Bange Momente im Stall

Landwirt Dirk Voss erlebt ein Silvester zwischen Furcht und Freude

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Der jüngste Nachwuchs in den Ställen der Familie Voss: Am Donnerstagabend kam das schwarz-weiße Bullenkalb (links) zur Welt. Noch jünger, zum Zeitpunkt unseres Fotos am Freitagvormittag nur wenige Stunden alt, war das rechte Bullenkalb, das nach der Geburt noch nasses Fell hat.

Herscheid – Die Sorge um seine Tiere, die Gefahr eines Brandes und obendrein die Geburt von zwei Kälbern: Der Jahreswechsel von Landwirt Dirk Voss gestaltete sich unruhig und arbeitsreich.

Während sich die meisten Herscheider um Mitternacht zuprosteten und ein „Frohes Neues“ wünschten, begann der Friedliner seinen Pendelverkehr. Von den geschlossenen Ställen am Schmiedeweg (in denen 60 Tiere untergebracht sind) hinauf zu dem offenen Stall am Wachtweg, dem Zuhause von 180 Tieren – und wieder zurück. 

Während des halbstündigen Feuerwerks hatte Voss ein wachsames Auge auf Gebäude und Vierbeiner. Die Ställe bestehen zu einem Großteil aus Holz. „Wenn da eine fehlgeleitete Rakete einschlägt, würde das fatale Folgen haben“, weiß Voss. 

Der tragische Vorfall im Krefelder Zoo, wo eine Himmelslaterne einen Brand im Affenhaus verursachte, bei dem dutzende Tiere starben, belegt, wie groß die Gefahr ist. Doch was würde bei einem solchen Brand in den Ställen in Friedlin passieren? Ein Gedanke, mit dem sich Dirk Voss nicht zu lange beschäftigen möchte. 

So viel steht fest: Aufgrund der Holzbauweise würden die Ställe rasch lichterloh brennen. Die Rinder würden vermutlich nicht fliehen, denn „der Stall ist für sie der Raum, den sie am besten kennen“, weiß der Landwirt. 

Dieser mulmige Hintergedanke begleitet ihn an Silvester seit vielen Jahren. Feuerwerk steht er daher eher skeptisch gegenüber, auch wenn er die Tradition akzeptiert. Ein Verbot fordert er daher nicht ein. Aus Sicht der Tiere wäre jedoch eine Reglementierung wünschenswert: Sie reagieren, wie Menschen auch, ganz unterschiedlich auf diese Sondersituation. 

Für die meisten bedeutet das Feuerwerk Stress. Vorsichtshalber schaltete der 54-Jährige an Silvester gegen 20 Uhr die Beleuchtung in allen Ställen an. Den hellen Blitzlichtern wird auf diese Weise – zumindest teilweise – die erschreckende Wirkung genommen. Außerdem erhielten Hunde und Pferde, die noch sensibler reagieren, eine Beruhigungspaste. 

Die größte Verunsicherung geht übrigens von Batteriefeuerwerk aus. Diese feuern in kurzer Zeit Leuchteffekte ab. Weil diese im Vergleich zu Raketen nicht zu hoch steigen, sind sie für die Tieren im offenen Stall am Wachtweg gut sichtbar und sorgen für Unruhe. Neben den Geräuschen und dem hellen Licht vernehmen die Tiere insbesondere den Schwefelgeruch. 

Entsprechend erleichtert war der Friedliner, dass die Böllerei ohne besondere Vorkommnisse verlief. Obendrein erlebte der Landwirt rund um den Jahreswechsel zwei Naturwunder: Am Silvesterabend und gegen 4 Uhr an Neujahr wurden zwei Kälber geboren; beide Tiere und auch ihre Mütter sind kerngesund. 

Insgesamt sind an den vier Tagen des neuen Jahres bereits fünf Jungtiere auf dem Friedliner Hof zur Welt gekommen. Die große Anzahl an Tieren sei zwar keine Seltenheit, jedoch auch keine Routine. „Eine solche Geburt berührt mich immer wieder aufs Neue“, freut sich Dirk Voss, dass sein Milchviehbetrieb zu Jahresbeginn gewachsen ist.

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