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Industriebrache: Kurzfristige Sanierung aus diesem Grund nicht möglich

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Von: Dirk Grein

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Der Zugang zu den zum Teil bereits eingefallenen Hallen in Gemeindebesitz ist mit Absperrgittern versperrt. Dahinter türmt sich Schutt auf, sucht sich Grün seinen Weg durch die versiegelten Flächen.
Der Zugang zu den zum Teil bereits eingefallenen Hallen in Gemeindebesitz ist mit Absperrgittern versperrt. Dahinter türmt sich Schutt auf, sucht sich Grün seinen Weg durch die versiegelten Flächen. © Grein, Dirk

Baufällige Hallen, über Schutt wucherndes Grün, ungenutzte, versiegelte Flächen und das alles direkt an einem kaum noch wahrnehmbaren Gewässer: Die Industriebrache in Weiße Ahe ist alles andere als ein Vorzeigeobjekt. Doch an diesem schlechten Zustand wird sich auf absehbare Zeit wenig ändern können.

Herscheid – Die Mitglieder des Bau- und Planungsausschusses besichtigten das Areal am Montagnachmittag in nichtöffentlicher Runde. Bei der anschließenden Sitzung im Bürgersaal erinnerte Bürgermeister Uwe Schmalenbach in aller Kürze an die jüngste Vergangenheit des Geländes: Dort hatte im Juli 2013 eine Halle der Firma Kümesta gebrannt, die wenige Wochen später Insolvenz anmeldete. Bei einer Zwangsversteigerung im April 2018 erhielt die Gemeinde als einzige Bieterin den Zuschlag für den mit 20.000 Quadratmeter größten Teil der Industriefläche; ein kleineres Stück des Areals gehört einer Speditionsfirma.

Der Knackpunkt

Laut Schmalenbach war und ist es das erklärte Ziel der Gemeinde, die Industriebrache zu beseitigen, um eine andere Nutzung zu ermöglichen. Genau das sei der Knackpunkt: Zwar bieten sich verschiedene Möglichkeiten, doch alle sind mit immensen Kosten verbunden.

So berichtete Uwe Schmalenbach von Gesprächen mit dem Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung (AAV). Dieser sei dazu bereit, das Gelände in sein im Herbst beginnendes Sanierungsprogramm aufzunehmen. Dafür sei jedoch ein verbindlicher Beschluss der Herscheider Politik bis zu den Sommerferien erforderlich.

Abriss der zerfallenen Gebäude, Bodenaustausch, Bachoffenlegung und -verlegung: Die erforderlichen Arbeitsschritte seien umfangreich, weshalb der Verband von einer Maßnahmendauer von bis zu fünf Jahren ausgeht. Die anfallenden Kosten würde zu 80 Prozent der AAV übernehmen; 20 Prozent müsste die Gemeinde Herscheid stemmen.

Gesamtsumme fraglich

Die entscheidende Frage lautet: 20 Prozent von welcher Gesamtsumme? In diesem Zusammenhang brachte der Bürgermeister den Ruhrverband ins Spiel, der in Absprache mit der Verwaltung im Jahr 2020 ein Konzept für diesen Bereich erstellt hat. Die Kosten dafür beliefen sich auf 1,2 Millionen Euro. Angesichts der in den letzten Monaten sprunghaft angestiegenen Preise in der Baubranche sei inzwischen mit weitaus höheren Ausgaben zu rechnen, betonte Schmalenbach.

Ohne konkrete Zahlen in ein solches Vorhaben zu starten, dessen Ausgang ungewiss sei, davon riet der Bürgermeister dringend ab. Hauptanliegen der Gemeinde müsse es in diesem Jahr sein, den Haushalt ausgeglichen zu gestalten, ohne bereits angestoßene Projekte zu vernachlässigen. Die Finanzierung der Sanierung in Weiße Ahe sei vor diesem Hintergrund ein zusätzliches, schwierig zu kalkulierendes Finanzrisiko. Auch aus Reihen des Ausschusses machte sich niemand für eine Aufnahme in das AAV-Programm in diesem Herbst stark.

Die Möglichkeiten

Dennoch ließ Uwe Schmalenbach keinen Zweifel daran aufkommen, dass langfristig eine Änderung an dieser Stelle angestrebt werde. Als Möglichkeiten nannte er eine Kooperation mit dem AAV zu einem späteren Zeitpunkt oder aber Projekte über die europäische Wasserrechtsrahmenrichtlinie, für die auch Fördergelder fließen könnten. Kleinere Maßnahmen zur Aufwertung der Fläche seien ebenfalls denkbar.

„An dieser Stelle muss sich etwas ändern, aber jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt“, fasste der Bürgermeister abschließend zusammen.

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