„Können zwei Tage die Welt retten?“

Längere Weihnachtsferien: Eltern sind hin- und hergerissen

Längere Weihnachtsferien wegen Corona: Diese Regelung der NRW-Landesregierung gilt auch für Herscheid (Symbolfoto).
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Längere Weihnachtsferien wegen Corona: Diese Regelung der NRW-Landesregierung gilt auch für Herscheid (Symbolfoto).

Der Unterricht in NRW-Schulen soll nicht wie ursprünglich geplant am 22. sondern bereits am 18. Dezember enden. Mit diesem Vorhaben will die Landesregierung dazu beitragen, dass Familien vor den Festtagen Kontakte reduzieren und ein entspanntes Weihnachtsfest feiern können.

Herscheid - Wie kommen diese Pläne in Herscheid an? Wir haben uns bei Eltern und Lehrern umgehört.

„Ich persönlich finde das super – vor mir aus könnten die Ferien noch eher beginnen“, meint Katharina Kolbe, Schulpflegschaftsvorsitzende an der Grundschule Hüinghausen. Auf diese Weise erhalten viele Familien die Möglichkeit, das Weihnachtsfest mit einem besseren Gefühl zu feiern, meint sie. Weil nicht jede Familie diese zusätzlichen Ferientage in diesem Jahr auffangen kann, hält Katharina Kolbe eine Notbetreuung an den Schulen für sinnvoll.

Ganz ähnlich sieht es Petra Muth, Schulpflegschaftsvorsitzende der Grundschule Herscheid und Vorsitzende des Kinderbetreuungsvereins Holiday Kids: Für viele berufstätige Eltern „dürfte diese Entscheidung eine Katastrophe sein.“ Nach den Schulschließungen im Frühjahr sei mancher Urlaubstagespeicher geleert. „Da kommt es auf jeden Tag an“, vermutet Petra Muth. Sie persönlich sei hin- und hergerissen ob dieser Maßnahme: Zwar begrüße sie die Mehrzeit mit der Familie. Andererseits sei diese Verkürzung der Unterrichtszeit ein Widerspruch, weil die Schulen nicht als Corona-Hotspots gelten.

Über eine Notbetreuung macht sich Heike Zilinski bereits Gedanken. Die Leiterin der beiden hiesigen Grundschulen muss ohnehin umplanen: Weihnachtliche Abschlüsse oder Gottesdienste, die für den 21. oder 22. Dezember vorgesehen waren, müssen nun vorverlegt werden – sofern das organisatorisch machbar ist. Aus Sicht der Schulen bedeute diese Verlängerung einen planerischen Zusatzaufwand, stellt Heike Zilinski fest.

Eine Ansicht, die Gerd Haas teilt. Der Vorsitzende des Herscheider Schul- und Kulturausschusses und Grundschulrektor im Ruhestand weiß, dass die Planungen in den Schulen ohnehin eng getaktet sind und wenig Platz für Spielraum lassen. Der Beibehaltung des Präsenzunterrichtes stimme er zwar zu, doch den Vorstoß der Landesregierung bezüglich der Weihnachtsferien kann er nicht nachvollziehen: „Mir erschließt sich der Sinn nicht. Ich weiß nicht, ob diese beiden Tage die Welt retten können“, sagt Haas. Seine Befürchtung: Wenn im Januar oder Februar die Coronazahlen wieder steigen sollten, könnte sich die jetzige Entscheidung als Fehler erweisen. Denn dann fehlen die Ferientage an Karneval, die zugunsten der verlängerten Weihnachtsferien gestrichen werden sollen.

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