Anmeldungen für Pilotprojekt bleiben hinter Erwartungen zurück

Jungfernfahrt erneut verschoben: Sorgenvolle Planung für Mobil Sorglos

Die Fahrer-Suche für das Mobil Sorglos war erfolgreich. 20 Bewerber haben sich bei Meryem Yilmaz und Jonas Borgmann
beworben. Benötigt werden hingegen noch Personen, die den Service in Anspruch nehmen wollen, und Unternehmen sowie Ärzte.
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Die Fahrer-Suche für das Mobil Sorglos war erfolgreich. 20 Bewerber haben sich bei Meryem Yilmaz und Jonas Borgmann beworben. Benötigt werden hingegen noch Personen, die den Service in Anspruch nehmen wollen, und Unternehmen sowie Ärzte.

Aller Anfang ist schwer, diese Erfahrung müssen auch die Organisatoren des Projekts Mobil Sorglos machen. Sie wollen die Nahversorgung der Bürger in Herscheid und Plettenberg mit einer Kombination aus Bringservice und Telemedizin verbessern. Doch die Nachfrage in der Zielgruppe der älteren Bewohner hält sich (noch) in Grenzen: Bezogen auf die komplizierte Planung könnte man auch von einem Mobil Sorgenvoll sprechen.

Herscheid - Ursprünglich hätte die Testphase für den Lieferservice bereits Ende 2020 beginnen sollen, doch Corona sorgte für Verzögerungen. Zuletzt war die Rede von der ersten Fahrt im März, doch nun wurde der Auftakt erneut um einen Monat verschoben. „Wir gehen davon aus, dass wir im April starten können“, erklärte Bärbel Sauerland, Fachbereichsleiterin, im Sozialausschuss am Montag.

Zuvor hatte sie im Bürgersaal des Rathauses einen Überblick über den Stand der Planungen gegeben: Die Gemeinde Herscheid und die Stadt Plettenberg hatten im letzten Sommer eine Bedarfsanalyse durchgeführt. Dabei waren knapp 3 000 Haushalte angeschrieben worden, in denen mindestens eine Person in der Altersklasse 75 Jahre und älter lebt. Dabei sei ein genereller Bedarf für ein solches Projekt festgestellt worden, betont Sauerland.

Mindestanzahl verpasst

Umso enttäuschender verlief bislang die Anmeldephase. Die selbst gesteckte Mindestanzahl von 50 Bürgern für den Auftakt konnte bei Weitem nicht erreicht werden. „Bislang sind 19 Anmeldungen eingegangen, zehn aus Herscheid und neun aus Plettenberg“, stellte Bärbel Sauerland fest.

Auch die Zahl der Anbieter, die ihre Waren über den Bringdienst zu den Bürgern bringen möchten, sei überschaubar. Mit dem Dorfladen Hüinghausen, der Großen Hörwelt Faust und der Apotheke Lehmann gebe es bislang lediglich drei Partner, die ihr Mitwirken fest zugesagt haben.

Ärzte benötigt

Ähnlich schleppend gestaltet sich die Suche nach Teilnehmern für das zweite Mobil, das medizinische Angebote vor die Haustür der Bürger transportieren soll. Für dieses werden insbesondere teilnehmende Ärzte aus Herscheid und Plettenberg benötigt. Erfreulich: Der Märkische Kreis hat bereits signalisiert, dass er seine Pflegeberatung über das Mobil vor Ort etablieren möchte.

Doch macht eine Realisierung des Vorhabens vor diesem Hintergrund Sinn? Finanziell ist das Projekt durch Fördergelder in Höhe von 180 000 Euro (aus einem Fördertopf des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft) zwar größtenteils gesichert; den kommunalen Eigenanteil, 20 000 Euro, teile sich die beiden Nachbarkommunen. Doch dieses Geld ist lediglich für den Anschub gedacht – langfristig soll sich das Mobil Sorglos eigenständig finanzieren und das geht nur bei entsprechender Anzahl an festen Teilnehmern.

Da liegt noch jede Menge Arbeit vor uns. Vielleicht muss sich unser neues Angebot erst noch rumsprechen.

