, betonte der Projektleiter. Jedoch bescheinigte er der Gemeinde Herscheid, ihre Haushausgaben gemacht zu haben: Mit der Umwandlung der Dorfwiesen zur Freizeitfläche und der Neugestaltung des Alten Schulplatzes sei die Ortsmitte als Wohnstandort gestärkt worden. Für die Mehrzahl der leerstehenden Ladenlokale riet Dr. Haensch zu prüfen, ob eine Umnutzung zum Wohnen oder für Dienstleistungen möglich ist.

Vergrößerung

Erfreulich für die Ebbegemeinde seien die Pläne des Raiffeisenmarktes: Dieser will an seinem Standort am Mühlenweg durch einen Ausbau seine Verkaufsfläche mehr als verdoppeln. Da es sich um den einzigen Anbieter von (unter anderem) Zooartikeln, Baumarktartikeln und Gartenbedarf in Herscheid handelt, ist eine Neuaufstellung auch „versorgungsstrukturell uneingeschränkt zu begrüßen“, so die Meinung der CIMA.

Das Einzelhandelskonzept soll der Öffentlichkeit, den zuständigen Behörden sowie den Nachbarkommunen offengelegt werden. Es ist im Ratsinformationssystem auf der Homepage www.herscheid.de einzusehen. 

Ziele der Einzelhandelsentwicklung

Die Gemeinde Herscheid begründet die Fortschreibung des Einzelhandelskonzeptes mit dem nicht mehr aktuellen Datenbestand. Hinzu komme die bereits seit einigen Jahren veränderte Rechtslage auf Landesebene; eine rechtssichere Grundlage stelle das vorliegende Konzept laut Verwaltung nicht mehr dar. Als Ziele für die Einzelhandelsentwicklung vor Ort gibt die CIMA folgende vier Punkte an: 1. Sicherung der Nahversorgung als Grundfunktion eines Grundzentrums. 2. Festigung und Erhöhung der Kaufkraftbindung im Gemeindegebiet, insbesondere bei den nahversorgungs- und zentrenrelevanten Sortimenten. 3. Konzentration der Einzelhandelsentwicklung auf das Gemeindezentrum, Bestandspflege der vorhandenen nahversorgungsrelevanten Angebote im Ortsteil Hüinghausen. 4. Ausschluss von zentren- und nahversorgungsrelevanten Einzelhandelsnutzungen in nicht-integrierten Lagen.

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