Befragung der Generation 75 Plus

Mobil Sorglos soll im Herbst Fahrt aufnehmen: Arztgespräch im Wohnwagen

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Meryem Yilmaz von der Gemeinde Herscheid (links) und Jonas Borgmann von der Stadt Plettenberg (rechts) hoffen, dass viele Einwohner der Generation 75 Plus die Fragebögen ausfüllen und in einer der Sammelboxen einwerfen

Herscheid – Die Kombination aus Bringservice und Videokommunikation ist einmalig: Die Nachbarkommunen Herscheid und Plettenberg wagen einen innovativen Schritt und bringen mit einer Bedarfsanalyse das Projekt Mobil Sorglos ins Rollen.

„Die Corona-Krise hat uns deutlich gemacht, wie wichtig insbesondere digitale Angebote sind“, sagt Meryem Yilmaz, Mitarbeiterin im Herscheider Rathaus. Sie ist, genau wie ihr Plettenberger Kollege Jonas Borgmann, überzeugt von der Sinnhaftigkeit des neuen Projektes, welches anfangs noch mancherorts wegen der geplanten Videosprechstunden belächelt wurde. Doch egal ob im Beruf oder in der Schule – Corona habe gezeigt, wie wichtig die Telekommunikation im privaten Bereich ist.

„Wir sind mit unserem Projekt auf dem richtigen Weg“; sind sich die Planer daher einig. Um dieses passgenau auf die Bedürfnisse der heimischen Senioren zuschneiden zu können, erfolgt nun eine Bürgerbefragung. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Gerontologie an der Technischen Universität Dortmund ist ein Fragebogen entworfen worden. Dieser umfasst zwölf Seiten und wird in diesen Tagen an rund 3 000 Haushalte in Herscheid und Plettenberg geschickt. „Angeschrieben wird gezielt die Generation 75 Plus“, erklärt Yilmaz. Diese Altersgruppe lebe größtenteils in den eigenen vier Wänden, könnte dort aber von den Hilfestellungen profitieren.

Generell sei das Projekt für alle Bürger profitieren können, jedoch stehen die Bedürfnisse von immobilen Personen im Vordergrund. So wird in dem Fragebogen beispielsweise gefragt, für welche Bereiche ein Bringservice (Mobil Sorglos A) benötigt wird: Apotheken, Metzger, Schuhgeschäfte, Lebensmittel und andere Möglichkeiten können angekreuzt werden. „Wir wollen kein Konkurrenzangebot schaffen, sondern stimmen uns mit den lokalen Akteuren ab“, betont Jonas Borgmann. So habe beispielsweise der Dorfladen Hüinghausen seine Teilnahme signalisiert. 

Das Mobil Sorglos B hingegen soll das Internet für die Senioren nutzbar machen: In einem mit Sattelitentechnik ausgestatteten Wohnwagen könnten sie per Videoübertragung Kontakt zu verschiedenen Dienstleistern aufnehmen (natürlich unter vorheriger fachlicher Anleitung) – auch in diesem Bereich wird der Bedarf abgefragt. Neben Sprechstunden mit Ärzten sind auch Gespräche mit Banken, Behörden und Handwerkern denkbar. Neben Ergänzungswünschen wird auch das mögliche Bezahlmodell (monatlich feste Beträge oder Bezahlung nach Lieferung) erfragt. Zwar erfolgt die Teilnahme an der Umfrage anonym, also ohne Namensnennung. Um die Angaben besser einschätzen zu können, werden abschließend dennoch einige persönliche Dinge erfragt (Zugehörigkeit Altersgruppen, Einschätzung der eigenen finanziellen Situation, generelles Internet-Nutzungsverhalten). 

Die Organisatoren hoffen, dass sich möglichst viele Senioren Zeit nehmen und den Fragebogen ausfüllen. Denn nur so sei gewährleistet, dass das Projekt auch zielgerichtet weiterlaufen kann. „Jeder Bedarf, der nicht gemeldet wird, kann von uns in der weiteren Planung nicht berücksichtigt werden“, sagt Jonas Borgmann, der sich freut, dass sowohl die Kommunalpolitik, als auch die beiden Verwaltungsspitzen das Projekt unterstützen.

Für die Bedarfsabfrage ist ein zeitlicher Rahmen von zwei Wochen vorgesehen. Bis spätestens 3. Juli sollten die ausgefüllten Fragebögen in einer der Sammelboxen eingeworfen sein, die bereits an vielen Stellen in den beiden Kommunen aufgestellt worden sind. Nach erfolgter Auswertung sollen erste Ergebnisse im August vorliegen. Auf deren Basis erfolgt die Detailplanung, wie Fahrzeugbeschaffung und Fahrersuche. „Die Testphase soll im Oktober, spätestens aber im November starten“, nennt Yilmaz ein mögliches Datum für den Beginn des Mobils Sorglos.

An neun Orten sind Sammelboxen aufgestellt. Diese stehen (in Herscheid) in der Apotheke Neuer Weg, in der Dorf-Apotheke, im Dorfladen Hüinghausen, im Rathaus-Bürgerbüro sowie (in Plettenberg) in der Apotheke Am Nocken, im Diakonischen Werk, im Rathaus, bei Lotto Schütz und in der Victoria-Apotheke.

Daher unterstützt der Bund das Projekt Mobil Sorglos mit Fördermitteln.

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