Bärbel Sauerland, Leiterin des Rathaus-Fachbereichs 2

Daher erkundigten sich die Kommunen bei den Fördergebern und erhielten Rückendeckung. Die Erfahrung bei ähnlichen neuen Projekten zeige, dass sich neue Interessenten gewinnen lassen, sobald der Stein ins Rollen gebracht wurde. Dann werde die Nachfrage gewiss steigen, so die Hoffnung der Planer. „Fördermittel sind auch dazu gedacht, Projekte in der Praxis zu testen“, erklärt Bärbel Sauerland.

Mutmacher

Mut macht ihnen unter anderem die generelle Unterstützung der Bürger: So haben sich auf einen Aufruf bereits 20 Personen gemeldet, die als Fahrer den Bring- und Lieferdienst von Lebensmitteln übernehmen würden. Und auch im Sozialausschuss gab es Lob: Die Ausschussvorsitzende Caroline Vedder sprach von einem guten Projekt und warb dafür, dieses durch Mundpropaganda zu unterstützen.

Derweil konzentrieren sich die Organisatoren in den nächsten Wochen auf drei wesentliche Schritte: So soll die Vermittlungsplattform im Internet mit Leben gefüllt werden. Auf dieser sollen die Bürger ihre gewünschten Waren auswählen und bestellen können. Dies soll alternativ aber auch telefonisch möglich sein. 

Nächste Schritte

Im nächsten Schritt soll ein Fahrzeug gekauft werden, mit dem die Waren ausgeliefert werden. Hier würde sich ein VW Caddy oder aber ein Renault Kangoo anbieten, weil diese Fahrzeugtypen über entsprechend große Ladekapazitäten verfügen. Eine zentrale Aufgabe kommt indes auf Projektplanerin Dr. Vera Gerling zu: Die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts für Gerontologie an der Technischen Universität Dortmund, die die Gemeinde Herscheid seit einigen Jahren unterstützt, will weitere Unternehmen ansprechen, die bei der Bedarfsanalyse grundsätzliches Interesse an einer Teilnahme bekundet haben. Außerdem möchte sie gezielt Ärzte ansprechen und für das Projekt gewinnen.

„Da liegt noch jede Menge Arbeit vor uns“, fasst Fachbereichsleiterin Bärbel Sauerland die Ausgangslage zusammen. In den Monaten Februar und März soll weiter intensiv für das Mobil Sorglos geworben werden. „Vielleicht muss sich unser neues Angebot erst noch rumsprechen“, so Sauerland.

Ansprechpartner

Kunden, die den Service in Anspruch nehmen oder sich informieren wollen, können sich im Rathaus melden bei Meryem Yilmaz, Telefon (0 23 57) 90 93 25, bei ihrem Plettenberger Kollegen Jonas Borgmann, Telefon (0 23 91) 92 32 07, oder auch per Email an die Adresse info@mobilsorglos.de.

Mobil A und Mobil B: Das sind die Unterschiede

Das Projekt Mobil Sorglos ist für die beiden Nachbarkommunen Herscheid und Plettenberg Neuland. In der Planungsphase gibt es keine Erfahrungswerte, auf die zurückgegriffen werden können. Vieles soll im Verlauf des Projekts erprobt werden, um zu schauen, wie dieses neue Angebot optimal entwickelt werden kann. Zunächst soll im April das Mobil A an den Start gehen: Älteren, immobilen Menschen sollen in einem kleinen Transportwagen Produkte des täglichen Lebens gebracht werden. Diese können vorher telefonisch oder über eine Internetplattform bestellt werden. Das Mobil B ist ein umgebauter Wohnwagen, der vor der Wohnung älterer Menschen parkt. In einem abgetrennten Bereich können über das Internet Dienstleistungen unterschiedlicher Art erbracht werden; denkbar sind Videosprechstunden mit Hausärzten, Fachärzten oder der Pflegeberatung. Bei der Nutzung der Technik helfen speziell geschulte Mitarbeiter und die Videosprechstunden selbst werden unter Wahrung des Datenschutzes durchgeführt. Auch diese Angebote können ein paar Tage vorher gebucht werden; ein Startpunkt für das Mobil B gibt es noch nicht. Die Nutzung dieses Projekt ist nicht kostenlos, sondern ist mit einer monatlichen Teilnahmegebühr verbunden. Quelle: www.mobil-sorglos.de

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