Jeder Tag eine kleine Zeitreise

Nach mehrmonatiger Pause öffnet das Gemeindearchiv wieder

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Zurück aus der Elternzeit: Claire Duwenhögger widmet sich wieder Herscheids Vergangenheit, die in Form von Akten und Dokumenten im Archiv aufspürbar ist.

Herscheid – Zurückgeblättert in das Jahr 1912: Damals erhielt ein Schüler vier Stockschläge des Lehrers wegen andauernder Faulheit. Was aus heutiger Sicht unvorstellbar klingt, ist ein schmerzvoller Teil der Herscheider Schulgeschichte, der glücklicherweise längst der Vergangenheit angehört.

Um die damaligen Lebensverhältnisse besser verstehen zu können, sind Notizen wie diese jedoch sehr aufschlussreich. Das bestätigt Claire Duwenhögger (geborene Maunoury), die nach erfolgreicher Elternzeit wieder ihre Tätigkeit im Gemeindearchiv aufgenommen hat. 

Die Zeit mit der Familie hat die Diplom-Archivarin genossen, dennoch freue sie sich wieder auf ihre beruflichen Herausforderungen. „Ich kann jeden Tag eine kleine Zeitreise unternehmen.“ Seit April 2017 betreut die 30-Jährige das Gemeindearchiv. In dieser Zeit hat sie über 850 Quellen erschlossen und in die Datenbank übertragen. 

Die Akten bieten nicht nur für Ahnenforscher und Heimatfreunde allerlei Wissenswertes. „Gelegentlich stoße ich bei meiner Arbeit auf Akten, deren Inhalt so nicht mehr bekannt waren“, erzählt Claire Duwenhögger. Sie sei erst kürzlich auf ein Dokument aufmerksam geworden, das über das Schicksal einer NS-Opfers Aufschluss gibt. Über die Frau aus Elsen steht in den Akten vermerkt: Zwangssterilisation für Zigeunermischling. 

Die Dokumente im Rathaus-Keller reichen bis ins 18. Jahrhundert zurück. Neben archivwürdigen Unterlagen der Verwaltung werden dort auch Fotos und Nachlässe sowie Firmen- und Vereinsarchive aufbewahrt. 

An zwei Vormittagen in der Woche taucht Claire Duwenhögger in die Herscheider Geschichte ein; an den übrigen drei Werktagen betreut sie das Archiv der Stadt Lüdenscheid – und begibt sich dort auf tägliche Zeitreisen.

Auch die Zusammenstellung der Heimatkalender „Herscheider Erinnerungen“ zählt zu den Aufgaben von Claire Duwenhögger. Bereits jetzt befasst sie sich mit der Ausgabe für das Jahr 2021. 

Zwar schlummern im Archiv einige noch nicht veröffentlichte Fotos. Dennoch ist die Diplom-Archivarin stets auf der Suche nach historischem Bildmaterial, das sie einscannen und dem Besitzer zurückgeben kann. Gesucht werden Werke mit Herscheider Bezug – Leute, Häuser, Straßenzüge oder Landschaftsporträts.

Das Gemeindearchiv im Rathaus öffnet dienstags und donnerstags von 8.30 bis 12 Uhr. In Ausnahmefällen sind auch Besuchstermine nachmittags möglich. Diese sind vorab zu vereinbaren unter Telefon (0 23 57) 90 93 40 oder per Email an duwenhoegger@herscheid.de.

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