Das sagen Herscheider CDU-Mitglieder zum digitalen Parteitag

Laschet nun auch Kanzler-Kandidat? „Den zweiten Schritt nicht vor dem ersten machen“

Zeit für ein Selfie: Paul Ziemiak (links) und Sebastian Moos beim Neujahrsempfang der CDU
Herscheid im Januar 2016. Moos ist mit der Wahl Laschets zum Bundesvorsitzenden der
CDU zufrieden, auch wenn Norbert Röttgen sein Favorit gewesen sei.
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Zeit für ein Selfie: Paul Ziemiak (links) und Sebastian Moos beim Neujahrsempfang der CDU Herscheid im Januar 2016. Moos ist mit der Wahl Laschets zum Bundesvorsitzenden der CDU zufrieden, auch wenn Norbert Röttgen sein Favorit gewesen sei.

Jetzt wird es noch schwieriger, ihn nach Herscheid zu holen“, dieser Gedanke überkam Wolfgang Weyland bei der Lektüre der Montagszeitung. Der Vorsitzende der hiesigen SeniorenUnion versucht seit Jahren, Armin Laschet als Gastredner für ein politisches Frühstück zu gewinnen. Durch dessen Wahl zum neuen CDU-Bundesvorsitzenden dürfte sich dieses Vorhaben weiter erschweren. 

Herscheid - Zur Erinnerung: Vor einigen Jahren hatte Laschet bereits zugesagt, als Referent zur Senioren-Union zu kommen; ein konkretes Datum war bereits angefragt und von ihm bestätigt worden. Doch weil Weyland an diesem Tag keine passende Räumlichkeit vor Ort zur Verfügung stand, musste er diesen Termin damals absagen. Ein CDU-Bundesvorsitzender in Herscheid – damit hätte sich die ohnehin lange Liste der prominenten Redner wunderbar erweitern lassen, hadert Weyland.

Mit dem Ergebnis auf dem ersten Online-Parteitag zeigt sich der Herscheider dennoch sehr zufrieden: Armin Laschet sei es als Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen gelungen, souverän zu regieren – trotz nur einer Stimme Mehrheit im Landtag. Daher habe er sich für höhere Aufgaben empfohlen – die Nachfolge von Annegret Kramp-Karrenbauer als CDU-Bundesvorsitzender sei für ihn der richtige Weg. 

„Nicht meine Masche“

Ob Laschet somit Kanzlerkandidat Nummer eins sei? „Man sollte nicht den zweiten Schritt vor dem ersten machen“, mahnt Weyland zu besonnenem Handeln. Zunächst sollte Laschet seine Aufgabe als Bundesvorsitzender übernehmen und sich einarbeiten, um dann zu gegebener Zeit weitere Entscheidungen zu treffen.

Positiv hebt der Herscheider die Rede von Norbert Röttgen auf dem Parteitag hervor und dessen Bereitschaft, trotz der persönlichen Wahlniederlage im Parteipräsidium mitwirken zu wollen. Kein Verständnis zeigt Weyland hingegen für den dritten Bewerber um den Vorsitz, Friedrich Merz. Zu dessen „vergiftetem Angebot“ an Sieger Laschet, das Wirtschaftsministerium im aktuellen Bundeskabinett übernehmen und zugunsten der Frauen keinen Platz im Präsidium beanspruchen zu wollen, sagt der Senior: „Das ist nicht meine Masche.“

Weyland hatte den Online-Parteitag im Internet genau verfolgt. „Die Atmosphäre ohne Leute war schon eigenartig“, meint der Herscheider. Doch unter den besonderen Umständen habe diese Veranstaltungsart inklusive der Wahlen „brillant funktioniert“, lobt Weyland, der davon ausgeht, dass auch in Zukunft das Internet bei Parteiversammlungen zu einem tragenden Mittel wird.

Ralph Brinkhaus, CDU-Fraktionsvorsitzender im Bund (links), kam 2017 nach Herscheid und erhielt aus den Händen von Wolfgang Weyland den Spiekus.

