Ankündigungen des NRW-Gesundheitsministers sorgen für Irritationen

Lockerungen im Seniorenzentrum sind „keine Erleichterung für uns“

Jeder, der Bewohner des Seniorenzentrums besuchen möchte, muss auch weiterhin eine Maske tragen. Doch die Lockerungen, verkündet von NRW-Gesundheitsminister Laumann, sorgen für Änderungen im Alltag der Einrichtung.
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Jeder, der Bewohner des Seniorenzentrums besuchen möchte, muss auch weiterhin eine Maske tragen. Doch die Lockerungen, verkündet von NRW-Gesundheitsminister Laumann, sorgen für Änderungen im Alltag der Einrichtung.

Die ersten Nachfragen von Angehörigen gab es prompt am Freitag. Wie viele Besucher sind ab sofort erlaubt? Werden Gäste weiter auf Corona getestet? Die von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann angekündigten Lockerungen für Senioreneinrichtungen haben vielerorts für Irritationen gesorgt, auch in Herscheid.

Herscheid - „Das ist keine Erleichterung für uns“, sagt Anke Dahlhaus. Damit bezieht sich die Einrichtungsleiterin auf die Kurzfristigkeit der Mitteilung. Der Minister trat am Donnerstag vor die Mikrofone der Reporter in Düsseldorf und verkündete die geplanten Neuerungen, die möglichst bald umgesetzt werden sollen. Doch die Menschen, die diese Regelungen an den Alltag in den Häusern anpassen müssen, also die Mitarbeiter vor Ort, waren in diese Veränderungen zu diesem Zeitpunkt noch überhaupt nicht eingeweiht.

Anke Dahlhaus erfuhr aus der Zeitung von den Lockerungen. Doch wie sehen diese im Detail aus? Sie musste zu nächst abwarten, bis ihr eine entsprechende Verordnung vorlag. Nach einem Einlesen stellte sie am Montagmittag fest: „Glücklich bin ich damit nicht.“ Zu undurchsichtig seien manche Anpassungen.

Besuchsregelung

Exemplarisch nennt die Herscheiderin die Möglichkeit, dass Bewohner bald Besuch von fünf Personen aus zwei Haushalten gleichzeitig erhalten dürfen. Somit würden drei Haushalte aufeinandertreffen. Im öffentlichen Raum sind laut gültiger Coronaschutzverordnung jedoch nur Treffen mit Angehörigen eines weiteren Hausstandes erlaubt. Erfahren die Senioren in diesem Fall also eine Sonderbehandlung?

Das Anbieten von gemeinschaftlichen Aktivitäten wie Singen, Basteln oder Gottesdiensten, die gemeinsame Einnahme der Mahlzeiten – all diese vom Gesundheitsminister angestoßenen Lockerungen basieren darauf, dass ein großer Teil der Bewohner und des Personals in den Einrichtungen geimpft ist. In der Realität könne davon allerdings nicht die Rede sein: Während in Herscheid zumindest ein Großteil der Bewohner Mitte Februar seine zweite Impfung erhielt, haben längst nicht alle Mitarbeiter das Impf-Angebot angenommen. 

Doch auch auf deren Gesundheit muss die Einrichtungsleitung großen Wert legen. Und was ist mit neu aufgenommenen Bewohnern, die noch nicht geimpft sind? Ein mobiles Impfteam könne erst ab einer Gruppengröße von mindestens sechs Personen bestellt werden, erzählt Anke Dahlhaus. Also müsste ein Termin in einem Impfzentrum und der Transport dorthin organisiert werden.

Einer Bevorzugung komme die Ankündigung gleich, dass geimpfte Bewohner Besuch ohne das Tragen einer Maske empfangen könnten. Doch angesichts der hohen Infektionszahlen im Märkischen Kreis sorgt sich die Einrichtungsleiterin um eine möglicherweise steigende Infektionsgefahr durch die Lockerungen für ihr Haus.

Mehr-Aufwand

Bislang sei die Herscheider Einrichtung gut durch die Pandemie gekommen. Viele Punkte des bewährten Schutzkonzeptes bleiben deshalb bestehen. Jedoch gilt es für die Einrichtungsleiterin nun, die Lockerungen aus der neuen Verordnung in das Besuchs- und Testkonzept aufzunehmen. Die Umsetzung bedeutet nicht nur für sie, sondern für das gesamte Personal einen Mehr-Aufwand.

Dass in den ersten Tagen nicht alle Neuerungen verinnerlicht sind und dass die Umsetzung einige Zeit benötigt, dafür bittet Anke Dahlhaus um Verständnis bei den Angehörigen und Bewohnern. Der dafür benötigte Vorlauf sei seitens der Politik nicht einberaumt worden. Mit Kritik hält sie sich vorsichtig zurück, dennoch gesteht Anke Dahlhaus aber auch: „Viele der Dinge sind meiner Meinung nach nicht schlüssig oder nicht zu Ende gedacht.“ 

Minijobber für Test-Durchführung gesucht

Ein Punkt der Lockerungen ist die Ausweitung der Besuchszeiten. Bislang waren dafür in Herscheid vier Termine pro Woche vorgesehen. Um die Besucher beim Betreten der Einrichtung auf Corona zu testen, wurde dafür neues Personal auf Minijob-Basis eingestellt. Da die NRW-Politik zusätzliche Besuchskapazitäten verlangt, sucht Anke Dahlhaus weitere Unterstützung, um diese Aufgabe bewältigen zu können. Benötigt werden Personen mit einem medizinischen Hintergrund, etwa Rettungsassistenten oder Arzthelfer. Sie erhalten eine Einweisung in die Handhabung der Schnelltests, um diese für einen befristeten Zeitraum im Seniorenzentrum (so lange die Tests notwendig sind) durchzuführen Interessierte können sich telefonisch in der Einrichtung melden unter der Telefonnummer (0 23 57) 90 69 0.

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