Lieferengpässe in Apotheken

Mangel an Arzneimitteln auch in Herscheid spürbar

Engpässe in der Apotheke: Werden Medikamente knapp?
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Medikamenten-Engpässe beschäftigen Apotheken und Patienten derzeit bundesweit.

Herscheid – „Haben Sie noch dieses Medikament“ – diese Frage hört die Herscheider Apothekerin Claudia Cramer mittlerweile jeden Tag mehrfach. Und damit steht die Inhaberin der Dorf-Apotheke nicht alleine da: Anhaltende Lieferengpässe bei Arzneimitteln machen Apotheken bundesweit derzeit zu schaffen.

Cramer informierte über diese Situation im Rahmen einer Informationsveranstaltung. Denn mittlerweile seien zahlreiche Arzneimittel wie beispielsweise Blutdrucksenker, Schilddrüsenmedikamente, Säureblocker oder Antidepressiva nicht mehr lieferbar. Selbst vor lebensnotwendigen Präparaten macht der Lieferengpass keinen halt. Cramer klärte die Besucher nicht nur über die Hintergründe, wie es zu den Lieferengpässen kommt, auf, sondern auch, welche Folgen das für die Patienten hat.

Globalisierung

Wie kommt es eigentlich zu diesen Lieferengpässen, die nun schon seit einigen Jahren zum Alltag in Deutschland gehören? Auch darüber konnte die Herscheider Apothekerin die Besucher informieren. „Es gibt verschiedene Faktoren, die dazu beitragen. Dazu zählt die globalisierte Arzneimittelherstellung. Weltweit gibt es nur noch wenige Hersteller“, sagte Cramer.

Manche Wirkstoffe würden aus Kostengründen nur noch im Ausland, überwiegend in Indien und China hergestellt. Das sei zwar billig, aber die preiswerte Produktion führe zu Qualitätsmängeln. Produktionsausfälle und Qualitätsprobleme könnten dann schnell dazu führen, die Arzneimittelversorgung in Europa zu gefährden.

Kostendruck

Eine weitere Ursache sei der Kostendruck im Gesundheitswesen. Dazu würden die Rabattverträge der Krankenkassen mit den Herstellern zählen. Dabei würden die Krankenkassen jedes Jahr Wirkstoffe ausschreiben und nur die günstigsten Anbieter erhielten dann den Zuschlag.

Claudia Cramer erklärte unter anderem die Gründe für den herrschenden Medikamenten-Engpass.

Auch die Im- und Exportgeschäfte mit Arzneimitteln seien eine Ursache für Lieferengpässe. Die Noweda-Apothekergenossenschaft schlägt Lösungen: Anreize schaffen, Produktionen aus den asiatischen Ländern zurück nach Europa zu verlagern; die Krankenkassen verpflichten, bei der Rabattvertragsausschreibung mindestens drei Hersteller zu berücksichtigen.

Auf die abschließende Frage, was Patienten tun können, antwortete Cramer, dass jeder, der regelmäßig Medikamente einnehmen muss, sich frühzeitig um ein neues Rezept kümmern sollte.

Großer Aufwand

Klar sei, dass der aktuelle Zustand für alle Beteiligten mit einem großen Aufwand verbunden ist. Denn sei ein per Rezept ausgestelltes Medikament nicht mehr lieferbar, würden die Apotheker dann nach Ausweichmedikamenten suchen und dabei auch Rücksprache mit dem jeweiligen Arzt halten. Dieser müsse dann wiederum prüfen, ob das Präparat für den Patienten geeignet ist, schließlich sei bei einigen Krankheiten eine Medikamentenumstellung nicht unproblematisch. Unter Umständen müssten Patienten wegen dem Medikamentenwechsel vom Arzt engmaschig überwacht werden.

Alles in allem sei dies für alle Beteiligten ein großer Mehraufwand – nicht nur zeitlich, sondern auch finanziell. Daher fordert die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände unter anderem, dass dieser Mehraufwand der Apotheker vergütet wird.

Cramer berichtete, dass die Apotheker mittlerweile zehn Prozenten ihrer Arbeitszeit aufwenden würden, um gemeinsam mit Ärzten, Großhändlern und Patienten nach Lösungen für nicht lieferbare Medikamente zu suchen.

Die nächste Kundeninformationsveranstaltung in der Dorfapotheke findet am 2. März um 19 Uhr im Seminarraum statt. Das Thema dann: Gürtelrose.

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