Medienschelte

Was ihm in der Berichterstattung sowohl in TV-Sendungen, aber auch in der Zeitung übel aufstieß, war die Unausgewogenheit. Die Durchführung des Parteitages sei eine große technische Herausforderung gewesen und habe (inklusive der Abwehr eines Hacker-Angriffs) reibungslos geklappt.

Dass im Nachhinein die einzige kleine Panne (der Delegierte Hans-Werner Adams hatte seinen Rechner auf stumm geschaltet und konnte daher nicht zu Wort kommen) aufgebauscht wurde, sei fragwürdig. Andere Aspekte, wie etwa die geschmackvolle Gestaltung der anfänglichen Andacht, fanden in den Medien kaum bis gar keine Erwähnung – das sei bedauerlich, sagt Weyland.

Moos traf Laschet

Eine wenig sachliche Diskussion in der Allgemeinheit hatte auch Sebastian Moos erkannt: Der Vorsitzende der CDU Herscheid bemängelt, dass im Vorfeld mehr darüber gesprochen wurde, warum welcher Kandidat nicht geeignet für den Posten des Vorsitzenden ist, anstatt dessen Werte herauszustellen. „Mit der Wahl wurde nun endlich Klarheit geschafft“, zeigt sich Moos erleichtert.

Sein persönlicher Favorit sei zwar Norbert Röttgen gewesen, doch auch mit Armin Laschet sei er sehr zufrieden. Ihn konnte Sebastian Moos übrigens während seiner gut eineinhalbjährigen Zeit als persönlicher Referent des damaligen Landtagsabgeordneten Marco Voge (heutiger Landrat des Märkischen Kreises) mehrfach in Aktion erleben und auch bei Gesprächen kennenlernen. Laschet sei nicht nur sympathisch, sondern auch in der Lage, in schwierigen Situationen (wie der bereits angesprochenen knappen Mehrheit im Landtag) die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Nachdem die ersten personellen Weichen gestellt worden sind, hofft Moos, dass sich die Bundes-CDU gezielt auf die Wahl im September vorbereiten kann. In jedem Fall traut er Armin Laschet eine nachhaltigere Parteiführung zu als seiner Vorgängerin Annegret Kramp-Karrenbauer. Ob Laschet auch der richtige Mann für das Merkel-Erbe und der zukünftige Kanzler ist? Da will sich der Herscheider CDU-Vorsitzende nicht festlegen: „Das werden wir in den kommenden Wochen erleben.“ 

Zum zweiten Mal in Folge kein Neujahrsempfang

Für den 28. Februar hatte die CDU Herscheid ihren Neujahrsempfang geplant. Aufgrund der Corona-Pandemie kann diese Veranstaltung allerdings nicht stattfinden. Sie muss somit zum zweiten Mal hintereinander ausfallen; im Vorjahr musste dieser Termin, zu dem NRW-Innenminister Herbert Reul zugesagt hatte, ebenfalls wegen Corona abgesagt werden. Von dem digitalen Parteitag der Bundespartei sei er durchweg begeistert, sagt Ortsvorsitzender Sebastian Moos. Ob ein solches Vorbild jedoch auch für Veranstaltungen auf lokaler Ebene gelten könne, bezweifelte er. Es sei durchaus denkbar, bei kleineren Veranstaltungen Redner etwa per Live-Video zuzuschalten. Auf das Thema Neujahrsempfang bezogen sei dies allerdings schwer vorstellbar: „Es gibt eine andere Erwartungshaltung vor einem Bildschirm als bei Veranstaltungen etwa in unserer Schützenhalle“, vermutet Moos. Ohnehin bleibe abzuwarten, ob das Thema Online-Veranstaltungen nach Corona einen unverändert hohen Stellenwert behalte oder ob persönliche Treffen den digitalen Angeboten nicht wieder den Rang ablaufen.

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